Kirche der Heiligen Maria und des Heiligen Papstes Kyrillus VI
Seligenthaler Straße 9 · Humboldt/Gremberg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8558 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Kirche der Heiligen Maria und des Heiligen Papstes Kyrillus VI |
| Adresse | Seligenthaler Straße 9, 51105 Köln |
| Baujahr | 1952 bis 1959 |
| Eigentum | kirchliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.08.2001 |
| Stadtteil | Humboldt/Gremberg |
Erbaut 1952-53 und 1959
Architekt Georg Maria Lünenborg
Über rechteckigem Grundriß errichtete Saalkirche mit einem Stützensystem aus vorgefertigten Betonbindern. Orientierung nach Westen, Krypta im Untergeschoß. Satteldach mit Beton-Dachsteinen. Auf der Nordseite niedrigeres Seitenschiff und Sakristei als Anbau an das Chorjoch. Im SO vom Hauptschiff abgerückter Glockenturm. Hauptfassade und Seitenschiffwand der Kirche sowie Glockengeschoß des Kirchturms aus Betonmaßwerk.
Außenbau
Ostfassade
Vor der Fassade zur Seligenthaler Straße drei Stufen. Giebelwand von Betonfertigteilen eines ‚Dreigelenk-Binders‘ gerahmt und nach innen zurückgesetzt. Satteldach und Seitenwände vorkragend. Die abgewinkelten Binderteile von ovalen Öffnungen durchbrochen. Gliederung der Giebelwand durch 7 vorgewölbte Betonstützen, im unteren Drittel horizontaler Betonsturz. Zwischen den Stützen eingesetzte Betonfensterplatten mit verglastem Maßwerk, heute hellrot gestrichen. In der Fassadenachse rechteckiger Betonrahmen um eine Türöffnung, ursprünglich Haupteingang der Kirche. Sprossenfenster bei der Renovierung des Gebäudes anstelle der Türflügel eingesetzt.
Nordseite der Kirche und Sakristei
Obergaden der Hauptschiffwand nachträglich mit Eternitplatten verkleidet, 3 längsovale Obergadenfenster unterhalb der Traufe. Dem Hauptschiff vorgelagert niedrigeres Seitenschiff. Seitenschiffwand durch vertikale Betonstützen gegliedert, dazwischen eingesetzte Betonplatten mit verglastem Maßwerk, Platten heute hellrot gestrichen. In der Mitte rechteckiger Türrahmen aus Beton, einflügelige mit Bronzeblech beschlagene Tür. Seitenschiffdach mit Überstand getragen von 5 Stahlrohrstützen (‚Laubengang‘). Am Chorjoch Sakristei als rechteckiger Anbau mit Pultdach. Weiß geschlemmtes Mauerwerk, in der Nordmauer 2 Bahnen aus verglastem Beton-Maßwerk, hellrot gestrichen. Unter dem Seitenschiffvordach Betontreppe zur Eingangstür in der östlichen Sakristeimauer.
Westseite
Fensterlose Chorwand aus weiß geschlemmten Ziegeln, konvexer Querschnitt des Mauerverlaufs. Oberkante mit Zink abgedeckt, Mauerecken das Satteldach des Kirchenschiffs überragend. Heizungskamin in nördlicher Mauerecke. Mittig im Chorwandsockel drei kleine Kryptafenster, Terrain vor den Fenstern nachträglich angeschüttet. An die Chormauer angrenzend die Westwand der Sakristei, weiß geschlemmtes Mauerwerk, 1 tropfenförmiges Fenster.
Südseite
Obergaden z.Zt. mit Eternitplatten verkleidet, 4 längsovale Obergadenfenster. Im SW Außentreppe mit Abgang zur Krypta. Im SO zwischen Kirchturm und Kirchenschiffmauer nachträglich vorgebauter Windfang aus Holz und Glas. Davor dreiseitige Treppenanlage mit drei Stufen, heute Hauptzugang zur Kirche.– Westlich des Windfangs niedrigeres Vordach auf Holzstützen und mit Kupferdeckung, als überdachter Zugang zur Kryptatreppe nachträglich errichtet. Kirchenschiffmauer unterhalb des Vordaches seither mit weißen Klinkern verkleidet.
Kirchturm
Kirchturm über quadratischem Grundriß, weiß geschlemmtes Ziegelmauerwerk mit Ausnahme des Glockengeschosses. Auf jeder Seite 3 Bahnen aus rötlich gestrichenem Betonmaßwerk, die mittlere Bahn weitgehend geschlossen. Niedriges Faltdach mit Beton-Dachsteinen. Turm ursprünglich freistehendes Bauwerk. Nachträglich zwischen Turm und südlicher Kirchenmauer eingefügter Raum mit verglasten Spossenwänden, als östliche Erweiterung des Windfangs errichtet. Eindeckung mit Kupferdach. Im Erdgeschoß des Turmes fensterloser Raum. Zugang vom Windfang durch rechteckige türlose Maueröffnung.
Innenraum Gliederung des Kirchenschiffs durch raumgreifende Betonbinder in 4 ‚Joche‘ und das Chorjoch, der abgewinkelte Binderteil von ovalen Öffnungen durchbrochen. Firstbalken aus Beton, heute rot gestrichen. Deckenverschalung aus Kanthölzern in Längsrichtung, heute grün gestrichen. Weiß verputzte Seitenwände, in den 7 Obergadenfenstern farbige Bleiverglasung. Fensterlose Altarwand aus unverputztem Ziegelmauerwerk. Fußboden aus quadratischen Kunststeinfliesen.Ostwand des Kirchenschiffs aus Betonmaßwerk, in den geometrischen Öffnungen (halbkreisförmige und dreieckige Formen mit abgerundeten Ecken) Scheiben aus farblosem Ornamentglas, einzelne rote und blaue Antikglasscheiben. Reparaturen mit Drahtglas. Östlicher Eingang z.Zt. nicht benutzbar. Verlegung des Eingangs in das 2. Joch, hierzu Durchbruch der Südmauer und Einbau einer Trennwand aus Holz und Glas, verglaste Eingangstür zum vorgebauten Windfang. - Vor der Ostwand Sängertribüne freistehend auf 6 winkelförmigen Betonstützen mit rechteckigem Querschnitt. An der Südostecke Wendeltreppe aus Beton. An der geschwungenen Tribünenfront Brüstungsgitter aus Eisen und Holz. Vor der Tribüne freistehender pilzförmiger Betonsockel mit der Hauptorgel. Im Hauptschiff Kirchenbänke in 2 Blöcken.
Im Chorjoch Boden aus Naturstein, 1 Stufe höher als der Boden im übrigen Kirchenschiff, Altar auf 3 weiteren Stufen errichtet. Bei der liturgischen Umgestaltung des Chorraumes 1980 Reduzierung der ursprünglichen Stufenzahl, Entfernen der Kommunionbank und Versetzen des Altars um ca. 2 m nach vorne.
Seitenschiff und Taufkapelle
Nordwand und Decke des Seitenschiffs von winkelförmigen Betonbindern gestützt. Westwand fensterlos, davor Stele mit Tabernakel. Nördliche Seitenschiffwand aus Betonmaßwerk mit farblosem Ornamentglas, einzelne farbige Antikglasscheiben. Im Ostteil des Seitenschiffs abgetrennte Taufkapelle. Beichtstuhl vor der Trennwand, verkleidet mit Holzlatten. Zugang zur Taufkapelle von Süden. Ovaler Taufraum, Taufbecken in zentraler Aufstellung. Fußboden aus Kieseln und Marmorriemchen. In der Ostwand dreieckiges Kapellenfenster mit farbiger Bleiverglasung. In der Westwand rechteckiger Wandschrank mit bemalten Holztüren, ursprünglich zur Aufbewahrung der Taufgeräte bestimmt.
Sakristei und Krypta
Im Sakristeianbau aufwärtsführende Betontreppe. Raum im Oberschoß ursprünglich als Standort des zweiten Orgelwerks vorgesehen, heute als Depot genutzt. Abwärtsführende Treppe zu Heizungsräumen im Kellergeschoß, zugleich auch interner Zugang zur Krypta im Untergeschoß des Chorjoches. Längsovaler Kryptenraum mit unverputzten Ziegelwänden. In den drei kleinen dreieckigen Fenstern der Westwand bemalte Bleiverglasung. Fliesenboden, quadratisches Altarpodest mit Belag aus Natursteinplatten, an den Ecken vier Deckenstützen aus achteckigen, nach unten sich verjüngenden Betonpfeilern, 2 scheibenförmige Deckplatten, heute farbig gestrichen. Anordnung der Bänke auf drei Seiten um den Altar.
Ausstattung
Altäre
Mensa auf 2 Stipites, um 1953, Chorjoch
Blockaltar mit Heiliggrabfigur (Christus im Grab), 1955/56 (Th. Heiermann), Krypta
Fenster
1 Farbfenster, 1955 (W. Teuwen), Taufkapelle
3 Farbfenster, 1950er Jahre (H. Lünenborg), Krypta
7 Farbfenster, 1974 (J. Nienhaus), Kirchenschiff
Skulptur
Statue d. hl. Joseph mit Jesusknaben, 17. Jh.(?), (Altbestand aus der Notkirche), Eingang zur Taufkapelle
Statue der Immaculata, 18. Jh., (Altbestand aus der Notkirche), Ostwand der Kirche Grundstein mit Pelikanrelief, 1953 (Th. Heiermann), Chorwand
Schatzkunst
Kelch, 1896 (Fr. Degroa), Sakristei
Monstranz, 1919 (Fr. Wüsten), Sakristei
Monstranz, 1910-20 (L. Moldrickx), Sakristei
Kelch, 1. Viertel 20. Jh. (A. Kreiten), Sakristei
Kelch, 1933 (J.A. Bruun), Sakristei
Sonstige Ausstattung
Taufbecken mit Metalldeckel, 1955 (P. Nagel), Taufkapelle
Mosaikboden aus Kieseln und Marmor (Fische im Netz), 1955 (K. Balke), Taufkapelle
Turm
1 Leihglocke aus Deutsch Wartenberg, 1702 (M. Creim aus Lignitz(?), Kirchturm
Grenzstein der Abtei Deutz, 18. Jh., südliche Turmmauer
Wetterfahne, 1960 (K. Balke), Turmbekrönung
Bestandteil des Denkmals sind auch die übrigen im Besitz der Kirchengemeinde befindlichen liturgischen Geräte, Reliquiare, Skulpturen und historischen Ausstattungsstücke, für die auf das Karteikarteninventar beim Stadtkonservator verwiesen wird. Bestandteil des Denkmals ist auch der Freiraum auf der West- und Südseite der Kirche sowie auf der Nordseite bis zur Gebäudeflucht des Kindergartens. Außerdem werden alle ortsfesten Bodendenkmale einbezogen, die u.U. untertägig im Boden verborgen sind.
Nicht Bestandteil des Denkmals sind das auf dem Gesamtgrundstück befindliche Pfarrhaus (Lohmarer Str. 5), der Kindergarten und die Turn- oder Liegehalle, ferner die Anbauten von Windfang und Vordach auf der Südseite der Kirche.
Die Kirche St. Marien ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
In Gremberg, das zur Gemeinde Vingst gehörte und mit dieser 1910 nach Köln eingemeindet wurde, war Anfang des 20. Jahrhunderts eine kleinere Wohnbebauung entstanden. Gottesdienste wurden seit 1911 in einer angemieteten Scheune an der Roddergasse abgehalten. 1914 wurde die Rektoratspfarrei eingerichtet. Seit 1922 diente eine umgebaute Baracke als Notkirche, die der ‚Schmerzhaften Mutter‘ geweiht war. Nach Zerstörung des Gebäudes im Jahr 1944 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein Neubau an der Seligenthaler Straße Nr. 9 (alte Zählung), nahe beim alten Standort geplant. Der Grundstein wurde am 25. Januar 1953 gelegt, bereits zu Pfingsten konnte die Kirche in Gebrauch genommen werden. Die Weihe von St. Marien fand am 6. Dezember 1953 statt. Der Glockenturm kam 1959 zur Ausführung. Bei der Renovierung des Kirchengebäudes 1983 wurde die Vorhalle zwischen Kirchenschiff und Turm angebaut.
St. Marien wurde unter Verwendung von Betonfertigteilen als kostengünstiger Neubau errichtet. Die Hauptschiffbinder wurden wegen ihres großen Gewichts vor Ort hergestellt. Alle übrigen Betonteile, die winkelförmigen Binder und die geraden Wandstützen für das Seitenschiff sowie die Fensterplatten und die Empore, entstanden im Betonwerk. Die Oberfläche der Betonteile wurde nach dem Ausschalen mit Sandstrahl bearbeitet. Für die Montage vor Ort wurden ein Kran und Flaschenzüge eingesetzt. Die Verwendung von Betonfertigteilen und der Montagebau reduzierten die Bauzeit der Kirche auf wenige Monate.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Köln zahlreiche Neubauten, vor allem Banken und Versicherungen, aus Betonfertigteilen errichtet. Der Wiederaufbau der Stadt machte rationelles Bauen erforderlich. Die Bauweise war auch deshalb kostengünstig, da man auf eine Außenverkleidung verzichtete. In den 1950er Jahren suchten mehrere Architekten den Montagebau, der sich im Industriebau längst durchgesetzt hatte, im Kirchenbau anzuwenden. St. Marien ist ein herausragendes Beispiel für den Betonfertigbau in der Sakralarchitektur.
Den Entwurf für St. Marien lieferte Georg Maria Lünenborg (1907-1972). Dieser war 1946-48 Lehrer an der Werkschule in Braunschweig gewesen, bevor er 1948 als Dozent für das Fach Möbelbau an die Werkschule Köln kam. Neben seiner Lehrtätigkeit war er als Architekt tätig und errichtete um 1952 eine Fabrik in Neuss. Bei der Pfarrkirche in Köln-Gremberg ist das konstruktive Prinzip des Betonfertigbaus mit Ausnahme der Chorwand durchgeführt. Sie ist damit vor den übrigen Bauteilen in herkömmlicher Weise ‚ausgezeichnet‘. In Grundriß und Aufriß der Kirche nimmt Lünenborg Bezug auf die frühchristliche Basilika mit freistehendem Campanile. Insofern beeinträchtigt der nachträglich angefügte Verbindungsbau die Kirchenanlage, sein grundsätzlicher Denkmalwert wird dadurch jedoch nicht infrage gestellt.
Lünenborg, der Lehrer für das Fach Möbelbau an der Kölner Werkschule war, hatte ein ausgeprägtes Interesse an neuem Design. Fassade, Seitenschiffwand und Glockengeschoß sind von Betonmaßwerk in gerundeten Formen durchbrochen. Die Fenster, die Betonbinder und selbst der Grundriß der Taufkapelle sind in Anlehnung an die Nierenform entworfen, so daß der Bau im Grundriß und im Detail typische Formen der 1950er Jahre aufweist.
Die 1914 gegründete Pfarre hat sich bis in die Nachkriegszeit mit Notkirchen behelfen müssen. Der 1953 errichtete Neubau ist das erste Gebäude, das in Köln-Gremberg als Pfarrkirche eigens errichtet wurde. Wertvolle Ausstattungsstücke der ersten Notkirche, wie die Barockstatuen, haben hier ihren Platz gefunden. Die Pfarrkirche St. Marien ist daher bedeutsam für die Bewohner von Gremberg. Innerhalb dieses weitgehend aus schlichten Wohnbauten bestehenden Vorortes ist die von G.M. Lünenborg errichtete Kirche ein markantes Gebäude von städtebaulicher Wirkung. Seine Architektur findet als Sakralbau aus Betonfertigteilen weit über Köln hinaus Beachtung. Als ein qualitätvolles Beispiel einer Maßwerk verzierten Betonkirche ist sie ein Zeugnis der Sakralarchitektur der Nachkriegszeit und als Denkmal unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0