Wohnhaus

Waterloostraße 4 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8625
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Waterloostraße 4, 50733 Köln
Baujahr1911
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.07.2003
Stadtteil Nippes

Erbaut 1911, viergeschossiges, dreiachsiges, traufständiges Wohnhaus mit Mittelrisalit. Putzfassade mit Stuckatur in Formen des Neuklassizismus.

Straßenseitige Fassade:

Mittlere Achse betont durch einen teils drei Fenster breiten, vorgezogen Mittelrisalit; hochrechteckige Sprossenfenster original.

EG: Haustür (rechts) mit Stuckrahmung und breitem Sturz, Hauseingangstür erneuert; Fenster mit leicht profilierter Putzfeldrahmung; ovales, liegendes Stuckmedaillon über dem mittigen Fenster des Risalits; straßenseitige Fenster des Mittelrisalites im 1. und 2. OG als Vertikalgliederung seitlich mit feinprofilierten quadratischen Putzfeldern gerahmt; horizontale Gliederung mit Gesimsen in Höhe des Fensterstürze und der Sohlbänke im 1. und 2. OG im Mittelrisalit. Durchlaufendes Sohlbankgesims mit Eierstabmotiv im 1. OG.

Hofseitige Fassade:

4 Geschosse, 4 Achsen, die mittleren beiden davon jeweils mit Balkon (erneuert); Sprossenfenster und -türen mehrheitlich original, Hoftür ebenfalls.

Im Inneren original erhalten:

Grundriss weitgehend; Vestibül: Bodenbelag Marmor, Wände brusthoch mit Marmor verkleidet, darüber pilasterartiger Stuck mit Kanneluren und girlandenartigem Abschluss; Durchgang zum Treppenhaus mit barockisierendem Bogen; Bodenbelag im Treppenhaus teilw. Fliesen, teilw. Terrazzo (Treppe roter Terrazzo/ Treppenabsätze s/w Terrazzo); Treppengeländer mit gedrechselten Stäben und Handlauf in Holz; Kellertür; Wohnungseingangstüren mit Oberlicht; straßenseitige Räume mit schlichtem Deckenstuck, teilw. Kehlung, teilw. Medaillons; Wohnungstüren (Holz) mit Füllung und profiliertem Rahmen; Flur mit kleinem Wandschrank; Küchenspind.

2. und 3. OG sowie Dach teilweise kriegszerstört und wiederaufgebaut;

Bestandteil des Denkmals ist auch der Vorgarten mit Einfriedung (Betonpfosten und schmiedeeisernem Gitter) sowie die rückwärtige Freifläche.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das 1911 erbaute Haus ist ein siedlungs- und baugeschichtliches sowie städtebauliches Zeugnis des Kölner Vororts Nippes. In seiner Erscheinung dokumentiert es die planmäßige Ausweitung von Nippes nach der Jahrhundertwende, die in dem zwischen 1900 und 1914 angelegten Wohnbereich um den von Fritz Encke als Gartenanlage 1905 ausgeführten Leipziger Platz sichtbar wird.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industrieort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom. Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße das Netz gänzlich neuer Straßen, die allesamt wie ihr Zentrum, der Leipziger Platz, nach "Helden" oder Schlachtorten der "Befreiungskriege" benannt wurden. Die in diesen Jahren beginnende Bebauung des Viertels, insbesondere die Randbebauung der 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffenen Grünanlage entsprach der nach der Jahrhundertwende mit einer gewissen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industrieortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes.

Im Bereich Yorckstraße/Leipziger Platz/ Waterloostraße ist eine bürgerlich-repräsentative, nach der Jahrhundertwende entstandene Bebauung anzutreffen. Kriegsschäden haben den großbürgerlichen Charakter dieser historischen Bebauung nicht wesentlich verändert, so daß der städtebauliche Gesamteindruck erhalten blieb.

Das Gebäude Waterloostr. 4 ist ein Beispiel für die repräsentative, gestalterisch aufwendige Mietwohnarchitektur der ersten Jahre des letzten Jahrhunderts in Nippes.

Aufgrund der Erhaltung großer Teile des Originalzustands, insbesondere der straßenseitigen Fassade setzt das Gebäude Nr. 4 einen wichtigen Akzent im vielfältigen, vom historisierenden Pluralismus bestimmten Erscheinungsbild der Waterloostraße.

In der Proportionierung und Axialität der Baukörper schließt das Haus an die in der Zeile gebaute gehobene Mietwohnarchitektur an und bildet neben weiteren reich dekorierten Gebäuden innerhalb des Ensembles historistischer Architektur eine eigenständige Variante. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Nippeser Stadtarchitektur im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiges und unverzichtbares Beispiel. Städtebaulich ist das Haus ein wichtiger Bestandteil der noch erhaltenen Bebauung (Nr. 1, 7-9, 4, 6-8, 10-12), die in Maßstab und Architekturgestaltung von straßenprägender Wirkung ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0