Kirche St. Georg

Kirchplatz 2 · Poll

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8626
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungKirche St. Georg
Adresse Kirchplatz 2, 51105 Köln
Baujahr1953 bis 1954
Eigentumkirchliches Eigentum
Eingetragen seit 24.07.2003
Stadtteil Poll

Erbaut 1953-1954

Architekt Josef Bernard, Mitarbeit Kobes Bong

Saalbau aus Ziegelmauerwerk mit Satteldach nach Südosten orientiert. An der Rheinfront Giebelwand mit Außenaltar unter pfeilergestütztem Vordach. An der NO-Ecke des Gebäudes angefügter Glockenturm an einem Kirchplatz gelegen.

Außenbau

Nordostansicht der Kirchenanlage (Kirchplatz)

Längsseite des Gebäudes zum Kirchplatz orientiert. Satteldach aus Schiefer. In der Ziegelmauer unterhalb der Traufe fünf Balkenköpfe des Dachstuhls und fünf rechteckige Fenster, obergadenartig angeordnet. Bleiverglasung in Stahlrahmen. - Im Südosten des Langhauses rechtwinklig angebaute Werktagskapelle (auch als ‚Anbetungskapelle‘ bezeichnet) mit Schleppdach. Nebeneingang in die Kirche. Zweiflügelige Glastür in Holzrahmen. - Im Anschluss an die Kapelle und mit gleicher Orientierung eingeschossiger und unterkellerter Sakristeianbau. Niedriges Satteldach aus Schiefer, dieses in das Schleppdach des Kapellenbaus eingeschnitten. Auf der Nordseite der Sakristei einflügelige Glastür in Holzrahmen, zwei kleine und ein größeres Fenster unregelmäßig angeordnet.

Glockenturm

An der NO-Ecke des Kirchenschiffs stumpfwinklig angefügter Glockenturm (H. 18 m), Bau durch vortretende Ziegelpfeiler in den Kirchplatz vorgezogen. Pyramidendach aus Schiefer. Turmkörper durch Betonplatten in drei Geschosse unterteilt. Die beiden oberen Geschosse auf drei Seiten mit hölzernen Schallbrettern geschlossen. Im Erdgeschoss dreiseitig offene Eingangshalle zwischen den Eckpfeilern im Osten. Zwischen den westlichen Wandpfeilern das Hauptportal der Kirche. Türwand aus durchgehenden Natursteinblöcken mit der Inschrift (W. Meller), oben: MEIN HAUS SOLL EIN HAUS DES GEBETS/ SEIN SPRICHT DER HERR. WER/ DARIN BITTET EMPFÄNGT + WER SUCHT DER/ FINDET + WER ANKLOPFT DEM WIRD AUFGETAN.

Links der Tür: HERR UND GOTT BEWAHRE MIR DIE TAUFGNADE/ HERR SEI MIR AR/ MEN SÜNDER GNÄDIG/ HERR BE/WAHRE MEINE/ SEELE ZUM EWIGEN LEBEN.

Rechts der Tür: HERR MACH MICH ZUM/ STREITER FÜR DEIN REICH/ HERR SCHENKE UNS/ GUTE PRIESTER/ HERR HEILIGE UNSERE/ FAMILIEN. HERR SEI MEIN/ TROST IM/ STERBEN. Zweiflügelige Holztür. - Zwischen Glockenturm und Kapellenanbau abgegrenzte Grünanlage vor dem Kirchengebäude.

Nordwestseite

Asymmetrische, etwa 20 m lange, vollständig geschlossene Giebelfront aus Ziegelmauerwerk. Innere Gliederung des hinter ihr liegenden Baukörpers in Taufkapelle, Kirchenschiff und Vorhalle (Windfang) nicht ablesbar. Dachrand aus Schiefer. Im Anschluss an die Giebelwand und mit dieser in durchgängigem Mauerverband errichtet die Turmnordseite (s.o.).

Südostseite (Rheinfront)

Asymmetrische Giebelfront aus Ziegeln als gerader Chorschluss von Kirchenschiff und Kapellenanbau errichtet. Satteldach aus Schiefer, im oberen Teil als Vordach weit vorgezogen und auf zwei mächtigen Betonpfeilern auf der Uferböschung ruhend. Bildung einer offenen ‚Schifferkapelle‘ durch die beiden rechteckigen, sich nach oben verjüngenden Stützen und das Vordach. Ausstattung mit gemauertem Außenaltar und großem an der Ziegelmauer befestigten Holzkreuz. In der Giebelwand über dem Altar kleines axiales Rundfenster. - Im Anschluss an das Hauptdach Schleppdach über östlichem Kapellenanbau. Rheinseitige Kapellenmauer vollständig geschlossen, Ostseite der Kapelle mauerhoch verglast. Sakristeimauer zurückgesetzt, darin rechteckiges Fenster mit Betonsturz sowie zwei in einer Achse angeordnete Fenster in Form von Mauerschlitzen. Vor der Sakristeimauer eingefasstes Zierbeet. Übriger Geländestreifen vor der Kirche als Rheinterrasse gestaltet und von niedriger Brüstungsmauer begrenzt. Zum ‚Leinpfad‘ hinabführende Treppe in der Uferböschung.

Südwestseite

In der Ziegelmauer der Längsseite sieben rechteckige Fenster unterhalb der Dachtraufe. Im südlichen Mauerabschnitt (Altarbereich) zwei zusätzliche, etwa 3 m hohe Fenster mit Betonsturz, in einer Achse mit den oberen Fenstern angeordnet, Fensterunterkante wenig über Bodenniveau. Im mittleren Mauerteil zwei kastenartig vorgebaute Beichträume (H. ca. 2,50 m). An der NW-Ecke des Kirchenschiffs rechtwinklig angebaute Taufkapelle mit Schleppdach. Ihre W-Seite mauerhoch verglast, auf der SO-Seite geschlossenes Ziegelmauerwerk. Vor der gesamten Gebäudeseite Grünstreifen mit Rasen.

Innenraum

Rechteckiger Raum mit offenem Dachstuhl in Form von sieben Schwerterdach-Konstruktionen an eisernen Hängestangen. Verschalung der Dachunterseite mit Nut- und Federbrettern. An langen Schnüren herabhängende Lampen. Oberkante der fünf bzw. sieben Seitenfenster an die Holzdecke stoßend. Die beiden großen Westfenster mit Betonsturz. Bleiverglaste Ornamentscheiben. Verputzte Wände. In die Westwand eingelassen zwei Beichtstühle unter Betonsturz, jeweils drei Holztüren mit schmalen Glasfüllungen. Unter den Kirchenbänken Parkett, übriger Boden mit roten Spaltklinkern belegt. Altarpodest heute in Breite des Hauptschiffs (Veränderung). Zwischen Altarraum und Seitenkapelle Stangengitter mit Tür. In der Kapelle vor der SO-Wand Seitenaltar. Vor der Ostwand abgewinkelte Betonstrebe als Deckenstütze des Anbaus errichtet. Neben der Betonstrebe Holztür zur Sakristei.

Im Norden des Kirchenschiffs Orgelempore auf doppeltem Wandpfeiler und zwei freistehenden Betonpfeilern weit vorkragend, östlich angefügte Wendeltreppe. Im westlichen Anbau der Taufkapelle Fußboden aus Spaltklinkern durch eine Stufe abgesenkt. Auf der Ostseite des Kirchenschiffs gläserne Trennwand zum Windfang, zweiflügelige Glastür in Metallrahmen. Im Vorraum Türwand aus Naturstein, zweiflügelige Holztür zum Turm (Haupteingang).

Ausstattung

Glasmalerei

Altarwand: 1 kleines Rundfenster (erneuert)

Obere Wandzone der Seitenmauern: 12 Ornamentfenster, 1950er Jahre(P. Weigmann)

Westmauer im Altarbereich: 2 große Ornamentfenster, 1950er Jahre (P. Weigmann)

Taufkapelle: Fenster mit Schilfmotiven, 1950er Jahre (P. Weigmann)

Werktagskapelle: Engelfenster, 1950er Jahre (L. Mentis)

Altäre

Altartisch mit 2 rundplastischen X-förmigen Stützen, um 1954 (Entwurf J. Bernard), Altarraum

Altartisch mit einer rundplastischen X-förmigen Stütze, um 1954 (Entwurf J. Bernard), Werktagskapelle

Skulpturen

Statue der Maria mit Kind, um 1350 (aus der St. Georg Kapelle), Altarpodest

Statue des hl. Joseph mit Kind, um 1700, unter der Orgelempore

Fragmentierte Statue des hl. Georg, 1942, Sakristei

Statue des hl. Antonius Eremit, 20. Jh., unter der Orgelempore

Konsolstein mit Relief der Geisttaube, um 1954 (H. Gernot), Taufkapelle

Konsolstein mit Relief des Lamm Gottes, um 1954 (H. Gernot), Kapellenanbau

Malerei

Gemälde der Maria mit Anna und Joachim, 17. Jh., Taufkapelle

Schatzkunst

Sonnenmonstranz, 1720 (F. I. Berdolt, Augsburg), Sakristei (ehem. St. Johann Evangelist, Köln)

Geläut

6 Glocken, 1959 (H. Huesker, Petit & Edelbrock), Glockenturm

Sonstiges

Taufstein, Deckel mit Elfenbeineinlagen, 1950er Jahre (H. Gernot), Taufkapelle

Bestandteil des Denkmals sind auch die übrigen, im Besitz der Kirchengemeinde befindlichen liturgischen Geräte, Reliquiare, Gemälde, Skulpturen, Grabmäler und historischen Ausstattungsstücke, für die auf das Karteikarteninventar beim Stadtkonservator verwiesen wird. Außerdem werden alle ortsfesten Bodendenkmale einbezogen, die u.U. untertägig im Boden verborgen sind.

Die Pfarrkirche St. Georg und der zugehörige Sakristeibau sind ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Weiß wurde 1975 als ein Ortsteil der Gemeinde Rodenkirchen in das Stadtgebiet von Köln eingemeindet. Bis ins 17. Jahrhundert waren die Dorfbewohner von Weiß zur Pfarrgemeinde von Immendorf gehörig und wurden dann von der Pfarrei in Sürth betreut. Damals verfügte Weiß lediglich über eine Kapelle, deren erster Vorgängerbau um 1433 entstand, als der Kölner Erzbischof die Erlaubnis hierzu erteilte. 1920 wurde die Kapelle durch ein auf der Südseite angebautes Langhaus zu einer ‚Notkirche‘ vergrößert. Im selben Jahr wurde das Rektorat St. Georg gegründet und dieses 1923 zur selbstständigen Pfarre erhoben.

Nach den Zerstörungen im Jahr 1944 wurde die ausgebrannte ‚Notkirche‘ nicht wiederaufgebaut, sondern mit Ausnahme der ursprünglichen Kapellenmauern abgerissen. Nach einem Wettbewerb erhielt der Architekt Josef Bernard den Auftrag für den Neubau einer Pfarrkirche. Hierfür wurde ein Bauplatz unmittelbar am Rheinufer westlich der Kapellenruine gewählt. Am 6. Dezember 1953 wurde der Grundstein gelegt, am 5. Dezember 1954 fand die Einweihung der neuen Pfarrkirche statt. 1965 wurde die historische Kapelle an der Weißer Hauptstraße, Ecke Georgstraße, u.a. durch Rekonstruktion der 1920 abgerissenen Südmauer, wiederhergestellt, so daß heute in Weiß sowohl die Pfarrkirche als auch die Kapelle mit dem Patrozinium St. Georg bestehen.

Die Pfarrkirche St. Georg wurde mit Bezug zur landschaftlichen Umgebung geplant. Die Südostseite ist zum Flussufer ausgerichtet. Schiffer, die rheinabwärts in Richtung Köln fahren, sehen die Kirche am westlichen Rheinufer liegen. Dabei fällt der Blick auf das von Betonpfeilern gestützte Vordach, das eine Außenkapelle vor der Chorwand bildet. In der Wand öffnet sich ein Rundfenster, durch das der Schein der Ewig Licht-Ampel nach außen leuchtet und nachts vom Fluss aus zu sehen ist. Durch die Gestaltung einer landschaftlich wirksamen Ansichtsseite hat Bernard die Lage der Kirche im Rheinbogen ausgenutzt. Die Rheinfassade ist ein besonderes Kennzeichen von St. Georg.

Auf der Landseite liegt die Kirche an einem kleinen Platz. Glockenturm und Giebelwand sind auf den Ortskern von Weiß ausgerichtet. Die Nordwestfassade ist auf die schräg verlaufende Straße ‚Auf der Ruhr‘ orientiert und steht nicht rechtwinklig zum übrigen Kirchengebäude. Der Glockenturm ist in den Kirchplatz vorgezogen und beherrscht die Platzanlage. Hier befindet sich der Haupteingang, der von den Pfeilern des Glockenturms baldachinartig überfangen wird. Die zwischen Rheinufer und Dorfstraße gelegene Kirche ist somit landschaftlich und städtebaulich in ihr Umfeld eingebunden. Sie ist nicht nur Pfarrkirche, sondern wurde zugleich als Schifferkapelle konzipiert. Bernard knüpft damit an Schifferkirchen an, eine Tradition, die in Köln durch die Bauten von St. Maria Lyskirchen, Alt St. Maternus in Rodenkirchen und St. Clemens in Mülheim belegt ist.

Der Architekt Josef Bernard, der das ungewöhnliche Konzept der Pfarrkirche entwickelt hat, wurde 1902 in Köln geboren und ist 1959 dort verstorben. Nach dem Besuch der Kölner Werkschulen war er im Baubüro von Dominikus Böhm tätig. Von 1936 bis 1946 übernahm er die Bauleitung großer Industrieanlagen außerhalb von Köln (u.a. als Mitarbeiter von Herbert Rimpl). Nach dem Zweiten Weltkrieg war Bernard am Wiederaufbau von St. Heribert in Köln-Deutz beteiligt. In Zusammenarbeit mit Rudolf Schwarz baute er das ‚alte‘ Wallraf-Richartz-Museum sowie zwei Kirchen in Köln (All Saints in Marienburg, St. Joseph in Braunsfeld). St. Georg in Weiß zählt zu seinen ersten Sakralbauten, für die Bernard als selbstständiger Architekt zeichnete.

Nach Bernards eigener Darstellung 1953 hat er bei St. Georg versucht, „den Bau auf eine einfache klare Form zu bringen“. Das Bauen in einfachen klaren Formen war ein Grundsatz der Industriearchitektur, in der Bernard langjährige Erfahrungen hatte. Aus dieser Tätigkeit erklären sich die Bevorzugung bestimmter Materialien, wie Backstein, und die Gestaltung des Innenraums als stützenlose Halle. Seinen Industriehallen mit Dachkonstruktionen aus Metall vergleichbar hat Bernard den Innenraum von St. Georg mit einem offenen Dachstuhl überspannt. Dabei wird der technische Charakter der Konstruktion durch die Wahl von Holz anstelle von Metall gemildert. Zu diesem Eindruck tragen auch die Lampen mit ihren langen und in Bögen herabhängenden Schnüren bei.

Die Pfarrkirche in Weiß hat keine Apsis oder einen baulich abgesetzten Chorraum. Vielmehr sind Altar- und Gemeindebereich in einem gemeinsamen Langhaus zusammengefasst. Der Altar ist, nachdem die Altarstufen entfernt wurden, nur noch durch das einfallende Seitenlicht hervorgehoben. In dem saalförmigen Innenraum wird die Gemeinde stärker als im traditionell gegliederten Kirchenbau in die Liturgie am Altar miteinbezogen. Insofern gehört St. Georg zu den Kirchenbauten der Nachkriegszeit, bei denen Forderungen der Liturgischen Bewegung bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 verwirklicht wurden.

Neu St. Georg ist die erste Pfarrkirche von Weiß. Mit ihrem Bau wurde ein seit 1901 bestehendes Vorhaben verwirklicht. Der Neubau ersetzt die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Notkirche, mit der sich das Rektorat St. Georg seit seiner Gründung 1920 behelfen musste. Die Pfarrkirche St. Georg ist daher bedeutsam für die Bewohner von Weiß. Der Ziegelbau mit Satteldach fügt sich in die bescheidene Bebauung des ehemaligen Schiffer- und Fischerdorfes ein und bildet den städtebaulichen Mittelpunkt der Ortschaft Weiß. Eine Besonderheit der Kirche ist der dem Fluss zugewandte Vorbau einer Schifferkapelle, die eine wirkungsvolle Rheinansicht bietet. Die Pfarrkirche bereichert das Ortsbild und die Stromlandschaft. Sie ist ein unverzichtbares Denkmal für Weiß und das vorstädtische Gebiet im Rheinbogen von Köln und als solches unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0