Wohnhaus

Überlinger Straße 10 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8633
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Überlinger Straße 10, 50935 Köln
Baujahr1955 bis 1956
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.10.2003
Stadtteil Lindenthal

1956/57 erbaut durch Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft „Rheinland“ im Auftrag des Wiederaufbauministeriums NRW im Rahmen des Bauvorhabens Operation Build IX „Belgischer Stab“; Reihenhaus des Typs STA für Stabsoffiziere: zweigeschossiges, traufständiges Einfamilienhaus mit flach geneigtem Satteldach (DG nicht ausgebaut) und geschlemmten Backsteinfassaden; unterkellert (nicht ausgebaut); Architekten: Leonhard Schulze und Wilhelm Hesse

Straßenfassade:

leicht asymmetrische Fassadengestaltung; einheitliche quadratische Fensteröffnungen (alle Fenster in Kunststoff erneuert) mit Fensterbänken aus Ziegelstein; Eingangsbereich in der zweiten Achse von rechts um zwei Stufen erhöht (Kunststein, teilw. scharriert), von sich leicht verjüngendem Beton-Vordach überfangen, das links auf schmaler Mauerzunge aufliegt; rechts neben der Haustür (ursprünglich Eiche mit Glasfüllung, erneuert) in die verputzte Mauerfläche (ursprünglich ziegelfarbener Kratzputz, überstrichen) vier mal drei quadratische Lichtöffnungen für dahinter liegendes Toilettenfenster eingelassen; Satteldach (Deckung verändert) mit asymmetrisch gesetztem Kamin und von der Dachrinne zur Wand abknickendem Fallrohr

Gartenfassade:

zwei Achsen; linke Achse ursprünglich mit 1½-flügligen, asymmetrisch geteilten, querrechteckigen Fenstern (verändert); in der rechten Achse im EG und OG je ein großes querrechteckiges Fenster (ursprünglich bis zum Boden reichend mit horizontaler Teilung, verändert) mit anschließender Verandatür zu Terrasse und Balkon; links Kellertreppe (Beton) mit Metallgeländer (Rundstäbe); originale Kellertür; Balkon (Beton) mit originalem Metallgitter mit V-förmigen Stäben

Giebelseite ungegliedert

Im Inneren original erhalten:

Grundriss; Vorflur und mittige Diele mit Solnhofener Platten (rechteckig); alle übrigen Räume im EG (außer Küche, WC, Bad) mit Stäbchen-Parkett; Durchreiche zwischen Küche und Esszimmer; Wohnzimmer zur Terrasse orientiert; breiter Durchgang mit Schiebetür zwischen Wohn- und Esszimmer; Zimmertüren inkl. Türbekleidungen und Türbeschläge; zweiläufige Treppe mit Holzstufen und Metallgeländer und Messingrundstab als Handlauf; im OG Einbauschrank im Flur; alle Fensterbänke in Jura gelb

Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten inkl. der Zuwegung mit Kunststeinplatten (grau/rot), der rückwärtige, naturbelassene Garten (Rasen und unregelmäßig gesetzte einheimische Bäume und Büsche) mit Terrasse mit originalen Kunststeinplatten im wilden Verband (grau/rot), der seitliche Metallzaun mit Sichtschutz (Scobalit) zum Nachbarn.

Das Gebäude Überlinger Str. 10 entstand in den Jahren 1956/57 im Rahmen einer für Angehörige der belgischen Besatzungsmacht errichteten Wohnsiedlung. Die Besatzungssiedlung wurde im damals entstandenen Bodenseeviertel südöstlich der Straßenkreuzung Bachemer Straße/Decksteiner Straße angelegt. Im Osten wird sie von der Überlinger Straße begrenzt, im Süden von der Lindauer und im Westen von der Decksteiner Straße. Die Wohnanlage besteht aus insgesamt 41 zweigeschossigen Einfamilienhäusern mit flach geneigten Satteldächern, denen zwei unterschiedliche Haustypen zugrunde liegen. 36 dieser Häuser sind in kurzen Zeilen als Reihenhäuser des Typs STA für Stabsoffiziere und 5 als freistehende Einfamilienhäuser des Typs BRI für Generäle errichtet worden. Die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft „Rheinland“ mit Sitz in Köln führte das Bauvorhaben unter der amtlichen Bezeichnung „Operation Build IX Belgischer Stab“ im Auftrag des Ministeriums für Wiederaufbau des Landes Nordrhein Westfalen aus. Die Entwürfe dieser Typenhäuser stammen von der Kölner Architektengemeinschaft Leonhard Schulze und Wilhelm Hesse (Schaffhausenerstraße gerade Hausnummern und Überlinger Straße) sowie dem Leverkusener Architekten Otto Troesser (Decksteiner Straße, Schaffhausenerstraße ungerade Hausnummern).

Im Gebiet der Stadt Köln wurden ab 1949 Besatzungssiedlungen errichtet, die im Auftrag des Ministeriums für Wiederaufbau des Landes Nordrhein-Westfalen von unterschiedlichen einheimischen Bauträgern durchgeführt wurden. Während die gesamten Kosten vom deutschen Staat getragen wurden, bestimmten die Besatzungsmächte selbst über Ausstattung, Raumprogramme und äußere Gestalt der Bauten. Auch die Wahl des Baugeländes erfolgte durch die Besatzungsmacht. In der Regel wurde die Lage der Siedlungen durch militärisch-strategische Überlegungen und eine angenehme Wohnlage bestimmt.

Lindenthal zählte bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem der beliebtesten Kölner Wohngebiete mit einer zum Teil anspruchsvollen Villenbebauung. Nach den weitreichenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurden in Lindenthal auch bis dahin noch unbebaute Areale, wie das Gelände des Bodenseeviertels, als Bauland ausgewiesen. Die Wahl dieses Grundstücks, das an ein zu Beginn der 1950er Jahre angelegtes Villengebiet angrenzt, für den Bau einer Besatzungssiedlung zeugt vom Selbstbewusststein der belgischen Besatzungsmacht, die für ihre höher gestellten Offiziere ein hochwertiges Wohnumfeld beanspruchte. Das in Stadtwald-Nähe befindliche Gelände zeichnete sich sowohl durch seinen hohen Wohnwert im Grünen aus wie auch durch seine äußerst verkehrsgünstige Lage hinsichtlich der Erreichbarkeit der an der Dürener Straße gelegenen belgischen Kaserne Haelen.

Die städtebaulich Anordnung der Siedlung mit z. T. geschwungenen Fahr- und Fußwegen und ausgedehnten Grünflächen entspricht dem Ideal der vorstädtischen Gartensiedlung der 1950er Jahre. Nicht umfriedete Vorgärten (teilw. verändert) und rückwärtige Gärten mit Baumbewuchs lockern das Siedlungsgelände auf und verleihen ihm einen durchgrünten Charakter. Um die an der Schaffhausenerstraße in nord-westlicher Richtung verlaufende Geländestufe von der ehemaligen Hochflutterrasse des Rheins – der sogenannten Niederterrasse zur Mittelterrasse – auszugleichen, sind hier Böschungsmauern (Grauwacke) mit mehrstufigen Treppen (Kunststein) angelegt, die vom auf Straßenniveau gelegenen Bürgersteig zu den Reihenhäusern heraufführen. Fußwege mit Kunststeinbelag verbinden die Häuser untereinander.

Im Hinblick auf das grundlegende gestalterische Konzept ist das Bemühen der Architekten hervorzuheben, der Wohnsiedlung ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild zu geben, was sich in der unterschiedlichen Fassadengestaltung der nach Plänen zweier verschiedener Architektenteams errichteten Häuser des Typs STA und deren Stellung zur Straße hin zeigt. Während die Reihenhäuser entlang der Westseite der Schaffhausenerstraße und der Überlinger Straße (Architekten: L. Schulze und W. Hesse) geschlemmte Backsteinfassaden zeigen, wurden die Doppelhäuser auf der östlichen Seite der Schaffhausenerstraße (Architekt: O. Troesser) ursprünglich durch einen Materialmix aus verputzten und unverputzten Backsteinwänden charakterisiert (verändert). Aber auch innerhalb der jeweiligen Häuserzeilen finden sich leichte Variationen, um Monotonie zu vermeiden. Die parallel zur Straße gestellten Reihenhäuser von Schulze/Hesse sind zu Vierer-Gruppen zusammengefasst und versetzt angeordnet und mit unterschiedlich geformten Lichtöffnungen (Kreis oder Quadrat) sowie verschiedenfarbigem Putz im Eingangsbereich ausgestattet. Bei den im rechten Winkel zur Schaffhausenerstraße gestellten Doppelhäusern von Troesser war der Putz ebenfalls unterschiedlich gefärbt (verändert).

Die Architektur der nach Plänen der in Köln viel beschäftigten Architekten Leonhard Schulze und Wilhelm Hesse errichteten Reihenhäuser, zu denen o.g. Gebäude gehört, zeigt eine klare Formensprache: glatte Fassaden, die allein durch Fenster- und Türöffnungen strukturiert sind. Die Vorderfassade erhält ihren gestalterischen Akzent durch den mit einem Vordach überfangenen Eingangsbereich, der sich auch durch die Materialwahl (Putz) und die runden bzw. eckigen Lichtöffnungen für das dahinter liegende Toilettenfenster gestalterisch abhebt. Die Rückfassade ist durch einen Balkon mit für die 1950er Jahre typischem V-förmigem Gitter belebt. Im Inneren findet sich eine gehobene Ausstattung mit Solnhofener Platten und Parkettbelag im gesamten Erdgeschossbereich. Der Wohnbereich mit Ess- und Wohnzimmer, die durch eine großen Schiebetür verbunden sind, ist gemäß den 1950er Jahren zum Garten orientiert und öffnet sich zu diesem mit einem großen Fenster. Eine ebenerdige Terrasse setzt den Wohnbereich entsprechend den Vorstellungen der 1950er Jahre fort. Da das Gebäude Überlinger Straße 10 mit den angrenzenden Häusern Nr. 6, 8, 12 eine gestalterische Einheit bildet und integraler Bestandteil des gesamten Siedlungskomplexes ist, liegen zwingende städtebauliche Gründe für den Erhalt o.g. Gebäudes vor.

Wohnsiedlungen für die englische und belgische Besatzungsmacht waren in Köln eine der wesentlichen Bauaufgaben der Nachkriegszeit und sind damit wichtige bauliche Zeugnisse der 1950er Jahre. Die Besatzungssiedlung im Bodenseeviertel dokumentiert die konsequente Umsetzung von Vorstellungen einer modernen Gartenstadtgestaltung in der Nachkriegszeit. Aufgrund ihres weitgehend originalen Erscheinungsbildes und der für Besatzungsbauten anspruchsvollen Ausstattung der Einzelbauten, die sich durch den militärischen Rang ihrer Bewohner erklärt, ist der Erhalt der Siedlung von wissenschaftlichem – hier historischem und speziell stadtgeschichtlichem – Interesse. Die Besatzungssiedlung dokumentiert einen besonderen Aspekt der deutschen Nachkriegsgeschichte, in der als Folge des verlorenen Krieges für die Besatzungsmächte eigene Wohnkomplexe erstellt werden mussten. Als Zeugnis der historischen und politischen Verhältnisse dieser Zeit besteht ein öffentlichen Interesse am Erhalt dieser Siedlung und somit jedes einzelnen Wohnhauses.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0