Wohnhaus
Schaffhausener Straße 4 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8635 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Schaffhausener Straße 4, 50935 Köln |
| Baujahr | 1955 bis 1956 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.10.2003 |
| Stadtteil | Lindenthal |
1956/57 erbaut durch die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft „Rheinland“ im Auftrag des Wiederaufbauministeriums NRW im Rahmen des Bauvorhabens „Operation Build IX ‚Belgischer Stab‘ “; Reihenhaus des Typs STA für Stabsoffiziere.
Architekten: Leonhard Schulze und Wilhelm Hesse
Straßenfassade:
leicht asymmetrische Fassadengestaltung; einheitliche quadratische Fensteröffnungen (alle Fenster in Kunststoff erneuert; ehem. Holzfenster) mit Fensterbänken aus Ziegelstein (weiß überstrichen); Eingangsbereich um zwei Stufen erhöht (Kunststein, teilw. scharriert), von sich leicht verjüngendem Beton-Vordach überfangen, das links auf schmaler Mauerzunge aufliegt; rechts neben der Haustür (verändert) in die verputzte Mauerfläche vier mal drei runde Lichtöffnungen für dahinter liegendes Toilettenfenster eingelassen; flach geneigtes Sattel-
dach (Dacheindeckung verändert, ehem. Tonziegel).
Gartenseite:
zwei Achsen; linke Achse ursprünglich mit 1½-flügligen, asymmetrisch geteilten, querrechteckigen Fenstern; in der rechten Achse im EG und OG je ein großes querrechteckiges Fenster (ursprünglich bis zum Boden reichend mit horizontaler Teilung) mit anschließender Verandatür zu Terrasse (Bodenbelag aus grauen und roten Kunststeinplatten in „wildem Verband“) und Balkon (original Metallgeländer mit V-förmigen Stäben); alle Fenster in Kunststoff erneuert (ehem. Holzfenster).
Außentreppe zum Keller (Kellertür original, ebenfalls Geländer und Absturzsicherung); seitlich zum Nachbarn im Terrassenbereich ein formal dem Kellertreppengeländer entsprechen-
der Metallzaun mit Sichtschutz aus grünem Scobalit.
Im Inneren original erhalten:
Grundriss; in der Diele Solnhofener Platten, rechteckiges Format. (Die Wandfliesen im Eingangsbereich sind neueren Datums und nicht Bestandteil des Denkmals.) Wohnräume im EG mit Stäbchen-Parkett, im OG mit PVC-Bodenbelag; Bodenfliesen in Küche und Bädern; Durchreiche zwischen Küche und Esszimmer, zwischen Wohn- und Esszimmer breiter Durchgang mit Schiebetür; Treppe mit Holzstufen und Metallgeländer und Messing-Rundstab als Handlauf; Zimmertüren inkl. Türbekleidungen (Türdrücker verändert; Rosetten original); im OG Einbauschrank im Flur.
Dachboden nicht ausgebaut. Gebäude vollständig unterkellert (nicht ausgebaut).
Bestandteile des Denkmals sind auch die Freiflächen. Es handelt sich um einen die Häusergruppe von der Straße abgrenzenden, leicht ansteigenden und seitlich mit Grauwacke- Bruchsteinen nebst integriertem Mülltonnenplatz befestigten Grünstreifen, der durch je eine Treppe mit Kunststeinbelag (bei Nr. 2 und Nr. 8) den Zugang zu den Gebäuden ermöglicht, einem an den Häusern entlang führenden Weg aus grauen und roten Kunststeinplatten sowie dem rückwärtigen, naturbelassenen Garten mit Terrasse, Rasenfläche, unregelmäßig gesetzten einheimischen Bäumen und Büschen und leichter Erhöhung des Geländeniveaus im hinteren Grundstücksbereich.
Zum Baudenkmal gehört außerdem die im gleichen Bauzusammenhang errichtete Garage auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Das Gebäude Schaffhausener Str. 4 entstand in den Jahren 1956/57 im Rahmen einer für Angehörige der belgischen Besatzungsmacht errichteten Wohnsiedlung. Die Besatzungssiedlung wurde im damals entstandenen Bodenseeviertel südöstlich der Straßenkreuzung Bachemer Straße/Decksteiner Straße angelegt. Im Osten wird sie von der Überlinger Straße begrenzt, im Süden von der Lindauer und im Westen von der Decksteiner Straße. Die Wohnanlage besteht aus insgesamt 41 zweigeschossigen Einfamilienhäusern mit flach geneigten Satteldächern, denen zwei unterschiedliche Haustypen zugrunde liegen. 36 dieser Häuser sind in kurzen Zeilen als Reihenhäuser des Typs STA für Stabsoffiziere und 5 als freistehende Einfamilienhäuser des Typs BRI für Generäle errichtet worden. Die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft „Rheinland“ mit Sitz in Köln führte das Bauvorhaben unter der amtlichen Bezeichnung „Operation Build IX Belgischer Stab“ im Auftrag des Ministeriums für Wiederaufbau des Landes Nordrhein-Westfalen aus. Die Entwürfe dieser Typenhäuser stammen von der Kölner Architektengemeinschaft Leonhard Schulze und Wilhelm Hesse (Schaffhausener Straße, gerade Hausnummern, und Überlinger Straße) sowie dem Leverkusener Architekten Otto Troesser (Schaffhausener Straße, ungerade Hausnummern, und Decksteiner Straße).
Im Gebiet der Stadt Köln wurden ab 1949 Besatzungssiedlungen errichtet, die im Auftrag des Ministeriums für Wiederaufbau des Landes Nordrhein-Westfalen von unterschiedlichen einheimischen Bauträgern durchgeführt wurden. Während die gesamten Kosten vom deutschen Staat getragen wurden, bestimmten die Besatzungsmächte selbst über Ausstattung, Raumprogramme und äußere Gestalt der Bauten. Auch die Wahl des Baugeländes erfolgte durch die Besatzungsmacht. In der Regel wurde die Lage der Siedlungen durch militärisch-strategische Überlegungen und eine angenehme Wohnlage bestimmt.
Lindenthal zählte bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem der beliebtesten Kölner Wohngebiete mit einer zum Teil anspruchsvollen Villenbebauung. Nach den weitreichenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurden in Lindenthal auch bis dahin noch unbebaute Areale, wie das Gelände des sog. Bodenseeviertels, als Bauland ausgewiesen. Die Wahl dieses Grundstücks, das an ein zu Beginn der 1950er Jahre angelegtes Villengebiet angrenzt, für den Bau einer Besatzungssiedlung zeugt vom Selbstbewusststein der belgischen Besatzungsmacht, die für ihre höher gestellten Offiziere ein hochwertiges Wohnumfeld beanspruchte. Das in Stadtwald-Nähe befindliche Gelände zeichnete sich sowohl durch seinen hohen Wohnwert im Grünen aus wie auch durch seine äußerst verkehrsgünstige Lage hinsichtlich der Erreichbarkeit der an der Dürener Straße gelegenen belgischen Kaserne Haelen.
Die städtebauliche Anordnung der Siedlung mit z. T. geschwungenen Fahr- und Fußwegen und ausgedehnten Grünflächen entspricht dem Ideal der vorstädtischen Gartensiedlung der 1950er Jahre. Nicht umfriedete Vorgärten (teilw. verändert) und rückwärtige Gärten mit Baumbewuchs lockern das Siedlungsgelände auf und verleihen ihm einen durchgrünten Charakter. Um die an der Schaffhausener Straße in nord-westlicher Richtung verlaufende Geländestufe von der ehemaligen Hochflutterrasse des Rheins – der sogenannten Niederterrasse zur Mittelterrasse – auszugleichen, sind hier Böschungsmauern (Grauwacke) mit mehrstufigen Treppen (Kunststein) angelegt, die vom auf Straßenniveau gelegenen Bürgersteig zu den Reihenhäusern heraufführen. Fußwege mit Kunststeinbelag verbinden die Häuser untereinander.
Im Hinblick auf das grundlegende gestalterische Konzept ist das Bemühen der Architekten hervorzuheben, der Wohnsiedlung ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild zu geben, was sich in der unterschiedlichen Fassadengestaltung der nach Plänen zweier verschiedener Architektenteams errichteten Häuser des Typs STA und deren Stellung zur Straße hin zeigt. Aber auch innerhalb der jeweiligen Häuserzeilen finden sich leichte Variationen, um Monotonie zu vermeiden. Die parallel zur Straße gestellten Reihenhäuser von Schulze/Hesse sind zu Vierer-Gruppen bzw. zu jeweils aus zwei Doppelhäusern bestehenden Vierer-Gruppen zusammengefasst und versetzt angeordnet und mit unterschiedlich geformten Lichtöffnungen (Kreis oder Quadrat) sowie verschiedenfarbigem Putz im Eingangsbereich ausgestattet. Bei den im rechten Winkel zur Schaffhausener Straße gestellten Doppelhäusern von Troesser war der Putz ebenfalls farblich abgesetzt.
Die Architektur der nach Plänen der in Köln viel beschäftigten Architekten Leonhard Schulze und Wilhelm Hesse errichteten Reihenhäuser, zu denen o.g. Gebäude gehört, zeigt eine klare Formensprache: glatte Fassaden, die wesentlich durch Fenster- und Türöffnungen strukturiert sind. Die Vorderfassade erhält ihren gestalterischen Akzent durch den mit einem Vordach überfangenen Eingangsbereich, der sich auch durch die Materialwahl (Putz) und die runden bzw. eckigen Lichtöffnungen für das dahinter liegende Toilettenfenster gestalterisch abhebt. Die Rückseite ist durch einen Balkon mit für die 1950er Jahre typischem V-förmigen Gitter belebt. Im Inneren findet sich eine gehobene Ausstattung im gesamten Erdgeschossbereich. Charakteristisch für die Architektur der 1950er Jahre ist der zum Garten orientierte Wohnbereich, der sich über eine ebenerdige Terrasse quasi in den Grünbereich hinein fortsetzt. Da das Gebäude Schaffhausener Straße 4 mit den angrenzenden Häusern Nr. 2, 6, 8 eine gestalterische Einheit bildet und integraler Bestandteil des gesamten Siedlungskomplexes ist, liegen zwingende städtebauliche Gründe für den Erhalt o.g. Gebäudes vor.
Wohnsiedlungen für die englische und belgische Besatzungsmacht waren in Köln eine der wesentlichen Bauaufgaben der Nachkriegszeit und sind damit wichtige bauliche Zeugnisse der 1950er Jahre. Die Besatzungssiedlung im Bodenseeviertel dokumentiert die konsequente Umsetzung von Vorstellungen einer modernen Gartenstadtgestaltung in der Nachkriegszeit. Aufgrund ihres weitgehend originalen Erscheinungsbildes und der für Besatzungsbauten anspruchsvollen Ausstattung der Einzelbauten, die sich durch den militärischen Rang ihrer Bewohner erklärt, ist der Erhalt der Siedlung von wissenschaftlichem – hier historischem und speziell stadtgeschichtlichem – Interesse. Die Besatzungssiedlung dokumentiert einen besonderen Aspekt der deutschen Nachkriegsgeschichte, in der als Folge des verlorenen Krieges für die Besatzungsmächte eigene Wohnkomplexe erstellt werden mussten. Als Zeugnis der historischen und politischen Verhältnisse dieser Zeit besteht ein öffentlichen Interesse am Erhalt dieser Siedlung und somit jedes einzelnen Wohnhauses.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0