Wohnhaus
Schaffhausener Straße 19 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8637 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Schaffhausener Straße 19, 50935 Köln |
| Baujahr | 1955 bis 1956 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.11.2003 |
| Stadtteil | Lindenthal |
wesentliche charakteristische Merkmale
zweigeschossiges Doppelwohnhaus (mit Nr. 17). 1956/57 erbaut durch die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft „Rheinland“ im Auftrag des Wiederaufbauministeriums NRW im Rahmen des Bauvorhabens „Operation Build IX ‚Belgischer Stab‘ “; des Typs
STA für Stabsoffiziere; Architekt: Otto Troesser.
Vorderfassade:
asymmetrische Fassadengestaltung: der rechte, leicht vorspringende Teil mit Ziegelflächen (weiß überstrichen) und querrechteckigen, ursprünglich asymmetrisch geteilten 1½-flügligen Fenstern; im EG links ebenfalls Ziegelfläche (weiß überstrichen), das leicht vorkragende OG mit hell getöntem Edelputz (in neuerer Zeit überstrichen), im EG und OG zwei bzw. drei kleinere quadratische Fenster; mittig der um eine Stufe (Kunststein) erhöhte, tief eingeschnittene Hauseingang, Einbauleuchte im Sturz vor der Haustür; rechts neben der Haustür (verändert) im abgestuften und schräg gestellten Mauerwerk drei mal drei quadratische Lichtöffnungen für das dahinter gelegene Toilettenfenster; Fensterbänke aus Ziegelstein (weiß überstrichen); alle Fenster verändert (ehem. Holzfenster); flach geneigtes Satteldach
(Dacheindeckung verändert; ehem. Tonziegel).
Gartenseite:
durch schmale Mauervorlagen gleichmäßig in drei Abschnitte geteilte Fassade; im EG Ziegelflächen (weiß überstrichen); das leicht vorkragende OG mit Edelputz (in neuerer Zeit überstrichen); im EG in den äußeren Abschnitten je ein großes, quer gelagertes Fenster mit niedriger Brüstung, im mittleren Abschnitt Fenster mit flankierender Terrassentür; im OG die (ursprünglich 1½-flügligen) Fenster nach rechts an die Mauervorlagen gerückt; alle Fenster verändert (ehem. Holzfenster); über die gesamte Hausbreite reichende Terrasse mit Kunststeinplattenbelag in grau und rot („wilder Verband“), Beton-Außentreppe zum Keller (Kellertür original; ebenfalls Geländer und Absturzsicherung); beidseitig als Begrenzung zur Terrasse ein formal dem Treppengeländer entsprechender Metallzaun mit Sichtschutz aus grünem
Scobalit.
Giebelseite Ziegelfassade (weiß überstrichen)
Im Inneren original erhalten:
Grundriss; in der Diele Solnhofener Platten (quadratisches Format); Wohnräume im EG mit Stäbchen-Parkett, im OG PVC-Bodenbelag; Treppe mit Holzstufen; Geländer bestehend aus Metallstäben und schwarzem Mipolamhandlauf sowie Metallgestänge auf der linken (Eingangs-)Seite als Absturzsicherung; Zimmertüren mit Türbekleidungen und aufwendigen Türdrückern; im EG Durchreiche zwischen Küche und Esszimmer, mittiger Durchgang mit Schiebetür zwischen Wohn- und Esszimmer; im OG Einbauschrank im Treppenhaus.
Bestandteile des Denkmals sind auch die umgebenden Freiflächen, bestehend aus einem Grünstreifen vor dem Haus inkl. Zugangsweg (ehemals mit Kunststeinplattenbelag in rot, grau und gelb; heute durch Betonplatten ersetzt), einer Rasenfläche seitlich vom Haus sowie dem rückwärtigen, naturbelassenen Garten (Rasen und unregelmäßig gesetzte einheimische Bäume und Büsche) und die im gleichen Bauzusammenhang errichtete Garage.
Das Gebäude Schaffhausener Str. 19 entstand in den Jahren 1956/57 im Rahmen einer für Angehörige der belgischen Besatzungsmacht errichteten Wohnsiedlung. Die Besatzungssiedlung wurde im damals entstandenen Bodenseeviertel südöstlich der Straßenkreuzung Bachemer Straße/Decksteiner Straße angelegt. Im Osten wird sie von der Überlinger Straße begrenzt, im Süden von der Lindauer und im Westen von der Decksteiner Straße. Die Wohnanlage besteht aus insgesamt 41 zweigeschossigen Einfamilienhäusern mit flach geneigten Satteldächern, denen zwei unterschiedliche Haustypen zugrunde liegen. 36 dieser Häuser sind in kurzen Zeilen als Reihenhäuser des Typs STA für Stabsoffiziere und 5 als freistehende Einfamilienhäuser des Typs BRI für Generäle errichtet worden. Die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft „Rheinland“ mit Sitz in Köln führte das Bauvorhaben unter der amtlichen Bezeichnung „Operation Build IX Belgischer Stab“ im Auftrag des Ministeriums für Wiederaufbau des Landes Nordrhein-Westfalen aus. Die Entwürfe dieser Typenhäuser stammen von der Kölner Architektengemeinschaft Leonhard Schulze und Wilhelm Hesse (Schaffhausener Straße, gerade Hausnummern, und Überlinger Straße) sowie dem Leverkusener Architekten Otto Troesser (Schaffhausener Straße, ungerade Hausnummern, und Decksteiner Straße).
Im Gebiet der Stadt Köln wurden ab 1949 Besatzungssiedlungen errichtet, die im Auftrag des Ministeriums für Wiederaufbau des Landes Nordrhein-Westfalen von unterschiedlichen einheimischen Bauträgern durchgeführt wurden. Während die gesamten Kosten vom deutschen Staat getragen wurden, bestimmten die Besatzungsmächte selbst über Ausstattung, Raumprogramme und äußere Gestalt der Bauten. Auch die Wahl des Baugeländes erfolgte durch die Besatzungsmacht. In der Regel wurde die Lage der Siedlungen durch militärisch-strategische Überlegungen und eine angenehme Wohnlage bestimmt.
Lindenthal zählte bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem der beliebtesten Kölner Wohngebiete mit einer zum Teil anspruchsvollen Villenbebauung. Nach den weitreichenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurden in Lindenthal auch bis dahin noch unbebaute Areale, wie das Gelände des sog. Bodenseeviertels, als Bauland ausgewiesen. Die Wahl dieses Grundstücks, das an ein zu Beginn der 1950er Jahre angelegtes Villengebiet angrenzt, für den Bau einer Besatzungssiedlung zeugt vom Selbstbewusststein der belgischen Besatzungsmacht, die für ihre höher gestellten Offiziere ein hochwertiges Wohnumfeld beanspruchte. Das in Stadtwald-Nähe befindliche Gelände zeichnete sich sowohl durch seinen hohen Wohnwert im Grünen aus wie auch durch seine äußerst verkehrsgünstige Lage hinsichtlich der Erreichbarkeit der an der Dürener Straße gelegenen belgischen Kaserne Haelen.
Die städtebauliche Anordnung der Siedlung mit z. T. geschwungenen Fahr- und Fußwegen und ausgedehnten Grünflächen entspricht dem Ideal der vorstädtischen Gartensiedlung der 1950er Jahre. Nicht umfriedete Vorgärten (teilw. verändert) und rückwärtige Gärten mit Baumbewuchs lockern das Siedlungsgelände auf und verleihen ihm einen durchgrünten Charakter. Um die an der Schaffhausener Straße in nord-westlicher Richtung verlaufende Geländestufe von der ehemaligen Hochflutterrasse des Rheins – der sogenannten Niederterrasse zur Mittelterrasse – auszugleichen, sind hier Böschungsmauern (Grauwacke) mit mehrstufigen Treppen (Kunststein) angelegt, die vom auf Straßenniveau gelegenen Bürgersteig zu den Reihenhäusern heraufführen. Fußwege mit Kunststeinbelag verbinden die Häuser untereinander.
Im Hinblick auf das grundlegende gestalterische Konzept ist das Bemühen der Architekten hervorzuheben, der Wohnsiedlung ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild zu geben, was sich in der unterschiedlichen Fassadengestaltung der nach Plänen zweier verschiedener Architektenteams errichteten Häuser des Typs STA und deren Stellung zur Straße hin zeigt. Aber auch innerhalb der jeweiligen Häuserzeilen finden sich leichte Variationen, um Monotonie zu vermeiden. Die parallel zur Straße gestellten Reihenhäuser von Schulze/Hesse sind zu Vierer-Gruppen bzw. zu jeweils aus zwei Doppelhäusern bestehenden Vierer-Gruppen zusammengefasst und versetzt angeordnet und mit unterschiedlich geformten Lichtöffnungen (Kreis oder Quadrat) sowie verschiedenfarbigem Putz im Eingangsbereich ausgestattet. Bei den im rechten Winkel zur Schaffhausener Straße gestellten Doppelhäusern von Troesser war der Putz ebenfalls farblich abgesetzt. Die von der Straße zurückversetzten Häuser sind über kurze Fußwege zu erreichen, im rechten Winkel sind ihnen zu Vierer-Gruppen zusammengefasste Garagen vorgelagert.
Die Architektur dieser Wohnhäuser, zu denen o.g. Gebäude gehört, zeigt eine klare Formensprache: die asymmetrische Vorderfassade wird durch den Materialwechsel von Putz- und Ziegelflächen geprägt, die zudem durch Vor- und Rücksprünge leicht voneinander abgesetzt sind. Die Rückfassade wird durch schmale Mauervorlagen rhythmisiert. Im Inneren findet sich eine gehobene Ausstattung mit Solnhofener Platten und Parkettbelag im Erdgeschossbereich. Der Wohnbereich mit Ess- und Wohnzimmer ist gemäß den 1950er Jahren zum Garten hin orientiert und öffnet sich zu diesem mit großen Fenstern. Eine ebenerdige Terrasse setzt den Wohnbereich entsprechend den Vorstellungen der 1950er Jahre fort. Da das Gebäude Schaffhausener Straße 19 mit dem angrenzenden Haus Nr. 17 eine gestalterische Einheit bildet und integraler Bestandteil des gesamten Siedlungskomplexes ist, liegen zwingende städtebauliche Gründe für den Erhalt o.g. Gebäudes vor.
Wohnsiedlungen für die englische und belgische Besatzungsmacht waren in Köln eine der wesentlichen Bauaufgaben der Nachkriegszeit und sind damit wichtige bauliche Zeugnisse der 1950er Jahre. Die Besatzungssiedlung im sog. Bodenseeviertel dokumentiert die konsequente Umsetzung von Vorstellungen einer modernen Gartenstadtgestaltung in der Nachkriegszeit. Aufgrund ihres weitgehend originalen Erscheinungsbildes und der für Besatzungsbauten anspruchsvollen Ausstattung der Einzelbauten, die sich durch den militärischen Rang ihrer Bewohner erklärt, ist der Erhalt der Siedlung von wissenschaftlichem – hier historischem und speziell stadtgeschichtlichem – Interesse. Die Siedlung dokumentiert einen besonderen Aspekt der deutschen Nachkriegsgeschichte, in der als Folge des verlorenen Krieges für die Besatzungsmächte eigene Wohnkomplexe erstellt werden mussten. Als Zeugnis der historischen und politischen Verhältnisse dieser Zeit besteht ein öffentlichen Interesse am Erhalt dieser Siedlung und somit jedes einzelnen Wohnhauses.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0