Wohn- u. Geschäftshaus

Rathenauplatz 30 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_0117
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Rathenauplatz 30, 50674 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 01.07.1980
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut um 1890; 4 Geschosse, Souterrain, ausgebautes Dachgeschoß (verändert: 3 Gauben), 3 Achsen, Mittelachse im 2. bis 4. Obergeschoß durch flache Wandvorlage leicht betont; (ursprünglich Balkone); Backsteinfassade mit Stuckgliederungen und Putzflächen (Fassade verändert, sowohl Materialien, als auch Gestalt, z. B. ursprünglich kein Wohnungsfenster im Hochparterre rechts außen); Souterrain mit Wohnhauseingang in rechter äußerer Achse und Tordurchfahrt in linker äußerer Achse gestalterisch von Obergeschossen abgesetzt. Fenster überwiegend erneuert, schmiedeeiserne Gitter der Souterrainfenster original, Tür (verändert) und Tor erneuert.

Rückseite backsteinsichtig, 2. Achse von links verputzt, Fenster überwiegend erneuert. Überdachte Brücke im 3. OG verbindet Haupt- und Hinterhaus (nicht orignal).

Im Innern original: Im Eingangsbereich: teilweise originale Treppenstufen aus Marmor. Im Treppenhaus: zweiflügelige hölzerne Tür, Bodenfliesenbelag, schmiedeeisernes Treppengeländer mit Holzhandlauf, bis 1. Obergeschoß: marmorne Treppenstufen (ursprünglich vermutlich Holztreppe), Stuckprofile an den Treppenpodest-Untersichten, im Treppenhaus, zwischen 2. und 3. Obergeschoß: Hinterhauszugang (verändert). Durchfahrt mit Terrazzoboden.

Zum Denkmal gehört das Hinterhaus (das ursprünglich nur im Sockelbereich mit dem Vorderhaus verbunden war):

4 Geschosse (ursprünglich gleiche Bauhöhe wie Vorderhaus), nach Südwesten Loggien über 3 Geschosse (verändert) und Hinterhauszugang.

Backsteinbau (mit neueren Putzflächen nach Südosten); Fenster überwiegend erneuert (und teilweise verändert), Tür erneuert.

Im Innern original: im 1. Obergeschoß: zweiflügelige Wohnungsabschlußtür aus Holz.

Nicht zum Denkmal gehört der 2- bis 3-geschossige Nachkriegsanbau (Kapelle mit Dachwohnung, 1951 von Karl Band errichtet) im Nordwesten des Hinterhauses.

Bestandteil des Denkmals ist der von einer originalen Backsteinmauer eingefriedet große Garten im Westen des Grundstücks.

Die von Hermann Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard) und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen). Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen (z. B. das Oberlandesgericht im "Gerichtsviertel") aufwendiger oder schlichter gestaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u. a. auch der Rathenauplatz westlich des Hohenstaufenringes angelegt. Er bildet den Mittelpunkt des Kölner Westends, einer einst bevorzugten Wohngegend mit aufwendig gestalteter Bebauung.

Dementsprechend fügte sich auch das o. g. Objekt in die nordwestliche Umbauung des Rathenauplatzes mit seiner Geschoßanzahl, repräsentativen Balkonen und Dachaufbauten ein.

Das Wohn- und Geschäftshaus Rathenauplatz 30 wurde im 2. Weltkrieg - insbesondere im Bereich des rückwärtigen Anbaus - mehrfach beschädigt, seine Bausubstanz blieb jedoch weitgehend erhalten. Obwohl sich die Fassade des Vorderhauses infolge der Kriegseinwirkungen heute verändert darstellt, ist die ursprüngliche ausgewogene Disposition noch erkennbar. Als wichtigste Gestaltungsmerkmale erscheinen die die Waagerechte betonenden Sohlbankgesimse, die leichte Hervorhebung der Mittelachse und das als Sockelzone ausgebildete Souterrain.

Das derzeit als reines Wohnhaus genutzte Objekt, das über einen zu dem Planungskonzept gehörenden großen Garten verfügt, kam vermutlich nach dem 2. Weltkrieg in den Besitz des Ursulastifts und diente der Unterbringung von Arbeitern und Angestellten. Aus dieser frühen Nachkriegszeit stammt der ehemalige Kapellenanbau mit Dachwohnung im Nordwesten des Hinterhauses.

Das o. g. Objekt gehört zu einem Restbestand von Gründerzeitbauten am Rathenauplatz, die den 2. Weltkrieg überdauert haben. Es veranschaulicht als erhaltenswerter integraler Bestandteil - trotz Veränderungen - das ursprüngliche Erscheinungsbild des gärtnerisch gestalteten Rathenauplatzes, der innerhalb der Stübben'schen Neustadtplanung eine bedeutende städtebauliche Einzelleistung darstellt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0