Wohnhaus

Annostraße 84 · Altstadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_0750
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Annostraße 84, 50678 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.08.1981
Stadtteil Altstadt/Süd

Bei dem Objekt Annostr. 84 handelt es sich um ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in der Kölner Altstadt. Im Zeitalter der Industrialisierung erlebte Köln einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung, der zur Niederlassung großer Produktionsbetriebe auf freien und billigen Grundstücken außerhalb und innerhalb des Festungsrings führte. Die Flächen innerhalb des Festungsgürtels waren naturgemäß von besonderer Attraktivität für die Unternehmen, da die Betriebe dort in unmittelbarer Nachbarschaft zu der arbeitenden Bevölkerung angesiedelt werden konnten. Gerade das Severinsviertel mit seinen weiten Flächen, einnehmenden Gärten und Ländereien, in dem auch die Annostraße gelegen ist, bot den unternehmerischen Intentionen beste Voraussetzungen. Anders als im Norden und Westen Kölns wurden im Severinsviertel erst seit den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts neue Straßenzüge angelegt. Die Bebauung der unmittelbar an große Fabriken, wie die Schokoladenfabrik Stollwerck, angrenzenden Annostraße erfolgte seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Bis in das erste Jahrzehnt eines Jahrhunderts entstanden dort typische Drei- und Vierfensterhäuser über L-förmigem Grundriß für Mieter einer Bevölkerungsschicht mit überwiegend geringsten finanziellen Mitteln.

Der um 1905, in der Spätbebauungsphase der Straße, errichtete Bau folgt dem Typus des o.g. Dreifensterhauses. Die Fassadengestaltung ist verhältnismäßig einfach gehalten. Über rustiziertem Erdgeschoß und breitem, horizontalen Fries mit Stuckkartusche sind die drei Obergeschosse in der Grundfläche durchgehend mit Rauhputz überzogen. Die Rechteckfenster sind geschoßverbindend mit glatten, geohrten Putzrahmen eingefaßt. Einen dekorativen Akzent setzen die mit reicher, wenn auch recht trockener Jugendstilornamentik versehenen Stuckplatten zwischen den Fenstergeschossen des ersten und zweiten sowie des zweiten und dritten Obergeschosses. Ein profiliertes Traufgesims bildet den oberen Abschluß des Baus. Der schlicht gehaltenen Fassade entspricht eine rein nach Nützlichkeitsprinzipien konzipierte Innenausstattung des Baus.

Das Gebäude erhält einen besonderen städtebaulichen Wert dadurch, daß es nicht isoliert entworfen wurde sondern als Teil eines insgesamt vier Miethäuser umfassenden Blocks. Dabei entsprechen sich die Fassaden der beiden äußeren sowie der beiden inneren Gebäude völlig. Die Rückfronten mit Hinterhöfen dagegen sind durchgehend in rotem Backstein gehalten, wobei - ebenfalls einheitlich - eine gelbe Backsteinbänderung als Gliederung auftritt.

Das vorliegende Objekt dokumentiert in seiner Gesamtheit eine bedeutende Bebauungsphase und architektonische Konzeption in der Kölner Altstadt. Im Ensemble mit den Nachbarhäusern (Annostraße 80, 82 und 84a) ist es ein wichtiges Zeugnis für die einheitliche, architektonische Erschließung eines ganzen Straßenabschnitts. Die Unterschutzstellung ist daher unbedingt durchzuführen.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0