Hofanlage Bergheimer Höfe

Bergheimer Weg 21 · Longerich

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1524
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungHofanlage Bergheimer Höfe
Adresse Bergheimer Weg 21, 50733 Köln
Baujahr1855
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.05.1983
Stadtteil Longerich

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse in Longerich, da es die modernisierte, ländliche Lebens- und Produktionsart des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Der heutige Wohnstadtteil Longerich ist bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts ein kleines Dorf gewesen, umgeben von einem agrarisch strukturierten Umfeld mit größeren Höfen, von denen nur noch die sogenannten Bergheimer Höfe in den beiden Wohnhäusern und einem Teil des Wirtschaftstraktes erhalten geblieben sind.

Das Herrenhaus (gebaut 1855) der sogenannten Bergheimer Höfe ist ein nach außen hin sehr repräsentativ gestaltetes, zweigeschossiges, fünfachsiges Haus mit Walmdach und einem Ziergiebel. Die Hauptfassade erweckt zusammen mit einem dekorativ bepflanzten Ziervorgarten (Hufeisengrundriß, dekoratives Schmiedeeisengitter) einen schloßähnlichen Eindruck. Die Gliederung und Verzierung der Fassade verstärken mit allen Mitteln diesen Charakter. Horizontal klar in drei Zonen aufgeteilt: Erdgeschoß mit einer gegenläufigen Freitreppenanlage und Ziergeländer, großen, eingerahmten und vergitterten Fenstern, einem durch Girlandenbekrönung hervorgehobenen Eingang, abgeschlossen mit einem Gurtgesims; Obergeschoß durch ein Fensterbankgesims und eine attika-artige Bekrönung des Eingangs vom Erdgeschoß getrennt, mit hohen, rechteckigen Fenstern, die mit ihren Girlanden- und Gebälkbekrönungen direkt an das profilierte Kranzgesims angrenzen; Dachzone mit einem hohen Walmdach und einem die Mittelachse des Hauses betonenden Ziergiebel mit Fenster, einem Attikaaufbau und einem Metallpokal als Krone.

Diese repräsentative, am Stil der französischen Renaissance orientierte Hauptfassadengestaltung wird - allerdings in einer wesentlich bescheideneren Aufmachung - an der Südseite fortgesetzt: Die horizontale Gliederung bleibt gleich, es fehlt jedoch die dekorative Fensterbekrönung.

Mit den beiden Blickfangseiten des Herrenhauses (Haupt- und Südfassade) und dem Ziervorgarten stellt sich die ursprünglich symmetrische Hofanlage nach außen als eine herrschaftliche Residenz dar. Der Charakter des Herrenhauses verändert sich wesentlich an der Nord- und Westseite, die der funktionalen Bindung des Gebäudes an die Wirtschaftsanlage verpflichtet sind. Entsprechend der Funktion sind diese beiden Fassaden nicht verputzt - sie zeigen in Backstein eine vereinfachte, dekorlose, horizontale Gliederung. Der Eingangsanbau von der Hofseite ist ebenerdig ohne Repräsentationsansprüche gestaltet, obwohl er, funktional gesehen, den eigentlichen Haupteingang darstellt.

Das Innere des Hauses zeigt eine weitgehend erhaltene (wenn auch restaurierungsbedürftige) Ausstattung, die dem repräsentativen Außencharakter entspricht: Hohe Räume mit Stuckdekor, verglaste Zierflurtüre mit Oberlicht, breite Holztreppe mit Geländer, Fußbodenfliesen im Flur, Zierzimmertüren. In der Verlängerung der Hoffassade ist das Haus nach beiden Seiten durch je eine große Flachbogen-Toreinfahrt in die Gesamtanlage eingefriedet. Von den ursprünglich in einer Trapezform um den Hof herum gruppierten Wirtschaftsgebäuden ist nur ein langer Stallungstrakt im Norden erhalten geblieben.

Die Art der architektonischen Betonung des repräsentativen Charakters des Herrenhauses dokumentiert den in der Mitte des vorigen Jahrhunderts vollendeten Wandel in der Hoffunktion: Die bis dahin vornehmlich autark orientierte Produktion geriet nunmehr in den Einfluß des rasch expandierenden Agrarmarkts der nahen Großstadt und erfuhr damit einen Aufschwung, der in einer Art des Landadels zum sichtbaren Ausdruck gebracht wurde.

Städtebaulich macht die originale Einfriedung in die (nur teilweise erhaltene) Hofanlage und die Korrespondenz in Maß und Proportion mit dem später gebauten Wohnhaus im Norden (Nr. 23) das o.g. Herrenhaus (Nr. 21) zu einem zentralen Bestandteil des gesamten Hofkomplexes. Von besonderem, soziologischen Interesse ist die Anbindung des - wohl durch eine Produktionserweiterung notwendig gewordene - zweiten (Gesinde-) Wohnhauses (gebaut 1897) an die Hofanlage, die ihre ursprüngliche Symmetrie aufhob.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0