Hofanlage Bergheimer Höfe
Bergheimer Weg 23 · Longerich
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1525 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Hofanlage Bergheimer Höfe |
| Adresse | Bergheimer Weg 23, 50733 Köln |
| Baujahr | 1855 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 30.05.1983 |
| Stadtteil | Longerich |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse in Longerich, da es die Modernisierung der landwirtschaftlich orientierten Lebens- und Produktionsart des späten 19. Jahrhunderts dokumentiert. Der heutige Wohnstadtteil Longerich ist bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts ein kleines Dorf gewesen, umgeben von einem agrarisch strukturierten Umfeld mit größeren Höfen, von denen nur noch die sogenannten Bergheimer Höfe in den beiden Wohnhäusern und einem Teil des Wirtschaftstraktes erhalten geblieben sind.
Das Wohnhaus Bergheimer Weg 23 wurde 1897 errichtet und dokumentiert die nachträgliche Erweiterung der Wohnmöglichkeiten (das Herrenhaus wurde 1855 gebaut) der ursprünglich geschlossenen und symmetrischen Hofanlage. Es ist ein zweigeschossiges Backsteingebäude mit mehrseitiger Baumassegliederung und bescheidenem Dekor. Die Hauptfassade ist mit drei Achsen trauf- und mit einer Achse giebelständig. Am traufständigen Gebäudeteil hält die horizontale Gliederung (drei gelbe Backsteinstreifen je Geschoß zwischen den Stichbogenfenstern) Gleichgewicht mit der vertikalen Betonung (lisenenartige Umrahmung und abgestufte Führung des Kranzfrieses des Traufgesimses, Verlängerung der Fenster durch Reliefs mit Balustrade-Motiv an den Brüstungen, steiles Walmdach). Der ebenerdige Eingang in der dritten Achse (Hausmitte) ist mit einem von zwei Holzkonsolen getragenen Vordach betont. Der Seitenrisalit (vierte Achse) gipfelt in einem steilen Giebel und weist eine ähnliche, horizontale (gelbe Streifen) und vertikale (Lisenen, Giebelfries, Fensterbrüstungsreliefs, Inschrifttafel) Gliederung auf, diesmal mit einer klaren Dominanz der Vertikalen. Die Südfassade - zum Herrenhaus gewandt - ist zweiteilig: Zum Hof hin zeigt sie eine Variante der Risalitgestaltung der Hauptfassade, der andere Teil ist durch eine fensterlose Mauerfläche mit zwei horizontalen Streifen (gelber Backstein), einem großflächigen Ornamentdekor und einem Traufgesims mit Kreuzfries gestaltet. Nach Norden zeigt das Wohnhaus zwei Geschosse mit zwei Achsen und eine Wiederholung des flachen Reliefdekors des traufständigen Teils der Hauptfassade. Hier schließt das Haus auch durch eine differenzierte Abstufung des Treppenhauses direkt an den östlichen Wirtschaftstrakt des Hofs an.
Eine Holztreppe, Fußbodenfliesen und teilweise erhaltene Wohnungs- und Zimmertüren im Hausinneren gehören zur ästhetischen Einheit des ganzen Hauses.
Die Art, wie die architektonische Lösung den funktionalen Anforderungen, unter denen das Wohnhaus entstand, gerecht wurde, macht es zu einem Unikum: Das Backsteinhaus (stilistisch der deutschen Renaissance verpflichtet) wurde zwar für das "Gesinde" (Lohnarbeiter) des Hofs zum Wohnen bestimmt, gleichzeitig mußte es jedoch den modifizierten, repräsentativen Ansprüchen der von der Zufahrtstraße sichtbaren Hofarchitektur genügen. Daher wurde nicht nur seine Position (der traufständige Teil dem Herrenhaus gegenüber zurück versetzt, der Risalit in der gleichen Ebene) sondern auch die Stilvariante (Herrenhaus: Französisches Landadelhaus; Gesindehaus: Deutsche Bürger-Renaissance), die Materialverwendung (Stuck beim Herrenhaus, Backstein hier) sowie auch die dichte Anbindung an die Wirtschaftsgebäude abgeleitet. Somit ist das Haus Nr. 23 ein unverzichtbarer Bestandteil der gesamten Hofanlage, obwohl es - rein ästhetisch gesehen - ihre ursprüngliche Symmetrie aufhebt und auf den ersten Blick als ein Fremdkörper wirkt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0