Wohn- u. Geschäftshaus

Bergisch Gladbacher Straße 99 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1602
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Bergisch Gladbacher Straße 99, 51065 Köln
Baujahrum 1905 bis 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 23.09.1983
Stadtteil Mülheim

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert. Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und seit ca. 1850 Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jahrhundert aus einer Gewerbestadt zum industriellen Vorort (Waggonfabrik Zypen und Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie. 1872, Drahtseilerei Felten & Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des bis dahin freien Geländes in der Nähe der neuen Industrieanlagen führte.

Das viergeschossige Miethaus mit Ladenlokalen wurde um 1905 - 1910 errichtet. Es ist ein Eckhaus mit abgerundeter Ecke, das eine fünfachsige Haupt- und eine zweiachsige Nebenfassade (Keupstraße) zeigt, die in Jugendstil mit byzantinisierenden Dekor-Elementen gehalten sind.

Die Hauptfassade ist von einem leicht vorgewölbten Erker (dritte Achse) mit vier schmalen, hochrechteckigen Fenstern je Geschoß beherrscht, der durch ein Friesband eingefaßt, einen abwechslungsreichen Fensterdekor aufweist. Die übrigen Fensterachsen (erste und zweite bzw. dritte und vierte) sind jeweils um die Erkerachse gruppiert und zwar derart, daß die inneren Achsen (zweite und vierte) symmetrisch, die äußeren (erste und fünfte) unterschiedlich entfernt sind. Dadurch entsteht der Eindruck einer symmetrischen Gestaltung dieser Fassade und gleichzeitig wird sie - von der gegenüber liegenden Ecke aus gesehen - optisch verlängert, d.h. die Eckpartie monumentalisiert. Der Stuckdekor der fein gebänderten Fassade besteht vor allem aus flachen Fensterumrahmungen bzw. -bekrönungen mit Kleeblatt-, Wappen- und Doppelsäulchen-Motiven.

Die Eckgestaltung wiederholt in einer vereinfachten und vergrößerten Form das Erkermotiv (mit zwei hochrechteckigen Fenstern, Lünettenbekrönung und Balustrade je Geschoß). Eine profilierte Einrahmung der Eckachse verstärkt optisch den Charakter eines Erkers, der seinerseits eine "Mittelachse" der Nebenfassade (Keupstraße) und der ersten beiden Achsen der Hauptfassade bildet. Somit erscheint das o.g. Haus als eine raffinierte Kombination eines über Eck (fast) symmetrischen Eckhauses mit einem breiten (fast) symmetrischen Fronthaus mit zwei Erker-Zentren.

Ein breit gebändertes Erdgeschoß mit zwei Ladenlokalen und Gutgesims verbindet alle Fassadenzonen der Obergeschosse und betont die Einheit des Gebäudes. Die horizontale Bindung der ganzen Fassade kommt noch im (teilweise unterbrochenen) Fensterbank- (erstes Obergeschoß) und Friesgesims (viertes Obergeschoß) zum Vorschein. Jede Achse (mit Ausnahem der Eckachse) gipfelt in einer Dachgaube.

Terrazzofußboden mit Terrazzotreppe im Treppenhaus und originale Fenster ergänzen das ursprüngiche Erscheinungsbild des Hauses.

Städtebaulich prägt das Haus die Kreuzung der Keupstraße bzw. Montanusstraße mit der Bergisch Gladbacher Straße und leitet gleichzeitig die entsprechenden Fassadenfronten ein. In der Bergisch Gladbacher Straße bildet es zusammen mit den Häusern Nr. 101 - 109 ein geschlossenes Ensemble ähnlich gestalteter Häuser der Gründerzeit.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0