Wohnhaus

Am Husholz 7 · Raderberg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2430
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Am Husholz 7, 50968 Köln
Baujahr1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.05.1984
Stadtteil Raderberg

Das Haus ist bedeutend für die Menschen in Köln-Raderberg, da es die Geschichte der Menschen dieses südlich gelegenen Kölner Stadtteils darstellt. Es liegt zwischen Bayenthal und Zollstock und ist wie dieser erst spät im Anfang des 20. Jh. erschlossen worden. Die soziale Situation der Bewohner wird durch den südlichen Güterbahnhof und Arbeiterwohnungen bestimmt, die in der Nähe der Arbeitsstätten errichtet wurden. Im Norden befindet sich die Kölner Großmarkthalle. Die Straße Am Husholz ist eine kurze Wohnstraße, die überwiegend mit Nachkriegsbebauung in der Art des sozialen Wohnungsbaus bestanden ist.

Der inschriftlich 1923 datierte dreigeschossige Wohnblock in Klinkermauerwerk steht in einzigartiger Weise sowohl in der Tradition norddeutscher Backsteinbauten als auch in der Weiterentwicklung der modernen Architektur nach 1918. Historisierend ist die Großstruktur der von drei Treppengiebeln bestimmten Dreiergruppe, von denen der mittlere zusammen mit den zwei Achsen der OG leicht vorgerückt ist. Die Fassadenflächen der symmetrisch zu dem Mittelbau angeordneten Seitenflügeln sind flach gehalten, wobei insbesondere die (erneuerten) Holzfenster in die Vorderebene der Fassade gesetzt werden. Dagegen liegen die Segmentbogen-überwölbten Fenster des EG in Scheinarkaden leicht zurückgesetzt. Zu den zahlreichen historischen Zitaten gehören auch die Schlußsteinverzierung in den sorgfältig gemauerten Arkadenbögen sowie die im Stil der Renaissance mit Figuren verzierten zweigeschossigen Schmuckerker, deren expressionistischer Einfluß durch verkröpfte Gesimse und dekorative Brüstung und Kranzgesims sichtbar wird. Die Treppengiebel umfassen je zwei Achsen; drei weitere Achsen von einem Mansarddach überdeckt liegen jeweils dazwischen. Von diesen sind auf beiden Seiten zwei dem zweihüftigen Mittelbau zugehörig, während die einhüftigen Seitenbauten je Geschoß nur eine Wohnung von drei Achsen aufweisen. Im Mittelbau verschmelzen historische und moderne Stilelemente zu einer harmonischen Einheit zusammen, wie sie für einen Mietstockwerksbau aus jener Zeit im Rheinland selten ist. Im leicht vorspringenden EG werden die Arkaden durch einen rustizierenden Ziegelverband ersetzt, der die rundbogige Haustür und zwei symmetrisch flankierende Fenster erwähnt. Die darüber liegenden, hier horizontal miteinander verbundenen Erker des 1. OG stehen mit ihrer kräftigen waagerechten Brüstung deutlich im Gegensatz zu den Vertikalen der Seitenerker. Im 3. OG werden die Giebel durch die gleichmäßige Akzentuierung von jeweils zehn gekuppelten Fenstern, die von einem Werksteinornament in der Mitte unterbrochen werden, zusammengefaßt. Leider sind die originalen Fenster mit horizontaler Sprossenteilung nicht mehr vorhanden. Aber auch so verrät die Fassade die Handschrift eines begabten, der Tradition wie auch der Moderne in gleicher Weise verbundenen, Architekten. Besonders hingewiesen sei auf den reizvollen Figurenschmuck aus Werkstein in den Erkern, auf die Werksteinverzierung in den Attiken und Sockeln der Erker sowie die Werksteinbrüstungen der rundbogigen Fenster auf beiden Seiten des Mitteleingangs.

Im Innern sind die Hauseingänge mit Fliesen aus reizvollem Mittelmosaik belegt, ein zu jener Zeit selten verwandtes Material, das aber original zu sein scheint. Auch die Wände sind - im Horizontalformat - gefließt; darüber ist eine Art-Deco-Stuckierung angebracht. Sehr schöne Terrazzotreppe mit Holzgeländer, deren Absätze bunte Ornamente in Terrazzo aufweisen. Die Decke des Treppenhauses ist sparsam stuckiert (Rosette unter der Lampe). Im Haus Nr. 3 wurden die Wohnungen weitgehend erneuert. Im Haus Nr. 5 (Mittelbau) blieben dagegen Zimmertüren und Stuckdecken in den Wohnungen (Kehlleisten) weitgehend erhalten. Eingangssituation wie Haus Nr. 3. Gleichartig ausgestattet ist auch das Haus Nr. 5. Die rückwärtigen Fassaden sind verputzt, wobei die Seitenflügel risalitartige Vorbauten zum Garten aufweisen. Auch der Mittelbau stößt über drei Achsen in den Garten vor, so daß auch die Rückfront als Fassade voll durchgebildet ist. Durch unterschiedlichen Anstrich und Auswechslung der Fenster wird das Bild etwas verunkärt. Der rückwärtige Garten war an der Mauereinfriedung wahrscheinlich mit einem Pavillon geschmückt, der später abgebrochen wurde. Städtebaulich steht der Block innerhalb der umgebenden modernen Zweckbebauung des sozialen Wohnungsbaus als Dokument einer Zeit, die fünf Jahre nach dem Kriegsende 1918 zu einer derart herausragenden baulichen Leistung fähig und in der Lage war; hier ist vieles soziologisch und kunsthistorisch ungesagt und vor allem unerforscht. Es mag bezeichnend sein, daß das o. g. Gebäude in einer Zeit wirtschaftlicher Depression gebaut wurde, während die umliegende Wohnbebauung aus der Zeit des sog. Wirtschaftswunders stammt. Soziologisch und kunsthistorisch ist die Gesamtsituation ein markantes Beispiel der Verschiebung von Wertmaßstäben. Es gelang dem gegenwärtigen Besitzer, nämlich der öffentlichen Hand, in etwa, den Originalzustand zu bewahren. Auch das historisierende Nachbargebäude, Am Husholz 1, wurde durch Umbauten im Innern sowie Auswechslung der Fenster, teilweise geändert. Um so mehr ist das o. g. Gebäude als einzigartiges Dokument seiner Zeit und des expressiven Art-Deco-Stils für Köln unverzichtbar und von besonderem Denkmalwert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0