Wohn- u. Geschäftshaus

Melchiorstraße 24 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2473
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Melchiorstraße 24, 50670 Köln
Baujahrum 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 12.06.1984
Stadtteil Neustadt/Nord

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeister Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Die Melchiorstraße verbindet das Zentrum des zwischen der Neusser Straße und dem Güterbahnhof Gereon gelegenen "Dreikönigenviertels" der Neustadt, den Sudermannplatz mit dem Prälat-Otto-Müller Platz und erschließt damit die nördliche Umgebung des Viertels. Das räumlich offen wirkende Areal der alten Feuerwache mit relativ niedrigen, unterschiedlich hohen Einzelbauten erweitert den Raum des Sudermannplatzes optisch längs der Melchiorstraße.

Die Straßenbreite und die Höhen der vier- bis fünfgeschossigen Originalbebauung bilden den Querschnitt eines gedrungenen gut belichteten Rechtecks.

Das Haus Melchiorstraße 24 liegt in der Reihe wertvollen Altbaubestandes, der die Häuser Nr. 22 bis 36 umschließt. Zur gegenüberliegenden Straßenseite bestehen unmittelbare Sichtbeziehungen zu den historischen Fassadengruppen der Erstbebauung Nr. 11 bis 17 und 29 bis 31. Zwischen dem Fassadensockel (EG), der mit glattem Erdsockel, durchlaufendem Fensterbankgesims, Fenstern mit Hohlkehlen zwischen Sturz und Laibung, dem oberhalb abschließenden, kantigen Fensterbankgesims am 1. OG und der mit schmalen Fugenschnitt horizontal gebänderten Fläche seitlich über den Fenstern seines tragenden Funktion Ausdruck gibt und in einem breiten mittleren und zwei seitlichen, schmaleren Vorsprüngen geteilten Dachgesims teilen vier gequaderte Pilaster mit Kapitelen aus frontal gesetzten, stilisierten Blüten die Frontflächen des 1., 2. und 3. OG in drei, den Vorsprügen des Dachgesimses entsprechende Felder auf. Das mittlere Feld nimmt in voller Breite ein flacher Risalit ein, der oberhalb unter dem Dachgesims mit eigenem, vorkragendem Gesims abschließt, unterhalb bis an die Oberkante der Sturzmauerungen in den Fassadensockel, das EG, eingreift und mit seinem Feld die Drillingsfenster der beiden mittleren Achsen rahmend umgibt.

Die zum Mittelfeld herangerückten Drillingsfenster der zurückliegenden Seitenachsen umgeben U-förmig, vor dem Fensterbankgesimsen des 1. OG, ausgehende Ränder, die unterhalb des Dachgesimses mit eigenen, vorkragenden Gesimsen abschließen und damit die Passage des Mittelfeldes begleitend wiederholen. Der zentrale Hauseingang, der Fensterpfeiler zwischen den beiden Mittelachsen und eine Randrahmung aus barocken Formen eines großen Rundfensters in der Stirnfläche des dreieckförmg abschließenden Dachgiebels erweitern die Vertikalität der Mittelachsen und betonen die spiegelbildliche Ordnung der Fassadengliederung. Die Fenster am 1. und 2. OG der Mittelachsen stellen durch gemeinsame Rahmung und anschließenden halbkreisförmigen Einzelstürzen der Drillingsfenster die optische Verbindung zu den seitlichen, ebenfalls mit halbkreisförmigen Einzelbogen abschließenden Zwillingsfenster an den Seitenflächen des Dachgiebels die aufwärts führende Verbindung zum Dachgiebel her.

Die im 3. OG mit Korbbogen abschließenden Fenster der Seitenachsen weisen optisch auf zwei halbrund abschließende Dachhäuschen zu beiden Seiten des Dachgiebels hin. Der architektonische Stil zeigt eine Mischung aus in statischer Logik zueinander geordneten, klassizistischen Elementen und von ihrer Schwere befreit erscheinenden Elementen im Sinne des Jugendstils nach dem Vorbild organischen Wachstums. Der Hausflur führt als kurzer Stichflur mittig auf das querliegende Treppenhaus zu.

Den Bodenspiegel aus grauem Terrazzo und die breite Randrahmung aus schwarzem Terrazzo setzt eine schwarz-weiße Mosaikreihe gegeneinander ab. Das Zentrum des Bodenspiegels bildet ein stilisierter Pflanzendekor in rot und schwarz auf grauem Grund umgeben von einer Reihe weißem Mosaik. Der Deckenstuck besteht aus einer Hohlkehle mit profilierter Wand- und Deckenleiste und einer zentralen, länglichen Rosette aus Blumendekor und barock geschwungener Rahmung.

Die einläufige Steintreppe aus grauem Terrazzo, deren Läufe an beiden Enden um 90 Grad gewendelt an die Stockwerkpodeste anschließen, begleitet ein schmiedeeisernes Geländer mit Holzhandlauf von hoher Qualität. Die feingliedrigen Abmessungen entsprechen dem Maßverhältnissen des Treppenhausses. Die Geländerstäbe werden unter dem Handlauf und über den Stufen durch profilierte Flacheisen miteinander verbunden. Das Feld dazwischen teilen drei Stäbe mit gleichen Abständen in vier Zwischenfelder, auf die vier spiegelbildlich zueinander geordnete Ranken schließen. Der zu den Läufen parallel liegende Treppenhausboden trägt den gleichen Dekor wie der des Hausflures. Die Spiegel der Stockwerkpodeste aus grauem Terrazzo umgeben breite Randrahmungen aus schwarzem Terrazzo mit geschwungener Abschrägung der Innenecken.

Die Verglasung der zweiteiligen Fenster mit Oberlicht besteht als Wolkenglas, in das weiße Jugendstilornamente eingeäzt sind. Die innen angeschlagenen Wohnungsabschlüsse an den Schmalseiten der Stockwerkpodeste bestehen aus Türblatt, Kämpfer und Oberlicht umgeben tiefe, holzbekleidete, gefelderte Laibungen mit profilierten, am Boden sockelartig anschließenden Rahmen. Die oberen 2/3-hohen Felder der vierfeldrigen Türblattes schließt eine Verglasung mit braun eingeäzten Jugendstilornamenten, die mit den Ornamenten der Fensterverglasung korrespondieren. Die Wohnungen enthalten originale Türblätter, Fenster und teilweise Deckenstuck aus Hohlkehlen mit Randleisten und kleinen, meist kreisrunden, sehr plastischen hervortretenden Mittelrosetten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0