Wohnhaus
Melchiorstraße 30 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7655 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Melchiorstraße 30, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1906 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 13.10.1995 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1906, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel auf winkelförmiger Grundfläche (dreiseitig umbauter Hof), 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, barockisierende Fassadendetails, Mittelerker auf trapezförmiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, Ziergiebel in der Mittelachse, Erdgeschoß verändert (ehemals Ladenlokal), Hauseingang links mit rundbogigem oberen Abschluß, geschwungener Türsturz, Haustür mit Oberlicht original erhalten, im Erdgeschoß breites, dreiteiliges Fenster (ehemals Ladenlokal mit separatem Eingang und Schaufenster), Kunststoff, Oberlicht z. T. geschlossen, Fenster in den Obergeschossen mit geradem oberen Abschluß, im Ziergiebel Rundbogenfenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, ohne Teilung, Oberlicht), Erkerseitenfenster mit geschlossenen Oberlichten.
Rückseite: Backstein, rot, Horizontalgliederungen in gelbem Backstein, Traufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel dreiachsig, Hinterhaus einachsig, Öffnungen mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff, ohne Teilung, Oberlichter z. T. geschlossen). Im Inneren original erhalten: Vestibül: Wandstuck ab halbe Höhe, bogengewölbte Decke, Deckenstuck (einheitliche Gestaltung durch Gurte), im Erdgeschoß Terrazzobodenbelag mit Bordure und Mittelbetonung, Terrazzotreppe, Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf, Wohnungseingangstüren mit hohen sprossengeteilten Oberlichten original. In den Wohnungen: z. T. Holzdielenböden, z. T. Stuckdecken.
Rückwärtige Einfriedungsmauer (zum Nachbargrundstück) in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.
Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebiets erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohnansprüchen entstehen. Die baumbestandene Melchiorstraße ist westlich der Neusser Straße zwischen Ebertplatz/Hansaring und Agneskirche im Kreuzungsbereich von Schilling-/Balthasar- und Ewaldi/Weißenburgstraße gelegen.
Das sogenannte Dreikönigsviertel mit seinem Zentrum um die Hauptfeuerwache war ehemals ein Wohnquartier für die unteren und mittleren Einkommensschichten. Es wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Charakteristisch sind aufwendig gestaltete Hausfassaden mit Vorbauten und Mittelbetonung und im rückwärtigen Bereich Anbauten, lange Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Die Häuser Melchiorstr. 28 - 36 sind integraler Bestandteil der geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Straße nach der Festlegung des Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893 ist das Gebäude Melchiorstr. 30 mit weiteren Gebäuden der Straße im Bereich der Balthasar-/Ewaldi-/Weißenburgstraße und angrenzender Seitenstraßen um Sudermanstraße und -platz Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich viergeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen- bzw. Jugendstilfassaden. Dem mittelständischen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner wertvollen Fassadenarchitektur eines barockisierenden Jugendstils mit Mittelbetonung durch einen breiten Erker sowie den Ziergiebel (Schmuckformen: symmetrische Fassadengestaltung, Betonung der Vertikalen durch Mittelerker auf trapezförmiger Grundfläche, Erdgeschoß: Rustikamauerwerkimitation, Eingang mit Pilastergliederung, Frauenhaupt im Keilstein, gekröpfte Bogenverdachung, Stockwerkgesims, Obergeschosse: horizontaler Fugenschnitt, im 2. Obergeschoß Fensterverdachungen mit Bogenwölbung, im 3. Obergeschoß Bekrönung durch Volutenkeilsteine, Zierfries leitet über zum profilierten Traufgesims, Ziergiebel mit profiliertem Bogenabschluß, volutengerahmte Kartusche). Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit aufwendigem Stuckdekor, der backsteinsichtigen Rückfronten und des reich dekorierten Treppenhauses ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repäsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit der Häuser Nrn. 28 - 36 und die in der Zeile der Melchiorstraße anstehende Nachbarbebauung (Nrn. 11 - 17, 29/31) setzt sich aus aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur (rückseitig bildet das Gebäude in Einheit mit dem Nachbarhaus Nr. 28 eine vierseitig geschlossene Hofsituation). Während weitere Gebäude der Melchiorstraße und der gegenüberliegenden Häuserfront im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut wurden oder als Neubauten erstanden (beide Eckhäuser zur Weißenburgstraße), ist das Gebäude Nr. 30 (wie auch die Nrn. 22 - 34; 29/31) weitgehend erhalten. Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäßen modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0