Wohnhaus
Kierberger Straße 22 · Zollstock
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2642 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Kierberger Straße 22, 50969 Köln |
| Baujahr | 1926 bis 1927 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 02.10.1984 |
| Stadtteil | Zollstock |
Die Vorgebirgsstraßen/Kierberger-Straßen-Baugruppe ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln, da sie ein wichtiges Dokument sozialen Bauens und des Kölner Siedlungsbaus darstellt. Die Baugruppe dokumentiert eine zeittypische architektonische und städtebauliche Konzeption, ist aber auch Beispiel wirtschaftlicher, sozialer und historischer Gegebenheiten. Daher setzt der Siedlungsbau in großem Umfang erst nach dem Ersten Weltkrieg ein, als die Kommunen sich gezwungen sahen, Wohnraum für ärmere Schichten auf der Basis der Gemeinnützigekeit herzustellen. Wohl hat in Köln die Entwicklung von Arbeitersiedlungen schon im 19. Jh. eingesetzt (Siedlung Kunstfeld in Dünnwald 1820 und die Germania-Siedlung 1899). Spiegeln sie zuerst das historische Prinzip des Industriezeitalters wieder, so tritt später unter dem Einfluß der englischen Gartenstadtbewegung oder historischer Beispiele (Fuggersiedlung) der soziale und der städtebauliche Aspekt mehr in den Vordergrund. Ein frühes Beispiel romantisierenden Bauens ist die Pallenberg-Siedlung in Weidenpesch (1907 - 1912). In den späteren, überwiegend von den Architekten Riphahn und Grod für die GAG gebauten, denkmalwürdigen Beispielen ist die architektonische Durchge- staltung der Baublöcke und die städtebauliche Struktur von großer Bedeutung. Die Ordnungssystematik der Einzelfassaden des 19. Jh. wird auf das Gesamtbild der Gebäudeansammlung übertragen. Der soziale Aspekt wird durch die Gleichheit der Wohnungen, stärkere Einbeziehung begrünter Flächen und die Einfachheit der Materialien berücksichtigt.
Die 1926/27 von den Architekten Luckas und Rödel errichtete Wohnhausgruppe ist architektonisch und kunsthistorisch von bedeutendem Wert. Die Häuserzeile gliedert sich in die Bebauung der Vorgebirgsstraße ein, ist aber dennoch formal sehr selbständig und überzeugend konzipiert. Zur Vorgebirgsstraße ist die Gruppe viergeschossig, wobei in der Mitte das 3. OG etwas zurückgesetzt ist. Dadurch entsteht eine scheinbare Hochzonung an den Ecken, die noch an der Ecke zur Kierberger Straße durch zweigeschossige vorgesetzte Erker betont wird. Das EG der Fassaden zeigt eine glatte, an den Eingängen rustizierende Backsteinoberfläche, die OGs sind verputzt, wobei i. d. R. horizontale Stuckstreifen die Fassaden in Höhe der Fenster unterteilen. Die Fenster besitzen nicht mehr die horizontale Sprossengliederung. Eine schmale Traufkante mit einem dahinterliegenden horizontalen Dachabschnitt verbirgt das gerade durchlaufende Satteldach. Die Unterteilung der Zeile wird durch die Treppenhäuser und Eingänge bewirkt, die seitlich von ein- oder zweigeschossigen spitzen Erkern flankiert werden. Dieses sehr schöne und in Köln einmalige Detail wird teilweise gesteigert durch einen reliefierten Türsturz, der auch unter den Erkern entlang geführt wird. Zwischen den Erkern schmücken an zwei Stellen figürliche Halbreliefs das 1. OG. Bemerkenswert ist auch die plastische Ausgestaltung des Treppenhauses Nr. 145, wo in ausgewogener und perfekter Form die kubischen und runden Baumassen gegeneinandergestellt werden. Dies wiederholt sich vereinfacht an der Ecke zur Kierberger Straße, wo im EG Läden bestehen. Die rückwärtige Fassade ist ebenfalls architektonisch durchgestaltet und wird von spitz vorspringenden Balkons aufgelockert. Auch hier die horizontale Betonung der Geschosse durch die Putzgliederung, die übrigens von der gegenüberliegenden Hauszeile an der Mannheimer Straße wieder aufgenommen wurde. Der letzte Sturz über den Balkonachsen ist spitzbogig geformt (Riphahn Grüner Hof). Die plastisch geführte Traufenkante faßt jeweils zwei Hausblöcke zusammen. Hinzu kommt eine farbliche Differenzierung einzelner Bauabschnitte. Der Innenhof ist etwas abgesenkt, so daß das Kellergeschoß einen ebenerdigen Ausgang zu den Wäschestangen hat. Eine alleeartige Baumreihe unterteilt die Wiese in der Mitte. Im Innern wurde der normale Standard, Terrazzoboden, Terrazzotreppe mit Holzgeländer, angetroffen. Städtebaulich ist eine deutliche Betonung der Zeilenbebauung durch die Architekten festzustellen, die eine siedlungsartige, stärkere Differenzierung der Gebäude verbot. Ein Kinderspiel- platz liegt auf der anderen Seite der alleeartigen Vorgebirgsstraße; die Eckläden sind im Baublock integriert. Die Häuser sind als Dokumente des integrierten städtischen Siedlungsbaus unverzichtbar, unverzichtbar auch als gelungenes Beispiel eines eher zum dekorativen neigenden Baustils (Art deco), der gegenüber dem gleichzeitigen Bauhausstil mehr die nicht rationale Komponente des Wohnens und Lebens würdigt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0