Wohnhaus
Weißenburgstraße 8 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2713 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Weißenburgstraße 8, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1904 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 16.10.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Städtebaulich gesehen ist das beschriebene Gebäude Bestandteil des Entwurfs von Stadtbaumeister Hermann-Joseph Stübben, der seit 1881 ausgeführt wurde, nachdem die preussische Militärbehörde das Glacis zwischen der mittelaltertlichen Stadtmauer und den äußeren Wallanlagen, dem Gebiet der Neustadt, zur Bebauung freigegeben hatte. Durch den schleifenden Kreuzungsschnitt der Weißenburgstraße mit der Straße Krefelder Wall, fällt die gegenüberliegende Straßenfront fort. Um den Raum zu fangen, wurde in den 20er Jahren d. Jh. jenseits des Krefelder Walls (Grenze des Stübbenplans) der quadratische Prälat-Otto-Müller-Platz mit denkmalwerter Grünanlage und einer offenen Seite zur Weißenburgstraße hin, erbaut. Das Haus Weißenburgstraße 8 ist daher in der Reihe der Nachbargebäude sowohl Bestandteil einer Platzanlage als auch Teil der Eingangssituation der Weißenburgstraße.
Das Gebäude wurde um 1904 als fünfgeschossiges Wohnhaus mit geräumigem rückwärtigen Anbau errichtet. Die geringe Breite aber große Tiefe des Grundstücks ermöglichte sowohl im Vorderhaus als auch im rückwärtigen Anbau jeweils abgeschlossene Wohneinheiten zu errichten. Das Treppenhaus ist daher zwischen Vorderhaus und Anbau eingezogen, die Abschlußtüren der Wohnungen liegen an den Treppenabsätzen einander gegenüber. In der Straßenansicht dominieren, abgesehen von der horizontalen Gliederung des rustizierten EG, die Vertikalen der drei Fensterachsen mit hohen Rechteckfenstern und im 1. bis 4. OG ohne Gliederung vorgehängt wirkenden, schmalen Erker in der dritten der drei Achsen von links. Die starke Höhenwirkung wird durch die vordere Schräge des Mansarddachs und drei Dachhäuschen zusätzlich betont. In Gegenbewegung hierzu hängen auf den Pfeilern zwischen den Fensterachsen von stuckierten, konsolartigen Platten, die das schmale Dachgesims zu tragen scheinen, bandartige Formen herab. Im übrigen schmücken jedes Geschoß für sich eigene Stuckformen, die in der Stärke ihrer Aussage von unten nach oben abgestuft sind. Mit der Fassadenstruktur und den ausnahmslos in gutem Zustand erhaltenen, ursprünglichen Fenster, hat das Gebäude sein ursprüngliches Aussehen erhalten. Dem guten Erhaltungszustand im Äußeren - die Rückseite besteht in üblicher Bauart aus unverputzten Ziegeln, die Fenster sind ebenfalls ausnahmslos original und wegen der geschützten Lage in gutem Zustand - steht das Innere des Hauses in nichts nach. Die Länge des Hausflurs wird durch diagonal verlegte schwarze und weiße Bodenfliesen und einen scheitrechten Stützbogen mit seitlichen Hohlkehlen gemildert. Die weißen Fliesen des ca. 1,50 m hohen Sockels tragen blau bemaltes Reliefmuster. Der ebene Wandputz führt zu einer Wandleiste und einer Hohlkehle, die den Deckenspiegel rahmen. Die teils geradläufigen, teils gewendelten, in gutem Steigungsverhältnis erstellten Treppenläufe tragen Terrazzobelag, Eisengeländer mit schmiedeeisernen Deteils und einem Holzhandlauf. Die Podeste tragen schwarz umrahmte Felder, die mit hellbraunen, oktogonalen und kleinen, quadratischen Fliesen mit farbigem Muster ausgelegt sind. Sämtliche Wohnungstüren sind original, einflügelig, mit Oberlicht. Der obere Teil des Flügels ist verglast mit geschwungener, kleinfeldriger Sprossenteilung. Die Beschläge sind aus Messing. Der Innere der Wohnungen ist mit Bodendielen, profilierten Fußleisten, mit einflügeligen, einer zweiflügeligen, zum Flur hin teils verglasten Türen in profilierten Laibungen und mit Deckenstuck aus Hohlkehlen und Rosetten ausgebaut. Die Formensprache sowohl der äußeren Erscheinung als auch der des Innenausbaus weist das Gebäude kunsthistorisch der Epoche des Jugendstils zu. Die vergleichsweise zurückhaltende Formensprache weist auf das nahe gelegene, sog. Dreikönigenviertel hin, das wegen des benachbarten Schlachthofs und Güterbahnhofs Gereon für einfachere Bevölkerungsschichten errichtet worden ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0