Wohnhaus

Krefelder Wall 34 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7950
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Krefelder Wall 34, 50670 Köln
Baujahrum 1905 bis 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.09.1996
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1905/06, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel und eingeschossigem Anbau im Bauverband.

Fassade: 5 Geschosse, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Historismus, Seitenerker auf rechteckiger Grundfläche, Eingang rechts mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, straßenseitige Fenster im Erd-, 3. und 4. Obergeschoß erneuert (Kunststoff, Mittelteilung, Oberlicht), Fenster im 1. und 2. Obergeschoß original (Holz, Mittelteilung, Oberlicht).

Rückseite: Backstein, Traufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel einachsig (weitgehend geschlossen), eine Achse an der Stirnseite nach Süden, Hofzugang mit geradem oberen Abschluß (ehemals segmentbogig), Hoftür original, Holz, verglast, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff).

Eingeschossiger Anbau im Bauverband nach Süden: Backstein, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Fenster original (Holz, Mittelteilung), sprossengeteiltes Oberlicht.

Im Inneren original erhalten: Vestibül: mehrfarbiger Fliesenboden mit Bordure, bis zu halber Höhe Jugendstilwandfliesen mit oberem Abschluß in Formfliesen, grün, Deckenstuck, Korbbogendurchgang zum Treppenhaus, Treppenhaus: im Erdgeschoß mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordure, Terrazzotreppe, Antrittspfosten, Holzgeländer, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste mit zweifarbigem Fliesenboden belegt, Treppenhausfenster (ausgenommen im 1. Obergeschoß) original (Holz, Mittelteilung, Oberlicht), alle Wohnungseingangstüren original: Holz, geschwungener Kämpfer, verglast, in der Horizontalen geschwungene Sprossen, sprossengeteilte Oberlichte. In den Wohnungen: Holzdielenböden, Gewände und Türen zum großen Teil erhalten, in den straßenseitigen und rückwärtigen Räumen Stuckdecken, in den Küchen und Bädern z.T. originale Wandfliesen.

Der rückwärtige Hof/Garten mit Einfriedungsmauer in Backstein, rot, ist Bestandteil des Denkmals.

Die von Josef Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebietes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohansprüchen entstehen.

Der Krefelder Wall liegt in direktem Anschluß an das Dreikönigsviertel, er bildet am zentralen Rechteckplatz (Prälat-Otto-Müller-Platz) gelegen eine Querverbindung zur Neusser Straße und zum Neusser Platz mit der Agneskirche. Der baumbestandene Wall wird geprägt durch vier- bis fünfgeschossige und drei- bis vierachsige Mietwohngebäude, die ehemals mittlere Wohnansprüche befriedigten. Die Straße wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunders mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Charakteristisch sind hier reich gestaltete Hausfassaden mit Mittelbetonung und Ziergiebeln und im rückwärtigen Bereich Anbauten, Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Das im Kreuzungsbereich zur Weissenburger Straße und zum Prälat-Otto-Müller-Platz gelegene Gebäude Krefelder Wall 34 ist integraler Bestandteil der z.T. geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild des Walls und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt, während an der gegenüberliegenden Seite des Walls viergeschossige Siedlungsbauten der Zwischenkriegszeit anstehen (Nrn. 29-41). Dem mittelständischen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner reich gestalteten Jugendstilfassade (Schmuckformen: Horizontalfugenschnitt, Stockwerkgesimse, Brüstungsbereiche mit Reliefschmuck, Akanthusfries leitet über zum gerundeten und reich profilierten Traufgesims). Das Gebäude Krefelder Wall 34 veranschaulicht mit weiteren, der historistischen Fassadendekoration verpflichteten Nachbargebäuden, das ursprüngliche Erscheinungsbild des Großmietwohnhauses der Neustadt. Während andere Gebäude des Walls als Nachkriegsneubauten und mit purifizierten Fassaden erscheinen (Nrn. 30 und 32), ist die aufwendig mit Reliefschmuck und Fugenschnitt dekorierte Schauseite des Gebäudes Nr. 34 unverändert überliefert. Aufgrund der sehr weitgenden Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz der straßenseitigen und rückwärtigen Fassaden, des Eingangsbereichs und Treppenhauses und der Interieurs ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit mit benachbarten Häusern setzt sich aus aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Das Gebäude ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäß modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt.

Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Kölner Neustadt und als Zeugnis für die reiche Architektur zur Zeit der Jahrhundertwende ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0