Wohnhaus
Goltsteinstraße 191 · Bayenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2800 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Goltsteinstraße 191, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1925 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.02.1985 |
| Stadtteil | Bayenthal |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Bayenthal, da es die Geschichte der Besiedlung dieses Orts dokumentiert. Der südlich der ehemaligen preußischen Umwallung von 1888 gelegene Industrievorort ist seit 1860 mit der Niederlassung der Maschinenfabrik BAMA entstanden und ist nach der Bebauung des ehemaligen Fabrikgeländes mit Wohnhochhäusern durch seine Nähe zum Rhein und zum Villenvorort Marienburg im Wohnwert erheblich aufgewertet worden. Durch relativ geringe Kriegsbeschädigungen und auch geringe planerische Eingriffe der Nachkriegszeit blieb ein großter Teil der alten Bausubstanz aus der Jahrhundertwende erhalten. So behielten nicht nur einige Straßenteile, sondern ein - wenn auch eng begrenztes - Straßennetz seinen sehr differenzierten Charakter.
Die plastisch differenzierte Doppelvilla wurde 1924/25 vom Architekten Bruno Paul errichtet. Das Hauptgebäude ist zweigeschossig und mit einem flach geneigten Walmdach mit breitem Dachüberstand eingedeckt. Zum Gebäudeteil Goltsteinstraße 191 sind vier Achsen zu zählen, davon ist die letzte mit einem breiten, dreifach unterteilten Fenster ausgestattet. Die Gebäudehälfte Bayenthalgürtel umfaßt nur drei Achsen, auch hier ist die letzte durch Überbreite hervorgehoben. Während sich hier ein eingeschossiger Wintergarten mit darüberliegender Dachterrasse rechtwinklig herausschiebt, liegt zur Goltsteinstraße der Wintergarten in Verlängerung des Hauspthauses. Hier ist die Eingangssituation (die Rückseite der Ansicht Bayenthalgürtel) außerordentlich differenziert ausgebildet. Der Hauseingang wird über eine kleine Treppe erschlossen, die wie das gesamte Gebäude in Backstein gemauert ist. Treppe, kleine Terrasse und dreieckig vorspringende Fenster ergeben ein reizvolles plastisches Spiel der Flächen, die eine vollkommene Beherrschung der Bauhaus-Architektur und die handwerkliche Gediegenheit des Werkbundes verraten. Erwähnenswert sind spitzgieblige Mauerwerkornamente über den Fenstern, Solbänke in Werkstein und die original, solide entworfene Haustür. Die Sprossenfenster wurden nach dem Original erneuert (Wintergarten neu). Im EG reichen die Fenster bis fast zum Boden (Wohnräume). Die Treppenhalle wird zur Haustür von einem kleinen Windfang abgetrennt. Die originale Holztreppe zeigt im EG eine geschlossene Brüstung. Im 1. OG löst sie sich in senkrechte Stäbe auf. Der Fußboden ist mit deutschem Marmor plattiert. Durch eine lange Garderobe mit originaler Plattierung ist die großzügige Küche zu erreichen, deren ursprüngliche Plattierung mit einem originalen Schrank erhalten blieb. Der im Anschluß daran liegende Wintergarten stößt an einen äußerst reizvollen quadratischen Wohnraum mit abgerundeten Ecken, die als Wandschränke mit darunterliegender Heizung bzw. als Tür ausgebildet sind. Beachtenswert der charaktervolle Bauhausbeschlag an den originalen, massiven Türen mit Holzlaibung; zwischen den Wohnräumen befinden sich verglaste Schiebetüren. Die Wohnräume besitzen noch den ursprünglichen Parkettboden in quadrischen Platten aus Mooreiche; die Decken weisen Kehlbalken auf. Sehr reizvoll ist das Kaminzimmer mit originaler Bauhauskaminverkleidung, einer vertäfelten Decke und übereck ausgestelltem Fenster, das damit ebenfalls die origianle Raumkomposition bewahrt hat. Im OG blieb ebenfalls der Originalzustand (Türen, Badezimmer, Toilette) weitgehend erhalten. Das DG ist ein späterer Ausbau. Städtebaulich ist die Doppelvilla als einziges vom Architekten Bruno Paul entworfenes Wohngebäude in Köln von besonderer Bedeutung. In Köln hat der Berliner Architekt das Dischhaus und einige Gebäude der Werkbundausstellung 1914 geplant, wobei letztere schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg abgerissen wurden. Vom Bayenthalgürtel wie von der Goltsteinstraße ist die Villa durch die Mauereinfriedung etwas verdeckt. Das durchweg verwandte Backsteinmauerwerk, typisch für die niederrheinische Landschaft, prägt das Bild dieses um 1910 erschlossenen Stadtteils, der hier weitgehend den Wohncharakter Marienburgs aufweist. Das Gebäude ist als besonders wertvolles Baudenkmal für Köln unverzichtbar.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0