Werkssiedlung "Germania"
Concordiaplatz 1 · Porz
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3162 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Werkssiedlung "Germania" |
| Adresse | Concordiaplatz 1, 51143 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.09.1985 |
| Stadtteil | Porz |
Das um 1900 erbaute Direktorenvilla - zugehörig zur Wohnsiedlung der 1899 gegründeten Aktiengesellschaft der Spiegelglaswerke "Germania" - ist als Teil einer historischen Bautengruppe ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse an der für Köln einmaligen historischen Gesamtanlage, bestehend aus Arbeiter-, Meister- und Angestelltenhäusern, Direktorenvilla und Fabrikationsanlagen ist gegeben, da dieses Denkmal als Siedlung sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen und ist insbesondere wegen der Bedeutung gegeben, die die Siedlung insgesamt für die Siedlungsgeschichte der Stadt Porz und die Entwicklung ihrer Arbeits- und Produktionsverhältnisse hat und wegen der künstlerischen, architekturgeschichtlichen und städtebaulichen Aussagekraft, die jedes ihrer Einzelhäuser besitzt. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die werkseigene Siedlung - begrenzt von Bahnhofs-, Glas- und Germaniastraße sowie Concordiaplatz - wurde 1899 zusammen mit der Filialgründung der belgischen Société Anonyme des Glases Nationales Belges (Auvelais bei Namur) geplant und auf freiem Feld in der Nähe des Bahnhofs der damals noch dörflichen Ansiedlung Porz errichtet, wobei für das Unternehmen vorteilhafte Rohstoffversorgung und günstige Verkehrsanbindung an Straße, Schiene und Fluß für die Standortwahl ausschlaggebend war. Während die große Fabrik (ca. 600 Arbeiter) für die wirtschaftliche Entwicklung von Porz überaus wichtig wurde, war die nach damals modernen städtebaulichen (erster flächiger, einheitlich geplanter Siedlungsausbau in geschlossener Bauweise im Köner Raum), sozialen (Doppel- und Einfamilienreihenhäuser, Gemeinschaftsgärten, Schule, Kindergarten) und wohntechnischen (Grundrißgestaltung, Hygiene, Ver- und Entsorgung) Erkenntnissen geplante Siedlung für die Stadtentwicklung von Porz von größter Bedeutung. Das hier bewertete Einzelhaus trägt als integraler Siedlungsbestandteil diese Aussage mit.
Die 2geschossige Direktorenvilla, umgeben vom originalen Park mit der fast unverändert erhaltenen Einfriedung (Mauern mit Pfeilern und ornamentalem Schmieedeisengitter) ist ein freistehender, repräsentativer Bau mit hohem, ausgebautem Walmdach: das am aufwendigsten gestaltete Gebäude am Concordiaplatz nahe den Verwaltungsgebäuden und dem Fabriktor. Das dunkelbraune Backsteingebäude ist in freizitierten französischen und niederländischen Renaissanceformen gehalten und mit quadrierten und profilierten Stuckgliederungen formal präzisiert und farblich abgesetzt: über werksteinimitierendem Souterrain zwei von Lisenen gerahmte, von verschiedenen Risaliten und Vorbauten sowie einem Turm unterbrochene Haupt- etagen mit gerahmten und von Bogenfeldern bekrönten hochrechteckigen Fenstern mit Sohlbank- und Kämpfergesimsen. Die Dachzone (heute leicht verändert) abwechslungsreich gestaltet durch Treppengiebel, Turmdach, Dachhäuschen, Spitzdächer (ehem. mit schmiedeeisernen Bekrönungen) und hohe Kamine. Von außen sichtbare Veränderungen des Urzustandes betreffen die Vereinfachung der Kamine und der Dachaufbauten, die Veränderung einiger Fenster (ehem. Lambrequinbehänge vor den Jalousien) und die Umbauung der Vorderterrasse des 2. OG.
In städtbaulicher Hinsicht bildet die Villa, neben den Empfangsgebäuden der Fabrik, den Höhepunkt der stark hierarchisch gestaffelten Architektur der Werkssiedlung der Glaswerke. Nach isolierter und hervorgehobener Lage und architektonischem Aufwand ist sie ein Herrenhaus mit schloßähnlichem Charakter. Sie ist Ausgangs- und Bezugspunkt für unternehmerisches Selbstverständnis und für das Bedeutungssystem der gesamten Fabrik- und Siedlungsanlage, Kernpunkt eines sythetischen und historisch seltenen umfassenden städtebaulichen Gesamtkonzepts.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0