Wohnhaus

Parkstraße 24 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3262
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Parkstraße 24, 50968 Köln
Baujahr1922 bis 1923
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.10.1985
Stadtteil Marienburg

Das Haus ist 1922/23 von den Architekten Theodor E. Merrill und Hans Schumacher im expressionistischen Stil für den Kaufmann Werner Vowinckel errichtet worden. Die Architekturteile sind vielfach, entsprechend der Stilcharakteristik, prismatisch gebrochen, wodurch das Bauwerk einen dynamischen, durch Symmetrien gebändigten, Ausdruck verliehen bekommt. Das 2geschossige Haus zeigt sich zur Straße geschlossen und öffnet sich erst auf seiner Rückseite dem weitläuftigen Landschaftsgarten. Zwei schräg dazu an den Ecken angeordnete 1geschossige Pavillons mit ursprünglich gartenseitig rundbogigen Öffnungen unterstützen die rückwärtige Anbindung des Hauses an die Landschaft. Zwischen den Eckpavillons ist die Backsteinfassade in drei Achsen gegliedert. Im EG führen rundbogige, in Werkstein gefaßte und mit Klappläden versehene Türen auf die Terrasse. Sie werden durch einen in Ziegeln gemauerten einfach profilierten Kämpfer mit beiderseitigen breiten Rollschichten akzentuiert. Unmittelbar über den gemauerten Kämpfern setzen vielfach gestufte, nach oben sich prismatisch verbreiternde Konsolen an, die, mit einem schmiedeeisernen Rundgitter versehen, den Austritt über rechteckige Türen im OG erlauben. Auch diese Türen sind in Werkstein gefaßt, der mittig im Sturz spitzwinklig aufgebrochen ist. Durch eine darüberliegende hohe, fächerförmige Sturzvermauerung wird auch hier die sonst flächige Fassadenwand verlebendigt. Die Türen beider Geschosse sind mit den für den Expressionismus typischen engstehenden, horizontalen Sprossen versehen. Ein in der Dachzonenebene der Eckpavillons einsetzendes kräftiges, mehrfach gestuftes Gesims verspringt nach kurzem Verlauf über die eigentliche Trauflinie, bricht in der Mitte dreieckförmig auf, um schließlich mit symmetrischer Formensprache am gegenüberliegenden Pavillon auszulaufen, wodurch deren Integration in den Gesamtbau erreicht wird. Der Innengrundriß ist noch original erhalten, wie auch das Treppenhaus, die überwiegende Anzahl der Türen und teilweise die stuckprofilierten Decken.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Parkstraße 24 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Parkstraße 24 ist eines der wenigen Beispiele wirklich geglückter expressionistischer Baukunst in Köln. In seiner phantasievollen Zuordnung von Architekturelementen, deren expressive Durchgestaltung und in der Detailausführung ist das Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Die Architekten Merrill und Schumacher haben expressionistische Bauideen - kristallin gebrochene Bauflächen, Plastizität der Baukörper - mit angloamerikanischen Stilformen des Landhauses so in Verbindung gesetzt, daß ein vornehmes Baukunstwerk entstand. Alle Details sind von hoher handwerklicher Präzision, die für expressionistische Bauten wegen ihrer immanenten "Normabweichung" auch unabdingbar waren. Der Werkstoff Ziegel garantiert zudem die größtmögliche Plastizität, wie er anderersetis als rustikales Stilelement im englischen Landhausbau beliebt war. Die Kölner Architekten Theodor E. Merrill und Hans Schumacher (beide 1891 geboren) haben überwiegend Villenbauten in den 20er Jahren in Köln und in anderen Städten errichtet. Während Merrill, bedingt durch seine amerikanische Herkunft und Ausbildung, seinen Landhausbauten mit "intim-aristokratischer" Sachlichkeit entwarf, gehörte Schumacher in den 20er Jahren zu den Protagonisten der Moderne in Köln. Er wurde später mit seinem Pavillonbau der Arbeiterpress auf der Internationalen Presseausstellung (Pressa) in Köln bekannt. Innerhalb der Arbeit der beiden Architekten stellt die Villa Parkstraße 24 einen wichtigen Aspeckt dar, zumal der Einbezug expressionistischer Stilformen ein extrem individuelles Bauwerk entstehen ließ, das in dieser Qualität in Köln nur an wenigen Stellen ablesbar ist. Das Haus ist damit ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung Anfang der 20er Jahre, an deren weitergehendnen Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0