Wohnhaus

Kartäuserwall 35 · Altstadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3506
Typ Kleindenkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kartäuserwall 35, 50678 Köln
Baujahrum 1889
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.03.1986
Stadtteil Altstadt/Süd

Erbaut um 1889, vier Achsen, vier Geschosse, Stuckfassade mit Gesimsgliederungen, Putzvorlagen, Fugenschnittstrukturierung, Bekrönungs- und Brüstungsfelder im Stil der Neurenaissance, originale Haustür, zweite Eingangstür in der rechten Achse (ehem. zur Werkstatt führend, heute geschlossen) stilgerecht erneuert; Dachstuhl ausgebrannt und originalgerecht erneuert, ebenso die Fenster.

Rückfassade backsteinsichtig mit Werksteinfensterbänken, Hoftür mit drei Trittstufen (Basalt);

Im Innern original erhalten:

Grundriss weitgehend, Fliesenboden im EG des Treppenhauses, Entlastungsträger mit kapitellartigem Stuck; Holztreppe mit gedrechseltem Geländer und Antrittspfosten, teilweise Deckenstuck, teilweise Wohnungstürabschlüsse und Zimmertüren.

Keller mit preußischer Kappendecke.

Bestandteile des Denkmals sind auch die Hausgrotte (erbaut 1894-96) mit Backsteinsockel (südlichen Hofecke) sowie die Einfriedungsmauern aus Backstein. Die Grotte ist mit Lavagestein verkleidet, von der bauzeitlichen Ausstattung sind zwei Atlanten erhalten.

Das Gebäude Kartäuserwall 35 belegt die nach dem von Hermann Joseph Stübben und Karl Henrici 1881 erstellten Erweiterungsplan in mehreren Phasen erfolgte Erstbebauung des ehem. Rayongeländes.

Diese Stadterweiterung Kölns gehört zu den bedeutendsten und umfassendsten städtebaulichen Leistungen des späten 19. Jahrhunderts in Deutschland. Die halbkreisförmig um die Altstadt gelegte Neustadt wurde in verschiedene Wohnviertel eingeteilt. Der Kartäuserwall, an dem sich das o.g. Objekt befindet, war Teil der alten inneren Wallstraße und reicht vom Chlodwigplatz bis zur Waisenhausgasse. Seine Neustadtseite war nur zwischen Chlodwigplatz und Brunostraße bebaut; diese Häuser entstanden um 1885-1890. Von der geschlossenen Häuserzeile überdauerte lediglich ein aus vier Objekten bestehendes Ensemble (Nr. 29 bis Nr. 35) die Kriegseinwirkungen.

Das o. g. Objekt ist ein wichtiger integraler Bestandteil dieser viergeschossigen, vierachsigen und fassadenähnlich gestalteten Gruppe. Es trägt bei zum Verständnis dieser an der Grenze zur Altstadt errichteten Neustadtbebauung in Formen der Neurenaissance und wird auch als Beleg für die städtebauliche Entwicklung infolge der Stadterweiterung zu einem unverzichtbaren Dokument.

Die Erhaltung und Nutzung des o.g. Objekts liegt aus volkskundlichen – hier hauskundlichen, aus künstlerischen und aus wissenschaftlichen – hier aus architekturgeschichtlichen – Gründen im öffentlichen Interesse, weil es mit seiner Fassadengestaltung und Innenausstattung typische Wohn- und Bauformen des späten 19. Jahrhunderts in der Kölner Innenstadt dokumentiert. Bemerkenswert ist die anspruchsvolle, historische Fassade mit der „beletageartigen“ Betonung des 2. OG (und nicht des 1. OG), da das Erdgeschoss gewerblich genutzt wurde.

Seltenheitswert für Köln hat auch die um die Jahrhundertwende künstlich angelegte Grotte im Hof. Grotten dienten vor allem in der Zeit der Romantik als modisches Accessoire in der Gartenausstattung und hatten ihren Ursprung in den englischen Landschaftsgärten. Auf diese Herkunft weisen auch die zwei aus einem Guss stammenden Atlanten hin, die noch der ursprünglichen Ausstattung angehören.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0