Wohnhaus
Bayenthalgürtel 27 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3618 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Bayenthalgürtel 27, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1914 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 10.06.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Nach den noch vorhandenen Bauplänen ist die Doppelvilla Bayenthalgürtel 27 - 29 von dem Kölner Architekten Rosengold 1922 entworfen und bis 1924 errichtet worden. Der Direktor des Schaffhausen'schen Bankvereins Dr. Kimmich war der erste Bewohner der Halbvilla Nr. 27, den anderen Teil kaufte der Fabrikbesitzer Dr. Kotthoff. In seiner aufwendigen Gestaltung ruft das 2geschossige, 10achsige, von einem hohen Walmdach überangene Bauwerk den Eindruck barocker Palaisarchitektur hervor. Die mittleren sechs Achsen werden von zwei sich segmentförmig vorwölbenden Erdgeschoßerkern mit kräftigen Randpfeilern und zweifacher Balusterreihung in der Brüstungs- und Sturzzone der Fenster stark betont, zumal sich die Werksteinfassung der Erker aus dunklem Elbsandstein von der umgebenden hellen Putzfassade kontrastreich abhebt. Diese ist ansonsten eher zurückhaltend mit flachen Lisenen, rahmenlosen Fensteröffnungen und horizontalen Sprossen der Fensterflächen gegliedert. Ein aufwendig gestalteter polygonaler Eckerker gewichtet zusätzlich die Haushälfte Nr. 29, wodurch der Schwerpunkt der ansonsten symmetrischen Fassade aus der Mittelachse verschoben wird. Evtl. ist der Erker erst später auf Wunsch des Eigentümers während der Bauphase hinzugefügt worden. Auf dem Dach verklammert eine 6fenstrige Schmuckgaube mit Karniesbogenabschluß und seitlichen Vo- lutenbändern die beiden Doppelhaushälften. Geschwungene, sich zu Rauten formende Sprossen unterteilen lebhaft deren Fensterflächen. Eine entsprechend rückwärtige Gaube und weitere Rechteckgauben belichten das ausgebaute Dachgeschoß. Die Eingänge der Doppelvilla liegen zu jeder Seite des Hauses und wiederholen die großzügige Architekturgestaltung der Vorderfront. Eine geschwungene Freitreppe führt zu einem weit vorgezogenen, in Werkstein gearbeiteten Portal mit bekrönender Balustrade, das im Obergeschoß betreten werden kann. Der rückwsärtige Teil der Doppelvilla ist durch seitliche Wintergärten mit darüberliegenden Balkonen und seitlichen Terrassen aufgelockert. In der Halbvilla Bayenthalgürtel 27 sind noch alle Fenster original erhalten. Der Farbanstrich ist nach Befund 1958 erneuert worden.
Auch im Innern des Hauses Nr. 27 ist der Originalzustand noch nahezu vollständig erhalten geblieben. Hervorzuheben ist v. a. der auch heute noch als Speisezimmer benutzte Raum, dessen bis zur Decke reichenden Nußbaumpaneele mit goldplattierten Nischen und Sopraporten seine gesellschaftliche Bedeutung dokumentieren. Selbst die von der Münchener Firma Anton Pössenbacher für diesen Raum entworfenen Möbel aus Nußbaumholz mit Zwetschgenholzadern gehören noch heute zu seiner Ausstattung. Das rückwärtige Wohnzimmer zeichnet eine für die damalige Zeit hochmoderne indirekte Deckenbeleuchtung aus, deren untere Abschirmung in Stuck gearbeitet ist. Holztreppenhaus, Türen mit Beschlägen, Wintergartenabtrennung und v. a. Details sind in ihrer Funktion und Ästhetik erhalten geblieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der bekannte Marienburger Architekt Theodor Merrill eine Garage an das Haus angefügt.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Die Doppelvilla Bayenthalgürtel 27 - 29 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Die Halbvilla Bayenthalgürtel 27 ist in ihrer großzügigen Konzeption und in der Detaiilausfrühung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Stilistisch spätbarocke Vorbilder zitierend hat der Kölner Architekt Rosenbaum eine palaisartige Doppelvilla geschaffen, die durch ihren Reichtum an Einzelformen und der repräsentativen Verwendung von Werkstein besticht. Die Hauptfassade, nur durch einen schmalen Vorgarten von der breiten baumbestandenen Allee des Bayenthalgürtels getrennt, zeigt den wiedergewonnenen Repräsentationswillen des gehobenen Bürgertums nach dem Ersten Weltkrieg. Neben den o. g. Gründen besteht an der wissenschaftlichen Erforschung der Doppelvilla auch deshalb ein großes Interesse, weil sie als eines der wenigen baulichen Dokumente des Architekten Rosenbaum das Schaffen dieses Baumeisters überliefert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0