Wohnhaus

Pferdmengesstraße 8 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3525
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Pferdmengesstraße 8, 50968 Köln
Baujahr1922 bis 1923
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 26.03.1986
Stadtteil Marienburg

Das zweigeschossige Wohnhaus mit teilweise ausgebautem Dachgeschoß wurde 1922/23 nach Plänen des Architekten Helmuth Wirminghaus errichtet. Wie die Grundstücksgrenzen zeigen, war ursprünglich ein Doppelhaus geplant, dessen zweite Hälfte jedoch erst 1936 angebaut wurde. Stilistisch ist das Haus dem Expressionismus zuzuordnen, der in niederrheinischen Bauformen einbezogen ist, so daß der Eindruck eines gediegenen Landhauses entsteht. Zur Straßenseite ist der Eingangsbereich durch einen Mittelrisalit mit bekrönendem Stufengiebel betont. Dieses Motiv wird auf der rückwärtigen Gartenseite wiederholt, jetzt jedoch in weitaus "expressiverer" Formensprache, indem der Risalit seitlich verschoben ist und statt des Stufengiebels die für den Expressionismus typische prismatische Dreiecksform aufweist. Das Haus wird von einem steilen Satteldach mit Pfannendeckung überfangen. In die Ziegelflächen der Fassaden schneiden dominant gerahmte, weiß lackierte Fenster mit horizontaler Sprossung, die ursprünglich zum größten Teil mit Fensterläden komplettiert waren. Eine subtile ornamentale Zeichnung der Fassaden entsteht durch Variation der Ziegelsetzung und durch feingliedrige nicht durchlaufende Gesimsbänder aus Werkstein. Ebenfalls in Werkstein ist die prismatische Rahmung der Eingangstür gearbeitet. Im Inneren des Hauses ist in der kristallförmig gebrochenen Podestkonstruktion des Treppenlaufes und der Geländergitterung das expressionistische Motiv konsequent fortgeführt. Der rückwärtige Hauptwohnraum wird durch breite stuckierte Balken und einen werksteingerahmten Kamin in seiner Bedeutung betont.

Die nach Originalplänen rekonstruierte geometrische Gartenanlage mit Gartenhäuschen ist Bestandteil des Denkmals. Die beiden hintereinander liegenden Gärten (ehemals Haupt- und Gemüsegarten) besitzen jeweils eine längsrechteckige Binnenfläche (Rasen bzw. ehemals Gemüsebeete), die von Wegen gerahmt werden, welche wiederum von Rabatten eingefaßt werden. An den Ecken der Binnenflächen standen ehemals je ein Baum, von den noch die beiden östl. des Hauptgartens (Kastanien) und ein östl. des Gemüsegartens (Apfelbaum) erhalten sind. In Höhe des Übergangs zwischen Haupt- und dem tieferliegenden Gemüsegarten befindet sich ein mittig gelegenes Gartenhäuschen (Rückwand, Boden u. Pfosten original); nördl. neben dem Gartenhäuschen originale Bruchsteinstufen; Höhenunterschied zwischen Haupt- und Gemüsegarten durch terrassenförmige Beete mit Bruchsteineinfassung gestaltet; originales Wasserbecken an der Rückseite des Gartenhäuschens. Die Wegachsen sind symmetrisch auf die Terrasse ausgerichtet. Der symmetrisch angelegte Vorgarten, die noch teilweise erhaltene Einfriedung und die Garage (um die 30er Jahre angebaut) sind ebenfalls Bestandteile des Denkmals.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Pferdmengesstraße 8 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Pferdmengesstraße 8 ist in seiner Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Kölner Architekt Helmuth Wirminghaus (*1891) hat, unter Verwendung des expressionistischen Formenkanons, die dem traditionellen Niederrheinhaus eigentümliche Einfachheit zugunsten einer zurückhaltenden Eleganz aufgelöst. Alle Details sind von großer handwerklicher Präzision, wie es, wegen ihrer expressionistischen "Normabweichung", auch unabdingbar war. Wirminghaus hat in den 20er Jahren in Köln überwiegend Schulen, wie etwa die Volksschule in Köln-Zollstock, Verwaltungsgebäude und viele Wohnsiedlungsbauten (u. a. in der Alpener Straße in Köln-Ehrenfeld) errichtet. Innerhalb der Arbeit des Architekten stellt die Villa Pferdmengesstraße 8 einen wichtigen Aspekt dar, zumal der Einbezug expressionistischer Formen ein individuelles Bauwerk entstehen ließ, dessen Stil in dieser Qualität in Köln nur an wenigen Stellen ablesbar ist. Das Haus ist damit wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung Anfang der 20er Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht. Der Garten bildet mit dem Gebäude eine Einheit. Die regelmäßige funktionale Grundrißgliederung des Hauses findet im Garten seine Fortsetzung. Die für die Zeit typische geometrische Gartenanlage ist auf das Haus bezogen. Der noch zu Teilen im Original erhaltene Garten konnte aufgrund des Befundes und eines originalen Planes rekonstruiert werden.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0