Wohnhaus
Marienburger Straße 66 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3700 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Marienburger Straße 66, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1920 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 15.08.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus Marienburger Str. 66 ist laut Grevens Adressbuch 1924 für den Kölner Kaufmann Johannes Müller errichtet worden. Die zierliche, eingeschossige Villa mit ihrem repräsentativ durchgiebelten Mansarddach erinnert an das Gartenhaus eines spätbarocken Schlosses. Die Straßenfront ist in vier Achsen geteilt, die durch seine sehr feine Eckquaderungen im Putz und zwei schwach hervortretende, gequaderte Putzlisenen rhythmisch gegliedert ist. In die Putzfassade sind symmetrisch vier mit Profilrahmung und reliefiertem Keilstein umrandete Fenster eingelassen, die in ihren Flächen durch einen Kreuzstock und einer Horizontalsprosse unterteilt sind. In Höhe des Kranzgesimses wölbt sich stichbogenartig ein kleiner vergitterter Balkon vor, der sich mit nach unten verjüngender Konsole abstützt. Eine sich hinter dem Balkon üppig entfaltende, geschweifte Giebelarchitektur mit Voluten erlaubt über zwei Türen den Austritt aus dem ausgebauten Dachgeschoß, das an dieser Seite zusätzlich mit zwei kleinen Rechteckgauben belichtet wird. Der rundbogige Eingang zum Haus ist an der linken Seitenfront in einem risalitartigen Vorbau angeordnet, dessen darüberliegender, altanartiger Balkon - wie an der Straßenseite - über einen Volutengiebel betreten werden kann. Die rückseitige Gartenfassade wird von einem, die seitliche Hälfte der Front einnehmenden, halbrunden Vorbau beherrscht, der ebenfalls im Dachgeschoß über einen dominanten Giebelbau mit dreieckiger Bekrönung betreten werden kann. Drei Fenster des Erkers mit Oberlichtsprossennetz sind später zu Fenstertüren umgebaut worden. Die sich seitlich an den Runderker anschließende kleine Terrasse ist in diesem Zusammenhang vergrößert worden. Das Mansarddach ist mit Ziegeln gedeckt. Im Innern der kleinen Villa sind das große Holztreppenhaus mit seinen Balustern, die großzügige Deckenrandstukkatur und die meisten Türen und Fenster noch original erhalten.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhälntnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Vorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Marienburger Str. 66 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Haus-Formen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Haus Marienburger Str. 66 ist in seiner intimen Konzeption als auch in der Detailsausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Stilistisch ist es dem Neubarock zuzuordnen, einer historistischen Architekturströmung, die sich unter Einschluß des Jugendstils vereinzelt bis zur Mitte der zwanziger Jahre hielt. Im Villenbau fand der Stil noch vor dem 1. Weltkrieg vielfach Anwendung bis er schießlich zur Mitte der zwanziger Jahre von der Moderne verdrängt wurde. Das Haus Marienburger Str. 66 ist eines der letzten Beispiele dieser intimen, sich an der heimatlichen Baukunst orientierenden Architektur. Die Stilähnlichkeit mit den zur selben Zeit errichteten Häusern der Göttersiedlung in Rath-Heumar von Roman Bonn läßt vermuten, daß die Villa auch von diesem Architekten errichtet worden ist. Als Baudokument des zu Ende gehenden Neubarocks ist die Villa Marienburger Str. 66 darüber hinaus von großem wissenschaftlichem Interesse was zusätzlich für Ihre Erhaltung spricht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0