Wohnhaus
Von-Groote-Straße 37 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3579 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Von-Groote-Straße 37, 50968 Köln |
| Baujahr | 1925 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 30.04.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus ist 1925 (inschriftlich) von dem Kölner Architekten Dr. Jakob Donndorff als eigenes Wohnhaus errichtet worden. In Anlehnung an expressionistische holländische Vorbilder hat Dondorff unter Einbezug der niederrheinischen Bautradition eine Architektur geschaffen, die zu den damalig herrschenden Stilströmungen quer verlief. Der 2geschossige zeigt eine Gliederung, deren expressive Durchgestaltung sich erst auf den zweiten Blick offenbart. Die Westfront wird von einem vorspringenden Giebelbau mit Eingangsportal und Freitreppe beherrscht. An der gegenüberliegenden Ostseite des Hauses tritt asymmetrisch ein Risalit aus der Fassadenebene, der in Höhe des Kranzgesimses betreten werden kann. Nord- und Südseite tragen hohe Giebel, deren Fußpunkte durch prismatische Backsteinkonsolen horizontal verbreitert wurden. An der Marienburger Straße tragen zwei weißgestrichene Säulen einen oberen Balkon, dessen Farbe sich lebhaft von dem dunklen Backsteinhintergrund absetzt. Im Süden an der Gartenseite ist eine große, teils offene, teils geschlossene Terrasse vorgelagert. Von hier führen wenige Stufen zum Garten, dessen Mittelpunkt ein verklinkerter Brunnen ist. In die flächigen Backsteinfassaden schneiden scharfkantig Fenster verschiedener Formen und Größen, die mit ihren hellen Rahmen und den zugehörigen Kreuz-, Rauten- und Orthogonalsprossen die Flächen in "Fensterlandschaften" auflösen, wodurch die Plastizität derart gesteigert wird, daß der Eindruck einer bewegten Architektur entsteht. Entsprechend dem Bedürfnis der Bauherren und Architekten folgt der Grundriß den Intentionen der Zweckmäßigkeit und Behaglichkeit. Die qualitätvolle Außen- und Innenarchitektur einschließlich der Ausstattung der Möblierung ist ausführlich publiziert worden (vgl. Bauwarte 2.1926, Nr. 31). Mit dem etwa zur gleichen Zeit ebenfalls in expressionistischen Stilformen von Fritz Fuß entworfenen Haus auf der gegenüberliegenden Seite bildet die Villa eine Torsituation zur Von-Groote-Straße, deren "Laibungen" als Einheit anzusehen sind.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Von-GrooteStraße 27 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Wohnhaus Von-Groote-Straße 37 ist in seiner phantasievollen Anordnung der Baukörper, deren expressiven Durchgestaltung in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Kölner Architekt Dr. Jakob Dondorff hat, unter Anspielung an das traditionelle, giebelständige, in Backstein errichtete Niederrheinhaus, ein Bauwerk geschaffen, das durch seine konsequente "Verfremdung" einen expressiven Ausdruck verliehen bekommt. Die den holländischen Expressionisten entlehnten Bauideen - Nichtaxialiät, kristallin gebrochene Bauflächen, Plastizität der Baukörper - sind von Dondorff unter Verwendung der lokalgeschichtlichen Formensprache so komponiert worden, daß ein Bauwerk von großer Individualität entstand. Alle Details sind von hoher handwerklicher Präzision, die für die expressionistischen Bauten wegen ihrer immanenten "Normabweichungen" auch unabdingbar waren. Der Werkstoff `Ziegel` garantierte zudem eine größtmögliche Plastizität. Der Expressionismus in der Architektur, eine Strömung zwischen 1910 und 1925, hat extrem individuelle Bauten hervorgebracht, von denen das Wohnhaus Von-Groote-Straße 37 ein wichtiges Beispiel ist. An dessen weitergehenden Erforschung besteht ein wissenschaftliches Interesse, zumal in Köln nur an wenigen Bauwerken diese Architekturrichtung ablesbar ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0