Wohnhaus

Ginsterpfad 1 · Weidenpesch

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3946
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Ginsterpfad 1, 50737 Köln
Baujahr1911
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.10.1986
Stadtteil Weidenpesch

Das Haus wurde um 1920 errichtet. Baukünstlerisch belegt das dreigeschossige, reich strukturierte Wohnhaus die direkte Bindung an die Architektur der umgebenden Wohnsiedlung, die Verpflichtung zur Tradition und die Suche nach den neuen Ausdrucksformen im gleichen Maß. Während der Hausflügel zum Ginsterpfad in der Baumasse, Geschoßhöhe und Dachführung die Blockbebauung der Straße anführt, ergibt die Abzweigung zur Pallenbergstraße einen außerordentlich reich gegliederten Baukörper, der als die Umwandlung der angewandten historisierenden Formen der Umgebung gedeutet sein kann. Die Zitation einer mittelalterlichen Rotunde mit Erkervorsprung schmückt die Ecke der in zwei Balkone und eine hohe Giebelwand übergehende Hausfront, die mit auffallenden Rhomben- bzw. Faltdach abgeschlossen ist. Aus dem kleinen Vorgarten, der mit Betonpfeilern und Holzlatten eingefriedet ist, kann man durch eine Freitreppe das Hausinnere erreichen. Als das wichtigste Verbindungsglied zwischen einzelnen abgesonderten Baukörpern funktioniert dabei nur der durchgehende expressive Rhytmus der kleinen Sprossenteilung der Fenster.

Ein reiches Jugendstilornamet bildet den Bodenbelag des Foyers, das mit edlen Holzlatten bekleidet ist. Die Holztreppe ist durch das gedrechselte Holzgeländer begleitet; außerordentlich reich sind dabei die Wohneingangstüren und Zimmertüren mit Oberlicht gegliedert. Die Fenster des Eckzimmers sind als eine romantisierende Erinnerung an die Gotik aus farbigen Glasstücken mit Bleiruten zusammengesetzt. In den Hauptzimmern zur Pallenbergstraße sind Stuckdecken mit Rosetten in der Mitte erhalten; die eingeschnittenen Wandecken übernehmen den Rhytmus der Außenteilung und Zergliederung einzelner Baukörper. Das ganze vermittelt sowohl im Äußeren wie Inneren einen interessanten Konglomerat von expressiven Formen, die den Übergang von der historisierenden Berufung zur Baumoderne in Kölner Vororten in typischer Weise auszeichnen.

Ortsgeschichtlich ist das Ekhaus zur Pallenbergstraße wichtig, weil es sich an die neuen Siedlungen der Umgebung unmittelbar anschließt und die Erschließung Weidenpesch's zum städtischen Vorort mit dem gehobenen Wohncharakter belegt. Die 1952 von Merheim in Weidenpesch umgetaufte, locker bebaute ländliche Siedlungen sind urkundlich erwähnt schon 1180; ein schriftlicher Nachweis der Kirche St. Stephan stammt aus dem Jahre 1248. Während des Mittelalters war Weidenpesch eine Unterherrschaft von St. Gereon in Köln. Von 1794 bis zur Eingemeindung nach Köln im Jahre 1888 war es Teil der Bürgermeisterei Longerich. Der wohl namengebende tiefer liegende Teil Weidenpesch's östlich der Neußer Straße wurde 1898 mit der großräumigen Rennbahnanlage zur städtischen Grünzone umgestaltet. Westlich der Neußer Straße setzte ab ewa 1910 der Siedlungsbau zum Kölner Vorort ein. Damals entstand der geschlossene Siedlungskomplex des Möbelfabrikanten Jakob Pallenberg. Weiter städtisch geprägte Reihenmietbauten im Umkreis dieses Wohnkomplexes folgten unmittelbar.

Städtebaulich ist das massive Eckobjekt außerordentlich wichtig durch die Überleitung von Baumassen und Verzierungen der Blockbauten mit einheitlicher Fassadenzeile zur individuellen Gestaltung, die dann besonders an den o. g. Orten voll zum Vorschein kommt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0