Wohnhaus
Marienburger Straße 43 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3994 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Marienburger Straße 43, 50968 Köln |
| Baujahr | 1924 bis 1925 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.12.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Doppelhaus Marienburger Str. 43/Eugen-Langen-Str. 10 ist Teil des Hauskomplexes Marienburger Str. 43/Eugen-LangenStr. 10 - 12. Die Kölner Architekten Schreiterer und Below haben 1924/25 für Direktoren der Kölner Fabrik "Chemische Rhenania" einen äußerst aufwendigen Villenkomplex entworfen, der mit zwei jeweils zweistöckigen Wohnhäusern und einem zwischen diese übereck gespannten, einstöckigen Wirtschaftstrakt an die niederrheinische Bautradition anknüpft. Auch hier ist der Ziegel des Hauptbaumaterial, dessen Flächigkeit durch die rhythmische Anordnung der Fenster ruhig gegliedert wird. Kronengleich lasten auf den im proportionalen Verhältnis zueinander angeordneten Kuben sehr hohe schiefergedeckte Walmdächer. Das herrschaftliche Erscheinungsbild der Gesamtanlage unterstützt eine sorgfältige Detailgestaltung. Der Straßenfront des Wohnhauses Marienburger Str. 43 ist seitlich ein kubischer Vorbau angefügt in den der Eingang mit reich profiliertem Werksteingewände und einer segmentbogenförmigen Türverdachung eingelassen ist. Eine Terrasse im Obergeschoß ermöglicht den Austritt auf den Vorbau. Die zweiflügeligen Fenster sind mit zurückhaltend unprofilierten Werksteingewänden umrahmt und in ihren Flächen mit der der Bauzeit entsprechenden zarten Horizontalsprossen unterteilt. Auf dem Dach nehmen fünf regelmäßig verteilte kleine Gauben der weiten Dachflächen etwas deren Schwere. Im Gegensatz zu dieser streng wirkenden, auf Repräsentation bedachten Straßenfront ist die Seitenansicht durch einen kleinen polygonal gebrochenen Erdgeschoßerker, vor allem aber die Rückfront durch einen Wintergarten, einer davorliegenden Terrasse und dem darüber angeordneten Balkon (heute zu einem zusätzlichen Raum umgebaut) ganz nach den Bedürfnissen seiner Bewohner auf den im Süden liegenden Garten ausgerichtet. Nach Westen zur Ecke Marienburger Straße/Eugen-Langen-Straße schließt der um ein Geschoß niedriger gehaltene ehemalige Wirtschaftsflügel (Eugen-Langen-Str. 10) an, der um die Ecke verlaufend über zwei integrierte Garagen auf das andere Wohnhaus stößt, wodurch diese als "Kopfbauten" besonders hervorgehoben werden. Ein ebenfalls sehr hoch ausgeführtes Dach verschleift den Übergang vom Wohn- und Wirtschaftsflügel. Wie die rahmenlosen Fenster und die schlichten Eingangstüren zeigen, ist der Bauschmuck dieses Gebäudeteils zurückgenommen. Das Innere des Wohnhauses Marienburger Str. 43 ist nahezu original erhalten geblieben. Am aufwendigsten ist die große Diele mit ihrem säulengerahmten Kamin, ihrem reichen Deckenrand- und Deckenstuck, seinem Parkettboden (neu verlegt) sowie dem seitlich angeordneten Holztreppenlauf gestaltet.
Die anderen Haupträume schmücken Lambrien, eingebaute Schränke, Kamine und Deckenstuck. Fast alle Türen mit ihren Beschlägen, die Fenster und die Heizkörper mit ihren Verkleidungen sind noch original erhalten. Die Veränderungen betreffen im wesentlichen die Bäder vor allem aber den Wirtschaftsflügel, dessen Innenarchitektur vollständig verändert wurde.
Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten VillenKolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Paul Pott, Wilhelm Riphahn, Emil und Gottfried Schreiterer und Bernhard Below. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Villenvororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, häufig mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und vielfach mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Der Hauskomplex Marienburger Str. 43/Eugen-Langen-Str. 10 - 12 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.
Der Hauskomplex Marienburger Str. 43/Eugen-Langen-Str. 10 - 12 ist in seiner überaus großzügigen Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Die Architekten Gottfried Schreiterer und Bernhard Below haben unter bewußtem Einbezug traditioneller rheinischer Bauformen einen äußerst repräsentativen Villenkomplex geschaffen, der zusammen mit seinem ehemaligen Wirtschaftsflügel an die alten Herrensitze des Rheinlandes erinnert. Sie entsprachen damit den Wünschen der Bauherrin - der Chemischen Rhenania - die als aufstrebende Industrie nach dem 1. Weltkrieg für ihre Direktoren repräsentative Wohnbauten wünschte. Unter Einbezug der Prinzipien der sog. Stuttgarter Schule haben Schreiterer und Below eine traditionelle Formensprache mit einer modernen Grundrißgestaltung verbunden, wodurch die Architektur eindeutig ihrer Entstehungszeit zugeordnet werden kann. Das Architekturbüro Schreiterer (Emil und Gottfried) und Below war für die Entwicklung der Villenbaukunst vor und nach dem 1. Weltkrieg von überragender Bedeutung. Mehrere Villen in Marienburg, am heutigen Konrad-Adenauer-Ufer, auf den Ringen und anderswo in Köln zeigen vielfältig den Willen des gehobenen Bürgertums zur Repräsentanz, dem die Architekten durch ihre Entwürfe bis hin zum Schloßbau zur Gestaltung verhalfen. Diesem Selbstverständnis des Bürgertums entsprachen auch seine Geschäfts- und Handelshäuser, die von den Architekten in großer Anzahl in Köln errichtet wurden, wie etwa die Geschäftshäuser der Firmen J. M. Farina gegenüber dem Jülichsplatz, J. F. Schüle an der Maybachstraße, Meyer und Leffmann in der Zeughausstraße und das Zeppelinhaus. Das breite Wirkungsspektrum von Schreiterer und Below wird durch so unterschiedliche Aufgaben wie für Banken (Oppenheim), Versicherungen (Rhenania, Agrippina), die Synagoge in Köln und Fabrikbauten (Walzwerk Mannstaedt in Troisdorf) unterstrichen. In all diesen Bauten zeigt sich eine bis zur Monumentalität sich steigernde Architektur, deren Grundkanon der Repräsentationsstil des erfolgreichen Vor- und Nachkriegsbürgertums ist. Innerhalb des Werkes von Schreiterer und Below stellen die ehemaligen Direktorenhäuser der Chemischen Rhenania einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist der Villenkomplex ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung Mitte der zwanziger Jahre an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0