Wohn- u. Geschäftshaus

Hansaring 98 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4428
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Hansaring 98, 50670 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 29.01.1988
Stadtteil Neustadt/Nord

Das Gebäude Hansaring 98 wurde um 1890 als Eckhaus zur Lübecker Straße, als viergeschossiges, später um ein Dachgeschoß vermehrtes, zwei- bzw. dreiachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit Eckrisaliten, zwei Balkonen, einer Werksteinfassade samt Gliederungen und einem, später zerstörten, Ecktürmchen in der Dachzone erbaut.

Das aus Sandstein bestehende Polstermauerwerk des Erdgeschosses verdeutlicht die Stärke der Sockelzone. Die Korbbögen der breiten Fenster, die gestelzten Rundbögen der nebeneinander liegenden Eingänge, die Quaderfugen, die radial verlaufenden Fugen über den Fenstern und Türen, die Kielbögen über den Fenstern und eine Kartusche zwischen den Eingängen lockern das wuchtige, regelmäßige Mauerwerk auf. Über dem Erdgeschoß erhebt sich die Werksteinfassade des ersten, zweiten und dritten Obergeschosses. Die rundbogigen Fenster des ersten Obergeschosses sind durch Polsterquader eingerahmt. Die Fenster der Eckrisalite sind besonders aufwendig gestaltet; es handelt sich hier um Zwillingsfenster, die durch eine Säule getrennt sind. Die Fenster des zweiten Obergeschosses finden neben ihrer Einrahmung durch Polsterquader einen reichhaltigen Schmuck in ihren Bogenfeldern. Dort sind in vielteiligem Beschlagwerk Köpfe angebracht. Wiederum weisen die Fenster der Eckrisalite eine besondere Gestaltung auf, indem sie durch Steinbalken unterteilt sind. Das dritte Obergeschoß ist weniger aufwendig ausgebildet. Im Gegensatz zum ersten und zweiten Obergeschoß ist hier kein Balkon um die Ecke herumgeführt. Die Fensterformen des ersten Obergeschosses werden wieder aufgenommen. Hinzu kommt ein Gesims, das in Kämpferhöhe angelegt ist. Den oberen Abschluß der Ansichtsseiten stellen ein Klötzchenfries und ein mehrfach abgestuftes Traufgesims dar. Ein mit Schweifformen verzierter Baldachin betont die Ecke. Darüber stand ursprünglich ein befenstertes Ecktürmchen mit einem Zwiebeldach. Wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört und nicht mehr wiederhergestellt. Die Fassaden, die als konstruktiver Bestandteil des Gebäudes Geschoßgliederung, Geschoßhöhe und Hausproportion wiedergeben, erhalten durch die Gesimse und breiten Balkone eine waagerechte und durch die Eckrisalite und die durch Polsterquader hervorgehobenen Kanten eine senkrechte Gliederung. Fast ausschließlich werden in die Fassaden Stilelemente der Renaissance verarbeitet, so daß von den Ansichtsseiten dieses Gebäudes eine klare, bezüglich der Formensprache verhältnismäßig einheitliche Wirkung ausgeht. Die Rückseite des Gebäudes ist verputzt. Dort sind die Balkontüren original. Die Fenster sind im Gegensatz zu denen der Vorderseiten erneuert. Der ursprünglich reiche Zierat im Inneren des Gebäudes ist im Eingangsflur erhalten. Pilaster mit Engelsköpfen, Wandkassetten, pflanzliche Schmuckformen, Lüster, Deckenstuck, sind von der ursprünglichen Ausstattung erhalten geblieben, ebenso das Kreuzrippengewölbe zwischen Eingangsflur und Treppenbereich, die hölzernen Antrittspfosten im Erdgeschoß und ersten Obergeschoß, die Wohnungsabschlußtüren im Erdgeschoß und ersten Obergeschoß, die Stuckumrahmung an der Decke bei jedem Treppenabsatz und das hölzerne Geländer.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Architekten Karl Henrici und des Kölner Stadtbaumeisters Josef Stübben durchgeführt. Dabei wurden die Ringstraße als erste und in einem Zuge erstellt. Sie bildeten eine Wohnstraße allerbesten Ranges, die den Bewohnern und Bewohnerinnen aus höheren Einkommensschichten vorbehalten war. Über Wohn- und Verkehrsaufgaben hinaus wurden dem Hansaring auch kulturelle Aufgaben in Form eines Museum, einer Schule, eines Parks übertragen. Das Gebäude Hansaring 98, zudem in der Nähe des nördlichen Verkehrsmittelpunktes, des Ebertplatzes, liegt, ist ein Zeugnis für die ursprüngliche Bebauung dieses Abschnittes der Ringstraße. Es besitzt somit ortsgeschichtliche Bedeutung.

Auch von künstlerischer Seite her ist das betreffende Gebäude von Bedeutung. Die beiden Ansichtsseiten, die an der Ecke Hansaring/Lübecker Straße einen stumpfen Winkel miteinander bilden, sind in gleicher Weise aufgebaut.

In der Umgebung des betreffenden Gebäudes gibt es noch verhältnismäßig viele Gebäude aus der Zeit der Stadterweiterung. Dazu gehören die Gebäude Hansaring 131, 88, 92, 94 sowie die Gebäude Lübecker Str. 1, 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15, 12. Das Gebäude Hansaring 98 ist somit in städtebaulicher Hinsicht von Bedeutung. Diese kann von jedem Bewohner und jeder Bewohnerin Kölns mit einem Blick vom Ebertplatz aus durch den Hansaring und mit einem Gang durch die Lübecker Straße erkannt werden.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0