Verwaltungs- u. Geschäftshaus
Hansaring 97 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4631 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Verwaltungs- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Hansaring 97, 50670 Köln |
| Baujahr | 1925 bis 1926 |
| Architekt / Planung | Jakob Koerfer |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.06.1988 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Das Büro-Hochhaus wurde 1925/25 gebaut. Baukünstlerisch war die Leistung des Architekten und Bauherren Jakob Koerfer (1875 - 1930) einmalig, weil er die von Chicago und New York kommenden Erfahrungen kreativ in die alte Stadtlandschaft Kölns umsetzen konnte. Der 65 m hohe Turmbau aus 15 + 2 + 5 Geschossen mit 8 und 3 Achsen wählt den Mittelweg zwischen der am Ort üblichen historisierenden Tradition und den radikalen Forderungen, die an die Ästhetik der reinen Zweckgestaltung M. van der Rohe und die Pragmatiker vom Bauhaus besonders an Bürobauten stellten. Die Andeutungen der rheinischen Backsteinarchitektur und der verschiedensten Traditionsbindungen sind nicht nur durch die Bekleidung der äußeren Schauseite gegeben. Die Verschiebung der Mittelachse nach Norden und die treppenartige Abstufung der Höhe reiht die asymmetrischen Rautengestalten organisch in die parallel laufenden Geschäfts- und Wohnachsen der Maybachstraße, des Hansaringes bzw. der Ritterstraße ein. Das regelmäßige Relief der Fenster als visueller Anhaltspunkt der langen und hohen Flächen ist nur angedeutet, wobei der Rhythmus der stählernen Furchen der Gleisstränge durch die spitzbogigen Fenster der Attikageschosse und andere historisierende Bauzitate abgefangen bzw. ausgeglichen wird. Die individuell gestalteten Details (so z. B. die bildhauerischen Einlagen an der Achse der Hansaringfassade, zur Ritterstraße usw.) lassen vollständig vergessen, das hier knapp 4000 qm bebaut sind. Das Eisenbetongerüst der Konstruktion umspannt eine Verblendung aus blauroten Klinkern zu allen Seiten. Vorgezogene Ecken an den Hauptbaukörpern unterstreichen die Scharfkantigkeit der Umrisse; kein Gesims unterbricht das flächig ausprägende monumentale Wandgerüst. Nach der Rückseite zu legt sich der Unterbau in abgetreppter Masse vor den Turm. Der 10 m hohe langgestreckte Saalbau zur Maybachstraße, der als Kinotheater diente, war im 2. Weltkrieg zerstört, die jetzigen Garagenbauten sind kein vollwertiger Ersatz für die ursprüngliche reiche kompositionelle Gestaltungsweise der Rückfassade.
Die innere Ausstattung entspricht durchweg dem Geiste sachlicher Einfachheit des Äußeren und sucht ihre Wirkung hauptsächlich in der Auswertung des Materials und der funktionellen Dispositionen zu erzielen. Der Paternoster mit 26 Holzkabinen und andere Einrichtungen sowie die kurze Arbeitszeit des ganzen Bauunternehmens (der Rohbau war am 24. Oktober 1924 in 135 Arbeitstagen - trotz einiger Streikwochen - beeindet) waren in seiner Zeit in dem Buch der Weltrekorde aufgezählt. Die Umbauten nach 1945 respektierten im Wesentlichen den Erstbebauungszustand.
Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt Zeugnis der ersten Versuche, die Architektur der amerikanischen Moderne in Europa und Deutschland umzusetzen und neue Sicht-, Funktions- und Ausdrucksbezüge der Großstadt herzustellen. Die ursprünglich einheitlich aufgefaßte "Ringstraße", der sechs Kilometer lange Prachtboulevard von seinen Planern, den Aachener Architekten Stübben und Henrici als eine "Kette festlicher Räume" in zehn Abschnitten von unterschiedlicher Breite und Gestaltung angelegt, war schon im 2. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts und Grunde fertig. Die urbanistischen Vorstellungen der Avantgarde, die nach 1919 von Berlin, Frankfurt und Weimar auch nach Köln strömten, brachten neue Anregungen auch in Bezug auf die Stadtgestaltung und die Pintierung des umliegenden urbanistischen Vorfeldes. Die Idee, dem Dom und den Kirchenbauten eine neue visuelle Dominante gegenüberzustellen und neue Blickpunkte für die Nordstadt und unteren Ringe zu schaffen, nahm zu Beginn der 20er Jahre feste Gestalt an. Der plötzliche nach dem Ersten Weltkrieg akute Bedarf an mehrfunktionellen Büroräumlichkeiten für die Kölner City war dabei bei den letzten Entscheidungen für den Bau des ersten Hochhauses in Deutschland (und des höchsten Bürogebäudes Europas) maßgebend.
Städtebaulich schritt der Bau neue Wege ein. Im ersten Plan ging es darum, deutliche Sichtschleusen und kompositionelle Akzente für die unmittelbare Umgebung der Ringstraßenführung und der Neustadt zu setzen. Der neue maßstab, den Architekt Koerfer Anfang der 20er Jahre setzte, hat sich besonders bei der Umstrukturierung der Stadt nach 1945 als voll zukunftsweisend bestätigt. Interessant ist, daß auch die Zeitkritik in Fachzeitschriften schon 1926 überwiegend einen "angenehmen Gegensatz" und "Ergänzung zu den sakralen Bauten und Türmen Kölns" konstatierte. Das "Hansa-Hochhaus", wie sich die Benennung des Werks Jakob Koerfers im Sprachengebrauch der Kölner eingependelt hat, prägt seit mehr als 60 Jahren das Erscheinungsbild der Kölner Moderne und besonders der nördlichen Neustadt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0