Wohnhaus
Schillingsrotter Platz 6 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4742 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Schillingsrotter Platz 6, 50968 Köln |
| Baujahr | 1937 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 22.11.1988 |
| Stadtteil | Marienburg |
Erbaut 1937, Architekten Krücken und Hartmann, 2 Geschosse, Backsteinfassade, Walmdach, seitliche Garage, Sprossenfenster, gartenseitiger Balkon mit darunterliegender Loggia und Wintergarten, gartenseitige Gaupen, weitgehend originaler Grundriß, Holztreppenhaus, Zimmertüren weitgehend neu.
Die Kölner Architekten Krücken und Hartmann haben das zweigeschossige Haus 1937 für den Landgerichtsdirektor Dr. Ferdinand Bassow und seine Frau in äußerst strenger, kubischer Form entworfen. Das Hauptgestaltungsmerkmal des Gebäudes ist der Basckstein. Den Kubus schließt ein weit vorkragendes, ziegelgedecktes Walmdach ab, das durch tief verlaufende Aufschieblinge optisch zurückgenommen wirkt. Ein an der Straßenfront asymmetrisch angeordnetes flaches Eingangsvordach bezieht die an der Seite etwas über die Bauflucht vorgezogene Garage mit rundbogigem Einfahrtstor in den Baukörper organisch aufgelockert wodurch die Strenge der Architektur spielerisch aufgelockert wird. Die Flächigkeit des traditionell niederrheinischen Baustoffs "Ziegel" wird durch scharfkantig einschneidende Fenster- und Türöffnungen gegliedert, deren differenzierte Maße in Proportion zur Asymmetrie der Straßenfassade gebracht sind. Die Fensterflächen werden von zarten Sprossen netzartig überzogen. Ein die gesamte Breite einnehmender Obergeschoßbalkon bildet an der Rückseite zum Garten eine durchgehende Horizontale, dessen daraunterliegender Raum von einem Wintergarten und einer Loggia aufgeteilt wird. Kleine Gauben auf der Dachfläche weisen hier auf den Teilausbau des Dachbodens hin. Abgesehen von einer Ausweitung der Küche in den Garagenanbau ist der Grundriß des Hauses noch original erhalten, wie auch das Holztreppenhaus mit seinem geschlossenen Handlauf, die Eingangstür und die Fenster. Die Türen sind nach dem Krieg überwiegend erneuert worden.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Schillingsrotter Platz 6 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Haus Schillingsrotter Platz 6 ist in seinen ausgewogenen Proportionen und in der sorgfältigen Durchbildung der Details ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Mit der Wahl des Baustoffs "Ziegel" ist dessen stilistische Eigentümlichkeit, klare, ungebrochene Flächen zu bilden und die Maßstäblichkeit des Hauses vorgegeben. Entscheidend bei der durch Farbe, Ziegelformat und Fugung bestimmten Oberflächenstruktur des Materials ist die Behandlung der Maueröffnungen, die durch Formate und Materialgegensätze die Gestaltung der flächigen Fassaden bewirken. Unter Einbezug horizontaler Glieder in diese Gestaltung haben die Architekten Krücken und Hartmann die sachliche Baulösung in eine künstlerische Sphäre erhoben. Stilistisch steht das Bauwerk in der Tradition der 1910 durch die Heimatschutzbewegung erfolgten Wiederbelebung des niederrheinischen Backsteinbaus, der hier Elemente des sogenannten Modernen Bauens der zwanziger Jahre mit einbezieht. Da Ende der dreißiger Jahre diese Stilform längst abgeklungen war, ist das Haus Schillingsrotter Platz 6 architekturhistorisch von großem wissenschaftlichem Interesse. Überdies ist es eines der wenigen übrig gebliebenen Bauwerke, die das Schaffen der Architekten Krücken und Hartmann dokumentieren.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0