ehem. Wasserburg "Haus Herl"
Buchheimer Ring 2 · Buchheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_5448 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | ehem. Wasserburg "Haus Herl" |
| Adresse | Buchheimer Ring 2, 51067 Köln |
| Baujahr | 1663 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.01.1990 |
| Stadtteil | Buchheim |
Das Objekt ist 1663 inschriftlich datiert. Baugeschichtlich bedeutend ist das inmitten eines Parks mit altem Baumbestand gelegene 2-geschossige Herrenhaus von 5:4 Achsen auf rechteckigem Grundriß mit Eckturm und Vorburg aufgrund seiner barocken Grundsubstanz sowie seiner im klassizistischen Baustil veränderten Fassaden (vermutlich 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts).
An der Westseite befindet sich ein mittig angelegter Dreieckgiebel mit halbkreisförmiger Fensterluke und radialem Sprossenwerk sowie ein Portal mit beidseitig begehbarer Freitreppe und schmiedeeisernem Geländer, dessen Mittelteil barocken Einfluß verrät. Unter der Freitreppe befindet sich eine rundbogige Eingangstür zu den Kellerräumen (Kreuz- und Tonnengewölbe). Alle Fenster des Gebäudes sind in Werkstein gerahmt und mit je einem Keilstein versehen. Das Portal (mit historischer Tür) ist ohrig gerahmt; von der ursprünglich barocken Bekrönung ist lediglich eine Kartusche (zwei Löwen mit Schild) erhalten. Das Herrenhaus besitzt ein hohes, schiefergedecktes Walmdach mit 2-reihigen Dachgauben, der südl. Turm ein Pyramidendach, der nördliche ist mit eng zusammenstehenden Zinnen bekrönt. Ein Wasserspeier ist erhalten. Mauerwerksanker lassen auf eine Holzbalkenkonstruktion schließen. Lamellenklappläden aus Holz vervollkommnen die ästhetische Einheit der Fassaden, die als konstruktive Teile des Hauskerns Proportion, Geschoßgliederung und Höhe des Gebäudes verdeutlichen. Im Park an der Westseite steht eine Barockfigur des heiligen Nepomuk, (um 1760) einem Schutzheiligen des 18. Jahrhunderts, sowie zwei Kölner Straßenlaternen (um 1880). Das Grundstück wird zum Teil von einer Backsteinmauer, zum Teil von einem Eisenzaun umschlossen. Der Wassergraben wurde inzwischen zugeschüttet. Dem Herrenhaus seitlich angeordnet sind die Wirtschaftsgebäude als geschlossene Hofanlage aus dem Jahre 1876 (inschriftlich datiert). Die eingeschossigen Backsteinhäuser mit Satteldächern sind trotz der teilweise veränderten Fensteröffnungen als Beispiel für niederdeutsche Backsteinarchitektur denkmalwert. Die Fassaden werden durch Friese (Deutsches Band-) Traufgesims, Würfelfries und Lisenen gegliedert.
Im rechtsrheinischen Stadtgebiet Kölns gilt die Wasserburg Herl als ältester Rittersitz. Ihre Geschichte reicht bis ins 9. Jahrhundert. In der Zeit Ludwigs des Deutschen 843 - 876 war sie ein fränkischer Königshof. Der Name "Herl" bezieht sich auf das Rittergeschlecht, das 1320 mit Heinrich von Herl erstmals urkundlich erwähnt wird. Die Benediktinerabtei Deutz empfing 1025 auf Bitten u. a. des Erzbischofs Pilgram von Köln als Geschenk König Konrads II den Hoff Herl "mit 3 Hufen Landes, der Kapelle, dem Hörigen und allem Zubehör".
Nach mehreren Besitzerwechseln wird Herl als Lehen der Herzöge von Berg genannt. Im Interessenbereich von Kurköln, der Stadt Köln und den bergischen Herzögen sind bis in die Neuzeit blutige Kämpfe und schwere Verwüstungen zu verzeichnen, in denen Herl des öfteren beschädigt oder zerstört wurde. Die Fundamente und Sockel der beiden, heute größtenteils abgetragenen Türme stammen aus der Zeit vor dem Wiederaufbau des Herrenhauses. Der Neuaufbau des Herrenhauses durch Mathias von Nagel erfolgte im Stil des Frühbarock (s. Skizze von 1722). Als weitere Besitzer werden urkundlich benannt: 1760 Melchior von Merning, 1764 Friedrich Rappard und Helene von Weiler, 1744 Ph. W, Hoffmann. Um 1810 ist Karl Friedrich Freiherr von Wendt, Weihbischof von Hildesheim, sehr um die Erhaltung von Burg, Park und Kapelle bemüht.
Um 1830/40 dient die Burg der Familie Bürgers als Landsitz. Nach dem 1. Weltkrieg gehört das Anwesen den Stahlwerken van der Zypen in Köln-Deutz, im 2. Weltkrieg werden als Besitzer die Vereinigten Stahlwerke in Duisburg genannt.
Haus Herl bildet mit den Wirtschaftsgebäuden, der Herler Kapelle und der Herler Mühle ein historisches Ensemble, welches Wirken und Wandel geschichtlicher Prozesse an einem konkreten örtlichen Beispiel noch heute anschaulich erlebbar macht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0