Wohnhaus

Bergisch Gladbacher Straße 77 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_6578
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Bergisch Gladbacher Straße 77, 51065 Köln
Baujahr1911
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 23.07.1992
Stadtteil Mülheim

1911 erbaut; 4 Geschosse, 1 Giebelgeschoß, 3 Achsen, Putzfassade mit Stuckgliederungen im Übergang vom Jugendstil zum Neuklassizismus, 3geschossiger trapezförmiger Erker mit aufgesetztem Balkon (verändert) über der östlichen Achse, im EG Fugenschnitt, betonter Hauseingang, Haustür und Fenster verändert. Im Innern original erhalten: langer Flur mit schwarz gerahmtem Terrazzoboden, blauen reich ornamentierten Wandfliesen, Deckenstuck sowie Stuck an den drei Stützbögen, Terrazzotreppe mit gedrechseltem Holzgeländer und Antrittspfosten (mit 4 Löwenköpfen), Profilleiste auf halber Wandhöhe, sehr aufwendig gearbeitete Wohnungseingangstüranlagen mit Facettenschliff- und Buntverglasung (EG-3.OG), in den Wohnungen zahlreiche Zimmertüren mit Laibungen sowie gerundete Decken, teilweise mit Stuck; in allen Etagen ein muschelförmiges Waschbecken. Rückseite: backsteinsichtig, seitlicher breiter Anbau, Fenster weitgehend verändert, originale Hoftür.

Im 19. Jahrhundert siedelten sich, gefördert durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen, bedeutende Industrieunternehmen auf dem Stadtgebiet von Mülheim an, so daß dem ehemaligen kleinmaßstäblichen Stadtkern schnell weitreichende Vorstadtbereiche hinzugefügt wurden. Im Rahmen der Mülheimer Stadterweiterung wurde die Bergisch Gladbacher Straße 1882 als Alleestraße ausgebaut. Kölner Dreifensterhäuser mit historisierendem Fassadendekor sowie aufwendig im Jugendstil gestaltete Häuser mit Erkern zeugen noch heute von der einstigen gründerzeitlichen Bebauung entlang dieser Verbindungsstraße nach Bergisch Gladbach. Ortsgeschichtliches Zeugnis dieser Zeit ist auch obiges Wohnhaus. Als integraler Bestandteil eines erst zwischen 1905 und 1910 errichteten Ensembles gegenüber dem evangelischen Friedhof ist es auch städtebaulich unverzichtbar. Darüber hinaus ragt es durch seine schmuckreiche Innenausstattung mit prächtigen blauen Wandfliesen, üppigem Deckenstuck und vor allem sehr aufwendig gearbeiteten Wohnungseingangstüranlagen baukünstlerisch hervor. Der Jugendstil kommt im Inneren verstärkt zum Ausdruck, während bei der Fassadengestaltung - der Bauzeit entsprechend - bereits erste Anklänge an den Neoklassizismus greifbar werden. Der in Anlehnung an das Rokoko geschwungene Ziergiebel bildet dabei einen wirkungsvollen kontrastreichen Blickfang. Das Wohnhaus Bergisch Gladbacher Str. 77 stellt somit ein sehr qualitätvolles Denkmal repräsentativen Wohnbaus dar, anhand dessen der Wohlstand und die individuelle Schmuckfreude des aufstrebenden Mülheimer Bürgertums nachvollziehbar ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0