Wohn- u. Geschäftshaus

Lothringer Straße 3 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_6646
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Lothringer Straße 3, 50677 Köln
Baujahr1894
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 28.10.1992
Stadtteil Neustadt/Süd

1894 erbaut; 3 Geschosse, 3 Achsen, Stuckfassade im Stil der Neurenaissance, flache Wandvorlage in der östlichen Achse, hier auch zwei Balkone (mit veränderten Brüstungen) im 1. und 2. OG, ausgebautes Dachgeschoß mit originalen Gauben (Fenster erneuert). Fenster im 1.-3. OG original, Fenster im EG sowie beide Eingangstüren verändert. Im Innern original erhalten: im Flur heller Terrazzoboden mit schwarzer Rahmung, im Vestibül Deckenstuck, Rundbogen zwischen Vestibül und Treppenhaus, hölzerne Treppenanlage mit Antrittspfosten und gedrechselten Stäben (Stäbe auf der letzten Steigung verändert). Rückseite: Backsteinfassade, seitlicher Anbau, Fenster weitgehend original. Originaler Vorgartenzaun. Nicht zum Denkmal gehören der 1geschossige seitliche Anbau im rückwärtigen Teil des Grundstücks sowie der 1geschossige Ausbau an der Rückseite des Hauses.

Das og. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von Josef Stübben geplante und ab 1881 von ihm ausgeführte Stadterweiterung von Köln gehört zu den bedeutendsten und umfassendsten städtebaulichen Leistungen des späten 19. Jahrhunderts in Deutschland. Die halbkreisförmig um die Altstadt gelegte Neustadt wurde in verschiedene Wohnviertel eingeteilt. Die alleeartig ausgebaute Lothringer Straße, an der sich das og. Objekt befindet, gehört zu den Straßenzügen, die an der Peripherie des zwischen Volksgarten und Sachsenring angelegten Villenviertels erschlossen wurden. Sie reicht von der Metzer Straße bis zur Eifelstraße und wurde ab 1889 bebaut. Während ihre gesamte Nordseite die Grenze der großen Villengrundstücke am Sachsenring bildete und meist höchstens mit Wirtschaftsgebäuden besetzt war, wurde die Südseite zwischen Metzer- und Vorgebirgstraße mit viergeschossigen Reihenhäusern mit Vorgärten bebaut. Das og. Gebäude ist ein wichtiger integraler Bestandteil dieses nur noch in Teilen erhaltenen Straßenzuges. Es bildet ein Ensemble mit dem Nachbarhaus Nr. 5, von dem es sich wiederum durch seine aufwendiger dekorierte Fassade absetzt. Konsolen und Schlußsteine an den Balkonen und Fenstern bereichern die im Stil der Neurenaissance gestaltete Stuckfassade, wobei das Konsolgesims an der Traufe einen besonderen Blickfang bildet. Die östliche Achse erhielt durch eine Wandvorlage eine zusätzliche Betonung. Breitere und zum Teil mit Balkonen versehene Fenster weisen auf die ehemals dahinter befindlichen Repräsentationsräume hin. Mit seinem großen Hinterhaus sowie dem ausgebauten und mit dekorativen Gauben versehenen Dachgeschoß dokumentiert das Haus zum einen den Bedarf nach Mietraum, weist also auf den wirtschaftlichen Aufschwung Kölns zur Zeit der Neustadterschließung hin, zum anderen belegt es den Wunsch nach mehr Wohnraum und somit die wachsenden Ansprüche der Erstbewohnerschaft. Als Beispiel für die dekorfreudige und dichte Neustadtbebauung der Gründerzeit wird das Haus Lothringer Str. 3 daher zum unverzichtbaren Dokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0