Wohn- u. Geschäftshaus

Severinstraße 135 · Altstadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_6844
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Severinstraße 135, 50678 Köln
Baujahrum 1907
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 08.06.1993
Stadtteil Altstadt/Süd

Um 1907 erbaut, 4 Geschosse, 1 Giebelgeschoß, 2 Achsen, Putzfassade mit Stuckgliederungen im Stil des Neuklassizismus, Ziergiebel. EG, Fenster und Haustür verändert. Im Innern original erhalten: im hinteren Flurbereich schwarzgerahmter Terrazzoboden, Terrazzotreppe, Geländer mit gedrechselten Stäben und Holzhandlauf, Holzprofilleiste in halber Wandhöhe. Rückseite: Putzfassade, Fenster und Fenstertüren verändert, Dachterrassen (1. und 2. OG) und Balkon (3. OG). Nicht zum Denkmal gehört die spätere 1geschossige Überbauung des rückwärtigen Hofes. Das Gebäude ist mit dem Nachbarhaus Severinstr. 133 (1961/62) durch ein gemeinsames Treppenhaus verbunden.

Das og. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Bereits von den Römern in der Verlängerung der Hohe Straße als südliche Ausfallstraße Kölns angelegt, gehört die Severinstraße zu den ältesten Straßen Kölns. Seit dem Bau der mittelalterlichen Mauer (ab 1180) wurde sie als eine der Torstraßen Kölns und Ansatzpunkt der ersten Besiedlung im südlichen äußeren Stadtbereich zur wichtigsten Straße des "Vringsveedels" oder Severinsviertels, - eines der typischen kölnischen Straßenquartiere, welches ursprünglich von Arbeitern bewohnt sowie durch Gewerbe und Industrie bestimmt war und seit einigen Jahren als bevorzugtes Wohngebiet einem modischen Wandel unterworfen ist. Infolge der Industrialisierung und des damit verbundenen Bevölkerungszuwachses waren seit den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts um die Seve

rinstorburg zahlreiche neue Straßenzüge angelegt und diese bis zur Jahrhundertwende vorwiegend mit den in Köln charakteristischen Drei-Fenster-Häusern bebaut worden. Zeugnisse dieser gründerzeitlichen Bebauung haben sich noch zahlreich im Bereich der Severinstorburg und der Kirche St. Severin erhalten. Obiges, erst um 1907 errichtetes Wohn- und Geschäftshaus hingegen dokumentiert eine Nachfolgebebauung in der Severinstraße, als deren einziges erhaltenes Zeugnis das Haus Nr. 135 ortsgeschichtlich von besonderer Bedeutung ist. Die vorgegebene schmale Grundstücksbreite ermöglichte nur den Bau eines 2achsigen Hauses - eines Bautyps, der in Köln eher eine Ausnahme bildet (z. B. Schaafenstr. 43, Thürmchenswall 36) und nur in alten Baubereichen vorkommt. Bauhistorisch verfügt obiges Gebäude Severinstr. 135 folglich über einen besonderen Seltenheitswert. Damit einhergehend ist auch die qualitätvolle baukünstlerische Fassadengestaltung des Gebäudes: Die vertikale Wirkung des Hauses erfährt durch abstrahierte, geschoßübergreifende Säulen und hochrechteckige Fenster sowie einen hoch aufragenden Ziergiebel eine zusätzliche Betonung. Vier schmalere Fenster im 3. OG tragen zur weiteren Gliederung der zweiachsigen Fassade bei und lassen sie gleichzeitig breiter erscheinen. Damals wie heute hebt sich das Gebäude in Breite, Höhe und Stil von den Nachbarbauten ab, so daß es nach wie vor auch städtebaulich einen markanten Blickfang im Bereich der Kreuzung Severinstraße/Im Dau darstellt. Als einziges Zeugnis der historischen Bausubstanz in diesem Abschnitt der Severinstraße, die hier vorrangig von einer Nachkriegsbebauung geprägt ist, wird das Haus Nr. 135 darüber hinaus zu einem unverzichtbaren Denkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0