Wohn- u. Geschäftshaus

Kurfürstenstraße 20 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7165
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Kurfürstenstraße 20, 50678 Köln
Baujahrum 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 05.07.1994
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut um 1906; 4 Geschosse, Souterrain und ausgebautes Dachgeschoß, 3 Achsen, Mittelachse durch Erker auf rechtekkigem Grundriß und Ziergiebel besonders betont, Putzfassade mit Stuckgliederungen in Anklängen an die Renaissance; zwischen Souterrain und Erdgeschoß breites Beschriftungsfeld. Haustür und Fenster erneuert. Rückseite backsteinsichtig, Fenster erneuert. Zum Denkmal gehört die originale Backsteinmauer im Nord- und Südosten des Grundstücks. Im Innern original: Terrazzoboden (im Eingangsbereich mit Stern), sparsamer Wand- und Deckenstuck, Terrazzotreppe (Antrittsstufe mit Schild und folgender Inschrift: "Mosaik-Terrazzo-& Kunststeintreppenfabrik F. Mion & Sohn Cöln-Melaten"), hölzernes Treppengeländer (zum Hof Geländerstäbe teilweise erneuert) mit Antrittspfosten, Wohnungsabschlußtüren überwiegend original.

Die von Hermann Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard) und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen). Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen (z. B. das Oberlandesgericht im "Gerichtsviertel") aufwendiger oder schlichter gstaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u. a. auch die Kurfürstenstraße angelegt, die zuvor Teil des Glacisweges und der Bonner Landstraße war. Die alte Wegeführung wurde begradigt und auf Plätze in der Bonner und Alteburger Straße zugeführt. Die Straße ist Teil des zwischen Rhein und Bonner Straße gelegenen Universitätsviertels, einem um die Jahrhundertwende gutbürgerlichen Wohngebiet. Dementsprechend fügt sich auch das o. g. Objekt mit seiner verhältnismäßig repräsentativen Fassade in die Bebauung der Kurfürstenstraße ein. Das heute als Wohnhaus genutzte Objekt kennzeichnet eine ausgewogene Fassadengliederung: der Mittelerker mit Ziergiebel und die Fensterachsen betonen die Vertikale, die durchlaufenden Stockwerkgesimse, insbesondere das reichhaltig dekorierte und weit vorkragende Kranzgesims, sowie der Fugenschnitt akzentuieren die Horizontale. Das Mietstockwohnhaus dokumentiert mit seiner Geschoßzahl und Bebauungsweise (von einer Mauer eingefriedeter Hof und Hofbebauung) das ursprüngliche Erscheinunsbild der Stübbenschen Stadterweiterung. Es gehört im nordöstlichen Bereich der Kurfürstenstraße zu einem Restbestand von in einer zweiten Bebauungsphase um 1904-06 errichteten Gründerzeitbauten, die den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überdauert haben. Innerhalb des Kölner Ensembles Neustadt-Süd ist das Wohnhaus Kurfürstenstr. 20 ein unverzichtbarer Bestandteil und unbedingt erhaltenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0