Wohnhaus
Balthasarstraße 57 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7293 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Balthasarstraße 57, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 19.12.1994 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1890, 4 Geschosse, Satteldach, 3 Achsen, Backsteinfassade in Formen des Klassizismus mit Gliederungen in Stuck (Fassade in Teilen verändert: Entfernung der Stockwerkgesimse im 1. und 2. Obergeschoß), Hauseingang links, Eingang und straßenseitige Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß (Sohlbänke aufgemauert, Oberlichter zum großen Teil geschlossen), Haustür sowie alle straßenseitigen Fenster erneuert (ohne Teilung). Rückseite: Backstein, verputzt, Fenster mit geradem oberen Abschluß (verändert), Hoftür und alle rückwärtigen Fenster erneuert (ohne Teilung). Im Innern original erhalten: Vestibul: mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordüre, bis zu halber Höhe Holzvertäfelung der Wände (z.T. beschädigt), Durchgang zum Treppenhaus als Holzeinbau mit halbrund abschließendem Oberlicht, im Erdgeschoß mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordüre, Holztreppe mit Antrittspfosten und Zwischenpfosten je Podest, Podeste mit Holzdielenböden, Wandvertäfelung in Holz, Wohnungseingänge der Obergeschosse als doppeltürige Holzeinbauten mit sprossengeteilten Oberlichten original. In den Wohnungen Holzdielenböden, z.T. Gewände und Türen original (im 2. Obergeschoß erneuert). Originale Einfriedungsmauer des Hofes, z.T. verputzt. Gewölbekeller.
Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Balthasarstraße liegt im Bereich der Erstbebauung im nördlichen Gebiet des ehemaligen Rayongeländes. Die Bebauung des Erweiterungsgebiets erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit mittleren und gehobenen Wohnansprüchen entstehen. Die Balthasarstraße, eine Seitenstraße der Neusser Straße im Bereich der Agneskirche, wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts bebaut.
Die Häuser Nrn. 55 und 57 sind integraler Bestandteil der großenteils geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels eindrucksvoll dokumentiert und bewahrt.
Das o.g. Objekt stellt eine großstädtische Variante des ehemals für Köln charakteristischen Dreifensterhauses dar. Es dokumentiert die ursprüngliche planmäßige Bebauung der Balthasarstraße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893. Mit weiteren Gebäuden der Balthasarstraße bildet das Gebäude, das sich direkt auf die Nachbarbebauung mit gleich gestalteter Schauseite bezieht, ein städtebauliches Ensemble von hauptsächlich großzügig dimensionierten Dreifensterhäusern und dreiachsigen Jugendstilhäusern. Dem Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit zurückhaltend gestalteter Backsteinfassade sowie Gliederungen in Stuckarchitektur (Schmuckformen, am Nachbarhaus identisch, sind: bossierter Sockel, durchlaufende Sohlbänke, Brüstungsfelder mit ornamentalem Schmuck, gemauerte Entlastungsbögen mit volutenförmigen Keilsteinen in Stuck). Bei der phasenweise Bebauung der Balthasarstraße werden gestalterisch unterschiedliche Ansprüche zwischen der früheren Bebauung- zu der die beiden o.g., gleichgestalteten Gebäude zählen - und der späteren Bebauung mit Jugendstilhäusern zu Anfang des neuen Jahrhunderts besonders deutlich. Aufgrund der Erhaltung großer Teile der Originalsubstanz der straßenseitigen Fassade mit schlichter, an bürgerliche Architekturformen anknüpfende Dekoration, insbesondere auch des Treppenhauses mit aufwendigen Einbauten, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument des Sozialstatus seiner Bewohner von Bedeutung. Die Häuserzeile der Balthasarstraße mit gestalterisch aufeinander bezogenen Fassaden bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die Neustädter Architektur im späten 19. Jahrhundert ein unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0