Wohn- u. Geschäftshaus

Neusser Straße 51 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8066
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Neusser Straße 51, 50670 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.03.1997
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1890, auf annähernd rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Putzfassade in Formen der Neorenaissance, Erdgeschoß (Ladenlokal) verändert (Marmorplattenverblendung, Schaufensteranlage mit Eingangsnische erneuert in Metall), Eingang links mit geradem oberen Abschluß, Haustür und Oberlicht in Metall erneuert. Öffnungen: im 1. und 2. Obergeschoß mit Segmentbogenabschluß, im 3. Obergeschoß mit Rundbogenabschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert.

Rückseite: Backstein, z. T. geschlämmt, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel dreiachsig und dreigeschossig mit Pultdach, nach Westen (im Bauverband des Seitenflügels) zweiachsige und zweigeschossige Erweiterung mit Pultdach, Hoftür im Rücksprung mit geradem oberen Abschluß, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert, z. T. Einscheibenfenster in Holz, z. T. Einscheibenfenster in Kunststoff.

Im Inneren: Treppenhaus: originale mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordüre, originale Holztreppe mit Antrittspfosten, Stäben und Handlauf in Holz, Treppenpodeste mit Holzdielenböden (unter Belag), Treppenhausfenster erneuert (Einscheibenfenster in Holz), Wohnungseingangstüren und Gewände erneuert (Holz).

Der rückwärtige Hofbereich und anschließende Garten mit Einfriedungsmauer in Backstein mit Strebepfeilern ist Bestandteil des Denkmals.

Die den Hofbereich überdachende später erstellte MetallWellblechkonstruktion ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebietes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohnansprüchen entstehen. Die Neusser Straße innerhalb der Neustadt/Nord verbindet die Ringanlage und den Ebertplatz mit den nördlich angrenzenden Stadtteilen Nippes/Weidenpesch und Riehl. Im Kreuzungsbereich zwischen Balthasarstraße und Neusser Platz mit der Agneskirche liegt das viergeschossige Gebäude Neusser Straße 51. Das unmittelbar sich anschließende, sogenannte Dreikönigsviertel mit seinem Zentrum um die Hauptfeuerwache war ehemals ein Wohnquartier für die unteren und mittleren Einkommensschichten. Der Bereich bis zur Neusser Straße wurde im Wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Den Abschnitt der Neusser Straße zwischen Ebertplatz und Agneskirche charakterisieren z. T. auch aufwendigere Mietwohnbauten, die sich teilweise am gehobenen Wohngepräge des Ebertplatzes und der Sudermanstraße orientieren.

Charakteristisch sind hier reich gestaltete Hausfassaden mit Vorbauten und Mittelbetonung und im rückwärtigen Bereich Anbauten, Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Das viergeschossige Gebäude Neusser Str. 51, das eine mit dem Nachbarhaus Nr. 53 einheitliche Fassadengestaltung in Formen der Neorenaissance zeigt, ist integraler Bestandteil der geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Straße ist das Gebäude mit anschließenden Mietwohnhäusern im Bereich Balthasar- und Ewaldistraße und angrenzender Seitenstraßen Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich vier- bis viereinhalbgeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen bzw. Jugendstilfassaden. Dem mittelständischen Charakter des Wohnnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner wertvollen Putzfassade mit Mittelbetonung durch einen konsolgetragenen Giebel im 1. Obergeschoß (Schmuckformen: Horizontalbänderung in Putz, Geschoßgesimse/durchlaufende Sohlbank, waagerechte profilierte Fensterverdachungen, im 3. Obergeschoß Pilasterstellung, Traufgesims). Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit aufwendigem Putzdekor (ausgenommen das Erdgeschoß), der weitgehend unveränderten Rückfassaden und der wertvollen Dekoration des Treppenhauses mit Holztreppe ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der nördlichen Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit der Häuser 51 und 53 und die in der Zeile der Neusser Straße anstehende Nachbarbebauung setzt sich aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Während weitere Gebäude der Straße und der gegenüberliegenden Häuserfront im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut wurden oder als Neubauten erstanden, ist das Gebäude Nr. 51 weitgehend erhalten. Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäß modernen Formen in Gestalt des Jugendstils zeigt. Das Objekt ist in Einheit mit dem Nachbargebäude für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Architektur zu Ende des 19. Jahrhunderts ein unverzichtbares Denkmal der Kölner Baukunst.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0