Wohnhaus

Erzbergerplatz 22 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7307
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Erzbergerplatz 22, 50733 Köln
Baujahrum 1908
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 10.01.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1908, L-förmiger Grundriß, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansarddach, Stuckfassade mit Jugendstilformen, 3 Achsen, erkerartige Vorbauten in den äußeren Achsen, hoher Dachaufbau in der Mittelachse, breite hochrechteckige Fenster mit geradem Abschluß im Erdgeschoß in den Oberlichtbereichen geschlossen, z.T. original erhalten (1. Obergeschoß), Eingang links, originale Haustür mit Jugendstilformen. Rückseite: Backstein, segmentbogige Fensteröffnungen, z.T. in den Oberlichtbereichen geschlossen, alle den Wohnungen zugehörige Fenster erneuert, Hoftür original. Im Innern original erhalten: Vestibül: Fliesenboden, an den Wänden bis zu halber Höhe Jugendstilfliesen, reiche Stukkierung der Wandbereiche mit Überleitung zum Deckenstuck, im Treppenhaus Terrazzotreppe, gußeisernes Geländer mit Handlauf in Holz, Treppenpodeste gefliest, alle Treppenhausfenster sprossengeteilt mit Buntglaseinschlüssen, original erhalten. Wohnungseingangstür im Erdgeschoß original. In den Wohnungen Holzdielenböden unter Spanplatten, komplett oder teilweise erhaltene Stuckdecken in den straßenseitigen Wohnräumen, Türen und Gewände z.T. original. Original erhaltene Hoftür, die über eine Treppe mit originalem Eisengeländer Zugang zum tieferliegenden rückwärtigen Garten gibt, eingeschossiger Anbau im Anschluß an das Hinterhaus, ehemals Waschküche, originales Holzfenster und Tür, gemauerte und verputzte Einfriedung bestehend aus niedriger Mauer und Pfeilern original.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industriestandort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom. Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora- und Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße ein Netz gänzlich neuer Straßen um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Anlage und Erstbebauung des Erzberger Platzes (ab 1904, urspr. Königin-Luisen-Platz), wie auch der angrenzenden Schill-, Nettelbeck- und Freiherr-v.-SteinStraße sowie der platzartigen Erweiterung der Mauenheimer Straße im Bereich der ältesten Nippeser Pfarrkirche (heute St. Heinrich und Kunigund) sind in diesem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Er entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit einer relativen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industrieortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Im wesentlichen prägen um die Jahrhundertwende errichtete zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein und mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene, drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Bebauung des ab 1904 angelegten Erzbergerplatzes vollzog sich zwischen 1906 und 1909, die Häuserzeilen an der südlichen Schmalseite der Grünanlage wurden erst 1914 vollendet. Der heute mit einer Grünanlage gestaltete Platz zeigt ringsum anstehende Bebauung von annähernd gleichen, großzügigen Parzellengrößen. Die Eckparzellen des Platzes weisen eine größere Breitenausstreckung auf, wodurch eine optische Einfassung der geschlossenen Längsseiten erreicht wird. Mit den Häusern Nrs. 2-22, wie auch der weiteren, die Platzanlage rahmende Zeilenbebauung, ist ein in geschlosseener Form erhalten gebliebenes Ensemble der Erstbebauung überkommen, das trotz Verlusten an historischer Substanz bis heute für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristische, vom Jugendstil beeinflußte Architekturformen der Fassaden des gehobenen Mietwohnungsbaus dokumentiert. Das Haus Nr. 22 - ebenso wie sein spiegelbildlich gestaltetes Nachbarhaus Nr. 20 - ist eine anspruchsvolle Variante des drei Fenster breiten Wohngebäudes und verweist anhand seiner breiten, unmittelbar am Platz gelegenen Fassade auf den Sozialstatus seiner Erbauer/Bewohner. Aufgrund der Erhaltung großer Teile des Originalzustands, besonders der straßenseitigen Fassade mit an bürgerliche Architekturformen anknüpfende Dekorationen, ist das Gebäude für die Architektur am Erzberger Platz und als Dokument sowohl der Repräsentationsbestrebungen, wie auch der Geschmacksgeschichte um die Jahrhundertwende von Bedeutung (Schmuckformen: Fugenschnitt, Dreiteilung der Fassade durch äußere Erker und in der Mittelachse Zusammenfassung der Obergeschosse durch eine Großordnung die zum hohen Dachaufbau mit reich dekoriertem Bogenfeld und abschließender Steinplastik in Form eines Obelisk überleitet, in den Brüstungsfeldern Jugendstildekorformen). Die Häuserzeile um den Erzberger Platz setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild des Platzes und als Zeugnis für die reiche Nippeser Stadtarchitektur im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiges und unverzichtbares Gebäude.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0