Wohnhaus
Florastraße 93 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7322 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Florastraße 93, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1870 bis 1880 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.01.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1870/80, unregelmäßiger Grundriß, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (nachträglicher Einbau von Dachfenstern), Satteldach, 5 Achsen und einachsiger Anbau rechts, Stuckfassade in Formen der Renaissance, hoher, reich dekorierter Ziergiebel, hochrechteckige Fenster, im Erdgeschoß mit flach segmentbogigem, im Obergeschoß mit waagrechtem Abschluß, Hauseingangstür in der Mittelachse, Teil der oberen Türöffnung geschlossen, Eingangstür sowie alle straßenseitigen Fenster erneuert. Rückseite: Backsteinsichtig, Erdgeschoßfenster mit geradem Obergeschoßfenster mit segmentbogigem Abschluß, alle hofseitigen Fenster und die Hoftür erneuert. Im Innern: im Vestibul mehrfarbige Bodenfliesen, Abschluß zum Treppenhaus durch rundbogigen Durchgang, Holztreppe mit Antrittspfosten und Stäben, Wohnungseingangstüren und -gewände original, Holzdielenboden in allen Räumen, originale Türgewände und Türen. Gewölbekeller, originale Kellertreppe in Holz. Ein im Hof nachträglich errichtetes eingeschossiges Gebäude als Gewerbebetrieb ist nicht Teil des Denkmals.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Im Gebiet nordöstlich der Kempener Str. und bis zum Inneren Grüngürtel entstanden rund um die Mauenheimer- und Florastr. neue Wohngebiete, deren Bauten aufgrund des gestiegenen Bedarfs an Wohnraum fast gänzlich als Miethäuser erscheinen. Im wesentlichen prägen um die Jahrhundertwende errichtete zwei bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein und mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Florastr. - wie ihre westliche Verlängerung, die Mauenheimer Str. - aus einem alten Flurweg hervorgegangen, ist noch weitgehend geprägt durch Gebäude dieses Zeitraums und durch die genannten Architekturformen. Das Haus Florastraße 93 ist ein Beispiel für die Erstbebauung dieses Straßenabschnitts und bildet mit anderen in der Nachbarschaft anstehenden Gebäuden aus der Zeit um 1870/80 einen noch heute beachtlichen Bestand. Charakteristisch für die frühe Erschließung und Bebauung der unmittelbar an der Straße errichteten Gebäude ist die großzügige Parzellenbreite - das Haus Nr. 93 zeigt eine fünfachsige Fassade - sowie die Zweigeschossigkeit mit ausgebautem Dachgeschoß und die geringe Höhe der Geschosse. Weitere in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entstandene Gebäude der Florastraße (Nrs. 77, 79 und ursprl. 49 und 69) zeigen eine annähernd gleiche Dimensionierung. Sehr aufwendige, an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüfende Schmuckformen an der Fassade (Fugenschnitt im Erdgeschoß, plastisch ausgearbeitete Keilsteine, Stockwerkgesims, profilierter Brüstungsbereich, durchlaufende Sohlbänke, Obergeschoßfenster mit profilierter Rahmung und Einschluß von Diamantquadern, waagrechte Verdachungen mit Klötzchenfries und aufgesetztem halbrundem Bogenfeld, das mit Diamantquadern und ornamentalem Schmuck ausgefüllt ist, reich ausgebildetes Dachgesims, von Konsolen getragen. Von Pilastern getragener Ziergiebel, mit Rundöffnungen durchbrochener Querbalken, Verdachung mit bekrönendem Halbrundbogen) zeugen vom hohen Maßstab, den die Erbauer und Bewohner zur Darstellung ihres Sozialstatus` und ihrer Repräsentationsbedürfnisse sich zu eigen machten. Der einachsige und zweigeschossige Anbau an der rechten Gebäudeseite - ursprünglich wird hier ein Durchgang zum hinterliegenden Grundstück mit gewerblicher Nutzung gewesen sein - übernimmt z.T. die Fassadendekoration des Hauptgebäudes. Außergewöhnlich wirkt die andersartige Plazierung von Stockwerk- und Dachgesims. Das Objekt ist als Beispiel für den frühen Wohnbau in Nippes ein historisches Dokument. Unmittelbar eingerahmt von Neubauten aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, im weiteren Verlauf der Florastraße umgeben von drei Fenster breiten und drei- bis viergeschossigen Mietwohnhäusern, dokumentiert es mit wenigen noch erhaltenen Beispielen die frühe Bebauung in Nippes und markiert den Anfang der kurz darauf einsetzenden massenhaften Erschließung und Bebauung der Straße mit einfachen Ansprüchen genügenden Mietwohnhäusern. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil im Ensemblebereich der Straße und somit als Baudenkmal zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0