Wohnhaus
Schillstraße 3 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7326 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Schillstraße 3, 50733 Köln |
| Baujahr | 1905 bis 1906 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.01.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1905/06, L-förmiger Grundriß, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, 3 Achsen, Stuckfassade in Anlehnung an Formen des Klassizismus und des Jugendstils, Eingang rechts, Toreinfahrt linke Achse, hochrechteckige Fenster mit geradem Abschluß, je Achse in den Obergeschossen paarweise zusammengefaßte Fenster bzw. in der Mittelachse Balkontüren. Original erhalten: schmiedeeiserne Balkongeländer, Haus- und Toreinfahrtstür sowie zum großen Teil die Fenster. Rückseite verputzt, ausgeprägtes gestaffeltes Dachgesims, z. T. originale Fenster. Im Innern original erhalten: Treppenhaus-Vestibül in zweifarbigem Terrazzo mit Einlegearbeit, Holzeinbau zwischen Vestibül und Treppenhaus, im oberen Bereich verglast, Terrazzoboden und -treppe, mehrfarbige reich dekorierte Fliesen im Erdgeschoßbereich, schmiedeeiserne Geländer, Handlauf in Holz. In den Wohnungen Reste von Deckenstuck, Holzdielenboden, z. T. Türen und Gewände sowie Fliesen im Küchenbereich. Die ebenerdige Hoffläche unterkellert, separater Zugang vom Hof, Belichtung durch Glasbausteine in den Decken. Die angrenzende Gartenfläche ist durch hohe Backsteinmauern begrenzt.
Nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße gelegen. In der Zeit von 1900 bis 1905 wurde die Schillstraße (angelegt 1904), wie auch benachbart gelegene Straßen (Blücher-, Waterloo-, Scharnhorststraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Letztere gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage "Leipziger Platz". Anlage und Erstbebauung der Schillstraße als auch des Königin-Luisen-Platzes (heute Erzberger Platz) sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Er entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit einer relativen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industrieortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Die Schillstraße, angelegt als Verlängerung der Achse Blücherstraße, westlich der Neusser Straße, schuf die Anbindung des neuen Viertels um den Leipziger Platz an die Mauenheimer Straße. Bereits Ende 1907 war die linke Seite der Schillstraße komplett bebaut, während die Häuserzeilen, die auf der rechten Straßenseite die südliche Schmalseite der Grünanlage Erzberger-Platz flankieren, erst um 1914 vollendet wurden. Die Häuser Nr. 3-13 dokumentieren eine geschlossene Zeile der erhalten gebliebenen Erstbebauung. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigt die Straße ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden drei- bis viergeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Haus Nr. 3 mit breiter, ausgewogen proportionierter Fassade, die durch eine die Achsen zusammenfassende Großordnung in Gestalt flach aufgelegter Putzflächen - der Wandgliederung mittels Pilaster entlehnt - in drei Kompartimente aufgeteilt ist, ist prägender Teil dieses Zusammenhangs. Kragbalkengetragene Balkone mit reich verzierter und geschwungener Balkonvergitterung, die mit der dezenten Stuckierung in Ornamenten eines barockisierenden Jugendstils der Fensterverdachungen und der Dekorationen der Mittelachse korrespondieren, setzen Akzente. Das Objekt ist als Zeugnis für die reiche Nippeser Stadtarchitektur im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiges und unverzichtbares Beispiel.
Das hofseitige Grundstück des Gebäudes Schillstraße 3 grenzt an die - in Resten erhaltene - Kulturlandschaft des Nippeser Tälchens. Der größere Zusammenhang dieser Landschaft, die sowohl als Naturreservat einzuordnen, als auch als schützenswerte Grünfläche festzuschreiben ist, sei kurz umrissen: der heutige Altenberger Hof (Mauenheimer Straße 92, Köln. Nippes) entstand 1749 (lt. Schlußstein mit Abtzeichen über der Eingangstür) an der Stelle des 1252 erbauten Nippeshofes - jenes Hofgutes also, das dem ganzen Stadtteil den Namen gab und somit als historische Keimzelle des Ortsteiles anzusehen ist. Der Hof ist die letzte erhaltene geschlossene Hofanlage des engeren Vorortbereiches und vermittelt mit der landschaftlichen Einbindung im Nippeser Tälchen noch eine Vorstellung von einer solchen Hofanlage in freier Umgebung. Die hier noch vorhandene, ringsum zugebaute Freifläche mit Bäumen und Buschwerk ist als Bestandteil der an Neusser-, Mauenheimer- und Schillstraße anstehenden Gründerzeitbebauung mit rückseitigen Hof- bzw. Freiflächen zu sehen. In diesem Zusammenhang und als marginaler Rest einer ehemals natürlichen Landschaftsbildung ist der Bereich von Bedeutung. Bei der Erschließung und Bebauung der Schillstraße und der umgebenden Straßen fand die im Innenbereich gelegene Freifläche Berücksichtigung. Die geschlossene Bebauung wurde um die natürliche Senke der Reste des Nippeser Tälchens angelegt. Hinzuweisen ist darüber hinaus auf die besonders hohen Einfriedungsmauern, die an den Seiten das Grundstück und die Grünfläche einfassen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0