Industriebauten

Widdersdorfer Straße 190 · Ehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7334
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungIndustriebauten
Adresse Widdersdorfer Straße 190, 50825 Köln
Baujahr1898 bis 1916
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.01.1995
Stadtteil Ehrenfeld

Erbaut 1898 - 1916, freistehende Bauten in unregelmäßiger Anordnung auf dem ehemaligen Gelände der Gasfabrik der Stadt Köln, Backsteinfassaden mit Gliederungen.

Verwaltungsgebäude:

errichtet 1904, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (Mansarddach), straßenwärtige Backsteinfassade mit Werksteingliederungen im Stil der Neurenaissance. 3 Achsen, linke Achse in der Fluchtlinie zurückgesetzt, Betonung der Mittelachse durch repräsentativen Eingang (profilierter Rundbogenabschluß, pfeilartige seitliche Rahmung mit Nischen sowie schmuckreicher Übergiebelung mit stadtkölnischem Wappen), Seiten- und Rückfronten verändert (verputzt), Gebäudeinneres entkernt.

Ehemaliges Kondensationsgebäude

(heute: Haus der 1.000 Maschinen):

errichtet 1907, Gebäude mit Haupt- und Querschiff sowie Satteldach. Hauptschiff mit aufgeständertem First zur Belichtung, Backsteinfassaden mit Gliederungen (teils mittels Putzflächen) in Anklängen an die Neuromantik; Fassaden 2-geschossig gegliedert, je Achse im EG: großes Rundbogenfenster, im OG: gekuppelte Rundbogenfenster, vom Rundbogen überfangen; Hauptschiff: 4 Achsen und im westlichen Teil: 1 Achse tief, Querschiff: jeweils 2 Achsen lang, Giebelfronten: jeweils 3 Achsen, Fenster großenteils mit originalen Metallsprossen, eckwartenartige Türmchen an den Firstenden sowie an den Traufenabschlüssen. Im Innern original erhalten: offene Halle mit lichter Metallbinderkonstruktion im Bereich der 4 östlichen Achsen des Hauptschiffes.

Ehemalige Wassergasanstalt, später Montagehalle

(nord-südgerichteter, langgestreckter Bau):

errichtet 1907 (Mittelteil), und um 1916 (nördlicher und südlicher Gebäudetrakt), neuerer westlicher Anbau. Backsteinfassaden mit Gliederungen in Anklängen an die Neuromantik (Mittelteil), bzw. in Anklängen an den Neuklassizismus (nördlicher und südlicher Gebäudeteil); Fassaden zweigeschossig gegliedert, Satteldach; Mittelteil: 5 Achsen, rechte Achse zur Werksstraße: einst giebelständig, im EG Rundbogenfenster mit großem Überfangbogen, Fenster im OG zugemauert und an deren Stelle Zieranker, linke mittlere Gebäudefront: je Achse im EG großes Rundbogenfenster, flankiert von kleinen Rundbogenfenstern (heute teilweise verändert) und im OG: Vierlingsfenster, nördlicher und südlicher Gebäudeteil: hochrechteckige Fenster (die drei linken Gebäudeachsen durch Toreinbau bzw. verblendete Fenster verändert), Fenster großenteils mit originalen Metallfenstersprossen. Im Innern original erhalten: offene Halle mit Metallbinderkonstruktion. Westlicher Anbau ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Ehemaliges Dampfkesselhaus und Aufenthaltsgebäude (Anbau im Westen):

ost-westgerichteter, langgestreckter Bau, errichtet 1898 - 1906 (Kesselhaus) und 1908 (Anbau). Backsteinfassaden mit Gliederungen im Stil des Historismus, östliche Giebelfront und nördliche Fassade heute weiß geschlämmt, eingeschossig. Zweiachsiger Westteil: zweigeschossig, Flachbogenfenster mit großenteils originalen Metallsprossen, Fassaden an mehreren Stellen durch neuere Toreinbauten verändert, Anbau heute mit Flachdach. Im Gebäudeinnern des eingeschossigen Traktes: offene Halle mit lichter Metallbinderkonstruktion.

Ehemalige Elektrozentrale (nördlicher Gebäudeteil) und Transformatorenhaus (südlicher Teil):

nord-südgerichteter Teil errichtet um 1885, südlicher ostwestgerichteter Teil errichtet um 1915. Backsteinfassaden mit Werksteingliederungen in Anklängen an die Neuromantik (nördlicher Teil) bzw. in Anklängen an den Neuklassizismus (südlicher Teil); originale Metallfenstersprossen; nördlicher Teil: Fassaden zweigeschossig gegliedert, 5 Achsen (Trauffront), 3 Achsen (Giebelfront), Rundbogenfenster, im Obergeschoss in Form von Drillingsfenstern, Rückfront: gekuppelte Fenster im EG, Eckwarten, Ziergiebel, Maueranker. Im Innern original erhalten: eingezogene Empore mit Eisengeländer sowie Eisentreppe, Stuckreste, im Keller Kappendecke oberhalb mächtiger Putz- und Metallpfeiler; südlicher Teil: Fassaden dreigeschossig gegliedert, je 3 Achsen an West- und Südfront, Rundbogenfenster (EG Giebelfront), hochrechteckige Fenster (OG Giebelfront, 1. OG Traufenseite), quer ovale Fenster (Giebelfeld, 2. OG Traufseite), gekapptes Satteldach.

Die o. g. Gebäude sind Baudenkmäler im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da diese Denkmäler sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für ihre Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Nachdem die Stadt Köln im Jahre 1873 die Gasfabrik von der englischen privaten "Imperial Continental Gas-Association" übernommen hatte, errichtete sie zwei Jahre später 1875/76 unter der Leitung des städtischen Direktor Hegner eine neue Gasanstalt außerhalb der damaligen Stadt Köln zwischen Müngersdorf und Ehrenfeld an der Bahnlinie Köln-Aachen. Bahnanschluß und mögliche spätere Erweiterungen der Gaswerke waren hier gewährleistet.

Auch wenn von den ursprünglichen Bauten dieser Gasanstalt, die jahrelang vorbildlich für die Anlage von Gaswerken in deutschen Städten war, nichts mehr erhalten ist, so sind doch die o.g. Bauten kurz nach der Jahrhundertwende nicht nur funktionsmäßig auf die älteren Bauten bezogen, sondern in ihrer architektonischen Ausgestaltung auch in Anlehnung an diese entstanden. Sie dokumentierten die frühe Gasversorgung der Stadt Köln.

Die dekorative Gestaltung der Bauten läßt nicht, wie sonst auf Industriegeländen der damaligen Zeit üblich, mit zunehmender Abseitslage von den einsehbaren straßenseitigen Bereichen nach, deutet auf die finanziell positive Entwicklung der Gaswerke und zeugt vom Stolz und dem Repräsentationsbedürfnis des städtischen Betriebes. Die Freude an schmucken Detailelementen, die die Gebäude aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in harmonischer Weise gliedern, entspricht in Form und tektonischem Aufbau der Gründerzeitbauten des Gaswerks. Die Gestaltung gleicht den älteren Bauten derart, daß eine Datierung aufgrund zeitgemäßer Stilelemente gar nicht möglich ist. Die zu jener Zeit vorgenommene Fortführung der einmal eingeschlagenen Stilrichtung spricht für das Traditionsbewußtsein des städtischen Auftraggebers, ist aber zugleich auch zeittypisch für das Bauverhalten innerhalb eines in sich geschlossenen Werksgeländes.

Lediglich die straßenseitige Front des Verwaltungsgebäudes aus dem Jahre 1904 besitzt flächige zeitgemäße Ornamentik mit eingebundenen Symbolen für die Gasanstalt und den städtischen Betreiber. Ansonsten weist erst das Transformatorenhaus im Jahre 1912, gemäß der seit etwa 1910 einsetzenden Tendenz zu einer neuen Formensprache der Kölner Industriearchitektur, neue Formenelemente auf. Der im allgemeinen die Industriebauten dieser Zeit prägende Neuklassizismus läßt bei diesem Anbau an die Elektrozentrale auch, allerdings schwach, Jugendstilelemente anklingen.

Das Ensemble dieser Bauten, das von der Widdersdorfer Straße gut einsehbar ist, bildet in diesem Straßenabschnitt einen unverzichtbaren städtebaulich bedeutenden Blickfang, der den Anfang der industriellen Entwicklung im Ehrenfeld-Braunsfelder Raum sichtbar dokumentiert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0