Wohn- u. Geschäftshaus
Florastraße 23 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7357 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Florastraße 23, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 31.01.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1905, Vorderhaus mit seitlich versetztem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, je Achse eine Dachgaube, 4 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, Erdgeschoß verändert, Hauseingang rechts, Eingang zur Gaststätte im Erdgeschoß links, flach segmentbogige Fenster, alle straßenseitigen Fenster sowie die Haustür erneuert. Rückseite: Backsteinsichtig, segmentbogige Fensteröffnungen, alle hofseitigen Fenster und die Hoftür exklusive der originalen Treppenhausfenster erneuert.
Im Innern original erhalten: Vestibul: mehrfarbiger Terrazzoboden mit mittlerem Sternmotiv, Reste von Wand- und Deckenstuck, an der rechten Wand im oberen Bereich aufwendige Stuckierung in Form von aufgelegten Gurten, korbbogiger Durchgang zum Treppenhaus, Terrazzotreppe, Holzgeländer mit Antrittspfosten und Stäben, Treppenpodeste in Terrazzo. Eine Wohnungseingangstür original erhalten. Im Innern original erhalten: in den Wohnungen Holzdielenböden, zum großen Teil reich profilierte Gewände und Türen, z. T. mit Buntglas im Oberlichtbereich.
Zum Denkmal gehört der zweigeschossige Anbau im Hof mit z.T. originalen Fenstern sowie der rückwärtige Garten. Ein sich dort befindlicher eingeschossiger Anbau ist nicht Teil des Denkmals.
Das Objekt Florastr. 23 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Im Gebiet nordöstlich der Kempener Straße bis hin zum Inneren Grüngürtel entstanden rund um die Mauenheimer- und Florastraße neue Wohngebiete, deren Bauten aufgrund des gestiegenen Bedarfs an Wohnraum fast gänzlich als Miethäuser erscheinen. Im wesentlichen prägen um die Jahrhundertwende errichtete zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser und mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Florastraße - wie ihre westliche Verlängerung, die Mauenheimer Straße - aus einem alten Flurweg hervorgegangen, ist noch weitgehend geprägt durch Gebäude dieses Zeitraums und durch die genannten Architekturformen.
Das Haus Florastr. 23 ist ein Beispiel für die mittelständige Mietwohnarchitektur zu Anfang unseres Jahrhunderts in Nippes. Sowohl die - im Gegensatz zur benachbarten Wohnbebauung der Florastraße im Bereich nahe der Neusser Straße - breite Fassade mit vier Achsen der unmittelbar an der Straße gelegenen Parzelle, als auch die variantenreiche Dekoration der Schauseite, weisen auf den bürgerlichen Sozialstatus der Bewohner hin. Aufgrund des weitgehend erhaltenen Originalzustands, insbesondere des Fassadenschmucks in Anlehnung an Formen des Jugendstils mit phantastischen Detailformen und ornamentalen Dekorationen und Teilen des Interieurs, ist das Gebäude für das Gesamterscheinungsbild der Florastraße und des Stadtteils ein typisches und wertvolles Zeugnis der bürgerlichen Architektur (Dekorationsformen: Fugenschnitt, profiliertes Stockwerkgesims, durchlaufende Sohlbänke, Rahmung und Bekrönung der Fenster bestehend aus atektonischen, plastische Wirkung erzeugenden Formen in Gestalt festonartiger Wülste, die Medaillons unterschiedlicher Größe und Form einschließen). Die Abwandlung und Kombination phantastischer Formen als Gegenbewegung zum historisierenden Pluralismus der Gründerzeitfassade ist mit dem Gebäude Florastr. 23 als auffallendes Beispiel für die Anwendung moderner Formen und als Versuch der herkömmlichen Bauaufgabe eine moderne Gestaltung zu geben, zu werten. Mit seinen ebenfalls dreigeschossigen und mit z. T. verödeten Fassaden dekorierten Nachbarbauten Nrn. 21 und 25 bildet das Gebäude einen Rest der ursprünglichen gründerzeitlichen Ensemblebebauung mit gestalterisch und proportional aufeinander bezogenen Einheiten an der Florastraße. Weitere Gebäude dieser und der gegenüberliegenden Zeile wurden im Zweiten Weltkrieg und später zerstört, wurden in modernen Formen wieder aufgebaut oder erstanden als Neubauten. Der städtebauliche Aspekt sowohl, wie die ausgewogen gestaltete Schauseite und die teilweise Erhaltung der Interieurs begründen die Schutzwürdigkeit der Architektur. Das Gebäude Florastr. 23 ist ein wertvolles und unverzichtbares Denkmal des städtischen Bauens in Nippes.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0