Teile der Hofanlage Turmhof

Turmgasse 4 · Widdersdorf

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7392
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungTeile der Hofanlage Turmhof
Adresse Turmgasse 4, 50859 Köln
Baujahr17. Jahrhundert
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.02.1995
Stadtteil Widdersdorf

Turm des 17. Jahrhunderts (?) als Rest einer älteren Anlage, ergänzt 1958/59 durch eine Vierflügelanlage, bestehend aus nördlich gelegenem Wohnflügel und drei Wirtschaftstrakten auf der West-, Süd- und Ostseite. Architekt: Seidenabel, Bonn (?). Denkmalpflegerisch relevant sind der Turm inkl. Wohnhaus nebst Garagenanbau, der Innenhof sowie die umgebenden Grünflächen (vgl. Lageplan).

Turm: 3 Geschosse auf nahezu quadratischem Grundriß, Walmdach; Backsteinfassaden mit Gliederungen (Fenstereinfassungen) aus Basalt; Maueranker; hochrechteckige Fensteröffnungen mit Einfassungen aus Basalt, je Geschoß jeweils eine Öffnung in den Mittelachsen der Nord- und Westseite (dort im EG zu querrechteckiger Öffnung mit neuer Basalteinfassung vergrößert), Fenster der 50er Jahre, eine zugemauerte Öffnung im 3. Geschoß auf der Südseite über dem Dach des angrenzenden Hofgebäudes sichtbar. Im Inneren auf der Ostseite jeweils in allen 3 Geschossen durch unterschiedlich große Öffnungen mit dem angrenzenden Wohnhausneubau verbunden (im EG fast raumbreite Öffnung, in OGs Türöffnungen) und durch Treppen im Neubau erschlossen.

Wohnhaus: östlich an den Turm angrenzend; 2 Geschosse mit Satteldach, zur Hofseite hin traufständig; Backsteinfassaden; 4 ungleichwertige Achsen; rechteckiger Hauseingang in 2. Achse von Osten mit abgeschrägter Gewändeeinfassung aus Basalt, 2 Außentreppenstufen aus Basalt, Haustür aus Holz mit Verglasung original; querrechteckige und quadratische Fensteröffnungen, Fenster original. Rückseite: Türöffnung in 3. Achse von Osten entsprechend der vorderen Hofseite mit 2 Außentreppenstufen, originale Tür; Fensteröffnungen querrechteckig und quadratisch, Fenster original; Balkon im OG mit originalem Metallgeländer. Auf der östlichen Giebelseite eingeschossiger Anbau (ehemaliger Pferdestall, Garage und Altenteilwohnung), hofseitig leicht zurückgesetzt; Backsteinfassaden; hofseitig 2 Garagentoröffnungen und Stalltür, östliche Giebelseite mit 4 kleinen hochrechteckigen Fensteröffnungen und stichbogiger türhoher Öffnung im DG mit originalem Brüstungsgeländer aus Metall, rückseitig 4 kleine hochrechteckige Fensteröffnungen und querrechteckige Dachgaube, Fenster und Garagentore original. Im Inneren original erhalten: stichbogige Öffnung des Windfangs zum Treppenhaus; Bodenbelag aus Solnhofener Platten; Treppe mit Holzstufen, Metallstabgeländer und Mipolamhandlauf, im OG als Brüstungsgeländer mit Ziermotiven fortgesetzt, Zimmertüren, Parkettboden im Wohnraum.

Bestandteil des Denkmals ist auch der nördlich auf der Rückseite des Wohnflügels in Angrenzung an die Friedhofsmauer liegende Garten: alter Kastanienbaumbestand entlang der Gebäudeflucht, Gestaltung der 1950er Jahre mit Rasenflächen und geschwungen angelegten Randbeeten, Wegeführung teilweise parallel zum Haus mit Plattenbelag (am Rand in offener Zahnung verlegt), straßenseitige Einfriedung im Osten durch Jägerzaun mit Tor. Weiterer Bestandteil ist der kleine Vorgarten auf der Ostseite des Wohnhausanbaus mit gerundeter Kantsteineinfassung aus Basalt und originaler gestuft angelegter Bepflanzung sowie der Innenhof inkl. seiner originalen Pflasterung.

Der bereits 1136 urkundlich erwähnte Ort Widdersdorf geht wahrscheinlich auf einen bis ins 19. Jahrhundert wasserumwehrten Burggrafenhof in kölnischem Besitz - den heutigen Burghof - zurück. Im Zentrum des mittelalterlichen Ortskerns, der dem Typus des Haufendorfes folgt und auch heute noch deutlich ablesbar ist, lag die Pfarrkirche mit Friedhof und Pfarrhof. Außer dem Burghof gruppierten sich weitere große Hofgüter um die Kirche sowie eine Reihe von Kleingehöften und bäuerlichen Anwesen. Der Turmhof ("Thurnhof") gehörte zu den für das Jahr 1670 überlieferten fünf großen Höfen in adligem oder kirchlichem Besitz, die alle außerordentlich reich begütert waren. Der Hof ist in seiner heutigen Form als Wiederaufbau der Nachkriegszeit auf dem Grundriß der historischen Vierflügelanlage überliefert. Bezeichnender und namengebender Gebäudeteil war und ist der wohl von der Anlage aus dem 17. Jahrhundert stammende, möglicherweise in Teilen auch ältere Turm an der Nordwestecke, der als Rest der Vorgängeranlage einbezogen und dem Wohnhausneubau auch im Inneren baulich angeschlossen wurde. Mit Bezug zu den umliegenden erhaltenen Hofanlagen des Ortes und zum nördlich angrenzenden Kirchen- und Friedhofsbereich besitzt der Turmhof entscheidende ortsbildprägende Bedeutung. Die ursprüngliche Maßstäblichkeit des Gebäudekomplexes ist durch die Höhenstufung der einzelnen Gebäudeteile nachvollziehbar. Dem dominanten dreigeschossigen Turm ordnen sich die Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit differenziert angelegten Dachhöhen insgesamt unter. Die Verwendung des Materials in Anpassung an den Turm - Klinker für alle Fassaden und Basalt für die Gliederungen der Hauseingänge - belegen eine bewußte gestalterische Orientierung am historischen Backsteinturm. Zugleich zeichnet sich die Architektur der Nachkriegsanlage, besonders des Wohnhauses einschließlich des Anbaus, durch zeitgemäße Schlichtheit und Funktionalität aus, verbunden mit qualitätvoller Gediegenheit in der Detailerscheinung. Sie ist deshalb beispielhaft für eine eher traditionelle Architekturauffassung unter den für die 1950er Jahre typischen stilistischen Richtungen und dank der vollständig erhaltenen Originalsubstanz auch hinsichtlich der Innenausstattung des Wohnhauses als denkmalwert einzustufen. Von hervorragender Bedeutung innerhalb des Komplexes ist der nordwestliche Turm als einziger erhaltener Teil der historischen Hofanlage. Er verweist seiner Form nach auf frühe mittelalterliche Wehrburgen und kann für den Turmhof entsprechende Ursprünge vermuten lassen. Noch auf einer Karte von 1818, die den Widdersdorfer Ortsbereich mit Bezeichnung der wichtigen großen Hofanlagen wiedergibt, ist auf der Nord- und Westseite des Turmhofes der Rest eines Wassergrabens zu erkennen, der dessen wehrhaften Charakter zu bestätigen scheint. Heute befindet sich auf der Nordseite des Wohnflügels ein im Zusammenhang des Nachkriegsneubaus in Angrenzung an die Friedhofsmauer angelegter Garten, der älteren Baumbestand einbezieht. Er ist in seiner zeittypischen Gestaltung weitgehend erhalten und trägt zur Vollständigkeit des jüngsten Erscheinungsbildes der im Laufe der Zeit gewandelten Anlage entscheidend bei. Die Integration des älteren Turmbauteils in den Wiederaufbau der vierflügeligen, in ihrer Gesamtfiguration unbedingt erhaltenswerten, Hofanlage aus den jüngeren 1950er Jahren, ist sowohl orts- wie architekturhistorisch von einzigartiger Wertigkeit.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0