Wohnhaus

Kempener Straße 11 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7415
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kempener Straße 11, 50733 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 06.03.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1910, Vorderhaus mit rückwärtigem Anbau, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansarddach, 3 Achsen, Stuckfassade in Jugendstilformen, Sockel in Werkstein, Erker auf trapezförmigem Grundriß mit abschließendem Balkon, hoher Dachaufbau, Eingang links, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster original mit sprossengeteiltem Oberlicht, Haustür mit Oberlicht in Form des Ochsenauges original erhalten. Im Innern original erhalten: Vestibul: mehrfarbige Jugendstilbodenfliesen mit Bordure, fünfstufige Marmortreppe, Wandverkleidung bis zu halber Höhe in Marmor, reicher Wand- und Deckenstuck, Terrazzotreppe, Holzgeländer mit Antrittspfosten.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dichtbebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die breite baumbestandene Kempener Straße wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts anstelle der Bahnlinie Köln - Neuss - Krefeld, die den Ortsteil Sechzig von Nippes trennte und 1897/98 aufgegeben wurde, angelegt. Bis ca. 1915 entstanden im südlichen Bereich der Straße Mietwohnhäuser auf breiten Parzellen, deren meist dreiachsige Fassaden in modernen Formen dekoriert und durch Erker, Risalite und Dachaufbauten strukturiert sind. Das Gebäude Kempener Straße 11, das nahe dem Kreuzungsbereich zur Neusser- und Auerstraße liegt, ist integraler Bestandteil der noch teilweise erhaltenen historischen Bebauung (Schmuckformen: Sockel mit grob behauenen Bossenquadern, aufwendige Einfassung des Eingangs: Bogenverdachung mit Einschluß des Oberlichts im Bogenfeld, Stockwerkgesims, Brüstungsfelder mit geometrisch abstrakten sowie floralen Schmuckformen, Dachgesims, hoher Dachaufbau mit Dreieckgiebelbekrönung). Es veranschaulicht mit weiteren großzügig dimensionierten Wohnbauten mit Fassaden in Formen des Jugendstils das ursprüngliche Erscheinungsbild der relativ spät angelegten Wohn- und Geschäftsstraße. Als Beispiel für die stadtteilspezifische, im frühen 20. Jahrhundert errichtete Architektur ist das weitgehend im Originalzustand erhaltene Gebäude ein unverzichtbares Dokument.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0