Wohn- u. Geschäftshaus
Kempener Straße 5 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7563 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Kempener Straße 5, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1910 bis 1914 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.08.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1910/14, auf rechteckiger Grundfläche, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Dachaufbau mit dreiachsigem Ziergiebel und eigenem Walmdach, 5 Achsen, Putzfassade in Formen des Jugendstils. Eingang zweite Achse von links (Eingangsbereich mit ehemals zwei Zugängen verändert), dreiteiliges Oberlicht oberhalb der vorkragenden Wetterschutzplatte, Fenster mit geradem oberen Abschluß, Betonung der breiteren Mittelachse durch breite Fenster bzw. Balkon im 2. Obergeschoß, Haustür (Metall) und alle straßenseitigen Fenster erneuert, Treppenhausfenster (zur Straße) original. Rückseite: verputzt, vierachsig, Souterrain, Mauer mit gußeisernem Geländer schließt ab zum höher gelegenen Garten. Am Erdgeschoß eingeschossiger Anbau, Balkone mit gußeiserner Vergitterung, alle Fenster bzw. Balkontüren mit geradem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster zum großen Teil original. Im Innern: Vestibül: Bodenfliesen schwarz/weiß, Marmortreppe, Wandverkleidung in Marmor, separater Zugang zum Souterrain, Terrazzotreppe, Geländer in Holz, Podeste mit zweifarbigen Bodenfliesen, sechseckig. Wohnungseingangstüren: im Erdgeschoß (Metall-Glas-Einbau) und im 1. Obergeschoß verändert, 2. Obergeschoß: Holz-Glas-Einbauten, sprossengeteilt und verglast. In den Wohnungen: originale verglaste Türen z. T. mit sprossengeteilten Oberlichten und kassetierten Gewänden, z. T. Stuckdecken in den straßen- und rückseitigen Räumen (im 1. Obergeschoß kassetierte Stuckdecke, im 2. Obergeschoß Balkenstuckdecke). Küche 1. Obergeschoß: Reste der originalen Wandfliesen (gelb, grün abgesetzt), Küche 2. Obergeschoß Einbauschrank in Holz, Bad 1. Obergeschoß originale Holzeinbauten. Rückwärtiger Garten mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein mit gemauerten Pfeilern.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die breite baumbestandene Kempener Straße wurde in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts anstelle der Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, die den Ortsteil Sechzig von Nippes trennte und 1897/98 aufgegeben wurde, angelegt. Bis ca. 1915 entstanden im südlichen Bereich der Straße Mietwohnhäuser auf breiten Parzellen, deren z. T. breitgelagerte Fassaden in zeitgemäß modernen Formen dekoriert und durch Erker, Risalite und Dachaufbauten strukturiert sind. Das Gebäude Kempener Straße 5 ist integraler Bestandteil der in Teilen geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung auf breiten Parzellen, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße mit rhythmisch angeordneten Fassaden, die Risalite und Erker mit Zieraufbauten einschließen, und zu denen mindestens im rückwärtigen Bereich ein Ziergarten gehört, bewahrt. Das Gebäude stellt eine großstädtische Variante des Kölner Mietwohnhauses dar und ist Teil eines städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich breitgelagerten Jugendstilhäusern, und der historistischen Fassadendekoration verhafteten Bauten aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude Nr. 5 mit seiner repräsentativen, gestalterisch sehr aufwendigen, symmetrisch gegliederten Fassadenkomposition (Schmuckformen: Sockelbereich mit Natursteinplatten, Erdgeschoß Fugenschnitt, die Obergeschosse gegliedert durch eine Großordnung in Art von Pilastervorlagen mit abschließender kapitellähnlicher Ornamentik, Betonung der breiten Mittelachse mit Einschluß eines segmentförmigen Balkons im 2. Obergeschoß, Traufgesims, zurückgesetztes Dachgeschoß mit dreiachsigem Ziergiebel). Die sparsam mit zeitgemäß modernen Formen dekorierte Fassade läßt bereits eine neoklassizistische Strömung, die sich dem Vorrang der Architektur unterordnet und wenige Jahre später als großstädtische Variante einen Großteil der Neubauten bestimmt in der Fassadenbehandlung erkennen. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Schauseite mit ihren an bürgerliche Architekturformen anknüpfende Dekoration ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Stadtteils Nippes und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die Häuserzeile der Kempener Straße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble zeitgenössischer Architektur (Nrn. 7 - 11 und gegenüberliegende Gebäude). Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der weitgehend geschlossen erhaltenen Bebauung des alleeartigen Straßenzuges und als Zeugnis für die reiche Nippeser Stadtarchitektur im frühen 20. Jahrhundert ein unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0