Wohn- u. Geschäftshaus
Wilhelmstraße 49 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7427 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Wilhelmstraße 49, 50733 Köln |
| Baujahr | 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 06.03.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, Souterraingeschoß, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 2 Achsen, Stuckfassade in Formen der Neogotik, Souterraingeschoß verändert (Wandfliesenverkleidung), Erker auf rechteckigem Grundriß mit abschließendem Balkon (der gesamte Erkerbereich sowie Balkon und Ziergiebel verändert), Eingang rechts, Fensteröffnungen im Hochparterre mit segmentbogigem oberen Abschluß, in den Obergeschossen gerade Abschlüsse, Haustür erneuert, alle straßenseitigen Fenster original.
Rückseite: Backstein, verputzt, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel zweiachsig, segmentbogig schließende Fensteröffnungen, rückwärtige Fenster (bis auf eines im 3. Obergeschoß) original, Hoftür erneuert.
Im Innern original erhalten: Vestibul: Eingangsbereich mit mehrfarbigen Bodenfliesen, Terrazzotreppe zum Treppenhaus, Handläufe in Holz beidseitig, Wandstuckgliederungen, Treppenhaus: Terrazzoboden im Erdgeschoß, offene Holztreppe mit Antrittspfosten, Stäben und Handlauf, Treppenpodeste mit Holzdielenboden, Wohnungseingangstüren erneuert, Treppenhausbereich des Souterrains mit Fliesenboden in Rautenmuster weiß/rot. In den Wohnungen: im Erdgeschoß Flur, Küche und Toilette mit Terrazzoboden, Holzdielenböden unter Spanplatten in den Wohnräumen.
Rückwärtiger Hof-/Gartenbereich mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt.
Weiterer eingeschossiger Anbau im Bauverband ist nicht Teil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Südlich der Zentral-Eisenbahnwerkstätten entstand seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts das Arbeiterviertel Sechzig, dessen Erschließung und Bebauung sich bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts vollzog. Die ursprüngliche Wilhelmstraße, angelegt 1873/74, war eine Verbindungsstraße zwischen Niehler- und Neusser Straße. Erst zu Ende der 90er Jahre begann der Ausbau einer westlichen Verlängerung über die Neusser-, später über die Kempener Straße hinaus bis hin zur Merheimer Straße. Als letztes Stück entstand die Partie zwischen der seit 1900 als breite Alleestraße gestalteten Kempener- und der Siebachstraße. Heute stellt die Wilhelmstraße eine durchgehende Ost-West-Verbindung her zwischen Niehler-, Neusser-, Christina-, Kempener-, Siebach- und Merheimer Straße. Das Gebäude Wilhelmstraße 49 im Kreuzungsbereich zur Christinastraße und zum Wilhelmplatz gelegen, gehört mit seinen gegenüberliegenden Nachbarhäusern Nrn. 52 - 66 zu einem einheitlich konzipierten und in einem Zuge errichteten Ensemble, das die Erstbebauung zwischen Kempener- und Neusser Straße darstellt und sozialgeschichtlich die um die Jahrhundertwende einsetzende Wandlung des Industrieortes Nippes zu einem auch für den gehobenen Mittelstand attraktiven Wohnort dokumentiert. Die typische Erscheinungsform des zur Zeit der Jahrhundertwende errichteten Geschoßwohnungsbaus ist in diesem Abschnitt der Straße nur noch an Teilen der Bebauung nachzuvollziehen. Ein großer Teil der benachbarten Bebauung wurde im Zweiten Weltkrieg und später zerstört, in modernen Formen wiederaufgebaut oder entstand als Neubauten. Bezeichnend für das Haus Nr. 49 ist die Geschoßgliederung mit Souterrain für eine gewerbliche Nutzung und hochgelegenem Erdgeschoß sowie die Dekoration der Fassade in der restaurativen Formensprache der Neugotik (Schmuckformen: Fugenschnitt, konsolgetragener Erker, Stockwerkgesimse, Fensterverdachungen im 2. Obergeschoß: in einen Spitzbogen eingestellte Dreipassform, 3. Obergeschoß: dreiteilige waagrechte Verdachung, im Bogenfeld Relief mit gotischem Maßwerk, Traufgesims als Spitzbogenfries). Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigen die in der Zeile aufeinander abgestimmten Gebäude ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden dreigeschossiger, auf mittelständische Bewohner zugeschnittener Mietwohnarchitektur. Die Nr. 49 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs und unverzichtbarer Bestandteil des städtebaulichen Ensembles, dem in seiner zeittypischen Kombination von Formelementen des Jugendstils und historistischer Dekorationen - im vorliegenden Fall der Neugotik - auch künstlerische Bedeutung zukommt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0