Wohnhaus

Gellertstraße 16 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7452
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gellertstraße 16, 50733 Köln
Baujahrum 1880
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.04.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1880, 3 Geschosse, 3 Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen der Renaissance, Eingang rechte Achse, im Erdgeschoß rundbogig abschließende Tür- und Fensteröffnungen, in den Obergeschossen Fenster mit geradem oberen Abschluß, in der Belétage aufwendig gestaltete Fensterverdachungen.

Die Fassade des Gebäudes Gellertstr. 16 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Gellertstraße verbindet die Niehler- mit der Neusser Straße, der Grenze des Ensemblebereiches Nippes. Sie wurde 1877 angelegt und führte zunächst von der Niehler Straße nur bis zur Eichstraße hin. Sie gehört zu den frühen Straßenerschließungen in der für diesen Stadtteil entscheidenden Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs (1880/90 bis 1910). In rascher Folge entstanden hier in diesen Jahren dreigeschossige Wohnhäuser, deren reich dekorierte Fassaden in Formen der Renaissance, des Barock und verschiedener Varianten des Jugendstils diesem neuen Abschnitt der Straße sein charakteristisches Erscheinungsbild gaben.

Die Fassade des Hauses Gellertstr. Nr. 16 ist aus städtebaulichen Gründen, zusammen mit fassadenähnlichen Nachbarhäusern sowie weiteren annähernd im Originalzustand erhaltenen Gebäuden der Straße schützenswert, da sie Bestandteil einer Fassadenreihe von Häusern des Historismus ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gellertstraße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile, deren Dekorationen die ehemaligen hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen darstellen (Schmuckformen der Gellertstr. 16): Fugenschnitt, Stockwerkgesims, verkröpfte durchlaufende Sohlbänke, deren Brüstungen als Podest für die aufwendige Rahmung der Verdachungen der Obergeschoßfenster dienen: im 1. Obergeschoß flankierende ionische Pilaster, Dreieckgiebelbekrönungen, im 2. Obergeschoß konsolgetragene Sohlbänke und Verdachungen, die mit reich profilierten Rundbögen und Einschluß eines Muschelmotivs im Bogenfeld abschließen). In der Gellertstraße hatte sich eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser zur eigenen Nutzung gebaut, wie auch wurden Mietwohnhäuser für eine gehobene Mieterschaft errichtet. Dieser Aspekt des Bauens im Stadtteil Nippes ist an der Fassade des Gebäudes und seinen Nachbarn nachvollziehbar. Aufgrund des weitgehend erhaltenen Zustands der straßenseitigen Schauseite, die antikisch gefärbte Dekoration zeigt, und sich der Formen der restaurativen Gestaltungssprache der Neorenaissance bedient, ist sie für das Ensemble der Stadtarchitektur von hoher Bedeutung und unverzichtbarer Bestandteil der Bebauung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0