Wohnhaus
Gellertstraße 46 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7453 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Gellertstraße 46, 50733 Köln |
| Baujahr | 1898 bis 1899 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.04.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1898/99, rechteckiger Grundriß mit rückwärtigem Treppenhausvorbau, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansarddach, Ziergiebel, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen der Renaissance, 4 Achsen. Eingang linke Achse, im Erdgeschoß rundbogig abschließende Fensteröffnungen, in den Obergeschossen Fenster mit geradem oberen Abschluß, im Ziergiebel zwei schmale Rundbogenfenster, alle straßenseitigen Fenster original. Rückseite: Backstein, 2 Achsen, einachsiger Treppenhausvorbau, segmentbogig schließende Fenster, farblich gegliederte Entlastungsbögen, alle rückwärtigen Fenster original erhalten, nachträglicher Anbau von Balkonen (30er Jahre). Im Innern original erhalten: Treppenhaus: mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordure, Holztreppe mit Antrittspfosten und Handlauf, Podeste mit Holzdielenboden, Wohnungseingänge als Holz-/Glas-Einbauten mit Oberlicht, originale Hoftür und Treppenhausfenster, im 2. Obergeschoß bleigefaßtes Buntglasfenster. In den Wohnungen: Holzdielenböden, in den straßenseitigen Räumen Stuckdecken (im 2. Obergeschoß z. T. erhalten), originale Türen und Gewände.
Grundrisse der Wohnungen in Teilen verändert.
Gewölbekeller.
Straßenseitiger Ziergarten mit Teilen der originalen Einfriedung: niedrige Werksteineinfassung mit schmiedeeiserner Vergitterung. Rückwärtiger Garten-/Hofbereich mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein.
Das Gebäude Gellertstr. 46 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.
Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Gellertstraße (ehemals Neue Schulstraße und Mühlenstraße), verbindet die Niehler- mit der Neusser Straße, der Grenze des Ensemblebereichs Nippes. Sie wurde 1877 angelegt und führte zunächst von der Niehler Straße nur bis zur Eichstraße; erst 1896 erfolgte die Verlängerung zur Neusser Straße hin. Sie gehört zu den frühen Straßenerschließungen in der für den Stadtteil entscheidenden Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs (1880/90 bis 1910). In rascher Folge entstanden hier in diesen Jahren dreigeschossige Wohnhäuser, deren reich dekorierte Fassaden in Formen der Renaissance, des Barock und verschiedener Varianten des Jugendstils dem späteren Abschnitt der Straße sein charakteristisches Erscheinungsbild gaben.
Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gellertstraße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile, deren aufwendige Dekorationen sich im Innern, besonders in den Entrées und Treppenhäusern zahlreicher Häuser fortsetzen. Die repräsentativen Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Straße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser zur eigenen Nutzung errichtete (Schmuckformen: profilierte Rundbogeneinfassung der Eingangstür und der Erdgeschoßfenster , volutenförmige Keilsteine vor rechteckigen Wandvorlagen im 1. Obergeschoß, festongeschmückte Brüstungsfelder, konsolgetragene und reich profilierte Fensterverdachungen in Dreieckform, im 2. Obergeschoß gerade Verdachungen, Dachgesims, Treppengiebel mit Rundbogenabschluß und Giebelfahne in Metall). Das Haus Gellertstr. 46 ist zusammen mit den fassadenähnlichen Nachbarhäusern (Nrn. 40/42) und den gegenüberliegenden Nrn. 39/41 sowie einigen weiteren annähernd im Originalzustand erhaltenen Gebäuden (Eckbebauung zur Neusser Straße) ein unverzichtbares Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes der Jahrhundertwende.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0