Wohnhaus

Gellertstraße 42 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7411
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gellertstraße 42, 50733 Köln
Baujahrum 1898
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 06.03.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1898, 4 Geschosse, flaches Satteldach (geändert), Stuckfassade in Formen der Renaissance, 3 Achsen, in der Mittelachse leicht vortretender, risalitartiger Vorbau, im Bereich des Erdgeschosses bis zum 2. Obergeschoß verändert (nach Schäden an der Bausubstanz wurden die beiden Balkone samt Türen in der Mittelachse entfernt), paarweise zusammengefaßte Fenster im Vorbau, Hauseingang rechte Achse, Haustür erneuert, Fenster mit segmentbogigen, im 3. Obergeschoß geraden Abschlüssen, die straßenseitigen Fenster zum großen Teil erneuert (im 1. und 2. Obergeschoß je zwei originale Fenster). Rückseite: Backstein, segmentbogige Fensteröffnungen, alle rückwärtigen Fenster sowie die im oberen Bereich geschlossene Hoftür erneuert. Im Innern original erhalten: Vestibul: mehrfarbige Jugendstilbodenfliesen mit Bordure, Stuckdecke, Rundbogendurchgang, zweiter segmentbogiger Durchgang zum hintergelegenen Treppenhaus, im Treppenhaus mehrfarbige Jugendstilbodenfliesen mit Bordure, offene Holztreppe, ab dem 1. Obergeschoß originales Holzgeländer mit Zwischenpfosten, Podeste mit Holzdielen, Wohnungseingangstüren außer im 3. Obergeschoß original. In den Wohnungen original erhalten: Holzdielenböden, z. T. Gewände und Türen.

Gewölbekeller.

Im Hof Teile der originalen Einfriedungsmauer in Backstein erhalten.

Das Gebäude Gellertstr. 42 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzt sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz, das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Gellertstraße (ehemals Neue Schulstraße und Mühlenstraße), verbindet die Niehler- mit der Neusser Straße. 1877 angelegt führte sie zunächst von der Niehler Straße nur bis zur Eichstraße; erst 1896 erfolgte die Verlängerung zur Neusser Straße hin. Die Gellertstraße gehört mit der Flora-, Kuen- und Eichstraße zu den frühen Straßenerschließungen in der für diesen Stadtteil entscheidenden Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs (1880/90 bis 1910). Sie verbindet den südlichen, älteren Stadtteil mit jüngeren Ansiedlungsflächen. In den letzten Jahren des Jahrhunderts wurden die Gellert-, Kuen- und Schenkendorfstraße systematisch erschlossen und um die Jahrhundertwende bis ca. 1905 in relativ kurzer Zeit mit anspruchsvollen, hinter kleinen Ziergärten optisch von der Straße entfernten, städtisch geprägten Wohn- und Mietwohnhäusern bebaut. In rascher Folge entstanden hier in diesen Jahren dreigeschossige Wohnhäuser, deren reich dekorierte Fassaden mit Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in Formen der Gotik, Renaissance und des Barock und verschiedener Varianten des Jugendstils diesem neuen Abschnitt der Straße sein charakteristisches, historistisches Erscheinungsbild geben.

Das Haus Gellertstraße Nr. 42 ist zusammen mit seinem in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration ähnlich gestalteten Nachbarhaus Nr. 40 und den gegenüberliegenden Nrn. 39 und 41 sowie einigen weiteren annähernd im Originalzustand erhaltenen Gebäuden ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes der Jahrhundertwende (Schmuckformen: Fugenschnitt im Erdgeschoß kräftig, in den Obergeschossen flach, konsolgetragene Verdachungen im 1. Obergeschoß als Rundbögen mit Einschluß des Muschelmotivs im Bogenfeld, im 2. Obergeschoß waagrechte Verdachungen, profilierte Rahmung der Fenster mit z. T. plastisch gestalteten Keilsteinen, Dachgesims mit Zahnschnitt, am Vorbau verkröpft).

Aus städtebaulichen Gründen ist das o. g. Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit weiteren erhaltenswerten Gebäuden eine Fassadenreihe von Häusern des Historismus bildet. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gellertstraße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile, deren Dekorationen sich im Inneren, besonders in den Entrées und Treppenhäusern zahlreicher Häuser fortsetzt. Dies sich noch heute darstellenden Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Gellertstraße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser zur eigenen Nutzung errichtete sowie Mietwohnhäuser für eine anspruchsvolle Mieterschaft entstanden. Dieser Aspekt des Bauens im Stadtteil Nippes ist am Gebäude Gellertstraße 42 und seinen Nachbarn nachvollziehbar. Aufgrund der noch weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustandes der straßenseitigen Fassade, die, an architektonische Hoheitsformen anknüpfende, antikisch gefärbte, und der restaurativen Gestaltungssprache der Neorenaissance sich bedienende Dekorationen zeigt, ist das Gebäude für das Ensemble der Stadtarchitektur in Nippes von hoher Bedeutung und unverzichtbarer Bestandteil der Wohnbebauung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0