Wohnhaus

Scharnhorststraße 1 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7481
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Scharnhorststraße 1, 50733 Köln
Baujahr1905 bis 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 10.05.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut 1905/10, unregelmäßiger Grundriß, rückwärtiger Anbau, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach (Dachgestaltung verändert), 3 Achsen, Stuckgliederungen in Formen des Historismus und des Jugendstils, Mittelrisalit auf rechteckigem Grundriß, Eingang links, originale Eingangstür mit sprossengeteiltem Oberlicht, Fenster im Erdgeschoß mit segementbogigem oberen Abschluß, in den Obergeschossen mit geraden Abschlüssen, im Risalit breite Fenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert (im Erdgeschoß Oberlichter geschlossen). Keilsteine der straßenseitigen Fenster z. T. erneuert bzw. nach Zerstörung ergänzt.

Rückseite: Backstein, verputzt, Vorderhaus einachsig, Anbau zweiachsig, Fenster und Hoftür mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster und die Hoftür erneuert.

Treppenhaus: Terrazzotreppe (mehrfach lackiert) mit schmiedeeisernem Geländer und Handlauf in Holz, Podeste mit mehrfarbigen Bodenfliesen und Bordure.

Im Innern original erhalten: Holzdielenböden in den Obergeschossen, z. T. originale Türgewände und Türen, Reste der Stuckdecken. Im Erdgeschoß keine originale Substanz.

Straßenseitiger Ziergarten ohne Einfriedung neu angelegt.

Rückwärtiger Hofbereich mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt.

Rückwärtiger Anbau über alle Geschosse (Badezimmer) ist nicht Teil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit weinigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße gelegen. In der Zeit von 1900 bis 1910 wurde die Schanhorststraße wie auch benachbart gelegene Straße (Blücher- und Waterloostraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Diese gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Erschließung und Erstbebauung der Scharnhorststraße sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Dieser entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit relativer Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industriestandortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Die Gebäude der Scharnhorststraße dokumentieren eine weitgehend geschlossene Zeile der erhalten gebliebenen Erstbebauung. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigt die Straße ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden drei- bis viergeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten.

Das Haus Nr. 1 im Kreuzungsbereich zur Neusser Straße gelegen zeigt eine ausgewogen gestaltete Schaufassade mit antikisch geprägten Dekorationen (Fugenschnitt (im Sockelbereich als Bossenwerk), Einschluß von plastisch hervortretenden Keilsteinen, Dachgesims, barockisierndes "französisches" Walmdach über dem Mittelrisalit, im 2. Obergeschoß dreifach bekröntes Wappen innerhalb einer reliefartigen Dekoration in Gestalt eines Baummotivs (= Präsentation (familären) Wohlstands, bzw. Zurschaustellung des tatsächlichen oder beanspruchten materiellen Besitzes). Das Gebäude ist ein Beispiel für die repräsentative, gestalterisch aufwendige Mietwohnarchitektur zu Anfang unseres Jahrhunderts in Nippes. Aufgrund des teilweise erhaltenen Originalzustands, insbesondere der straßenseitigen Schauseite mit an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Gestaltung ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Scharnhorststraße und als Dokument sowohl des Sozialstatus'als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Erbauer und Bewohner von Bedeutung. Die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Gebäude (Nrn. 4, 8, 3 - 11) weisen aufeinander bezogene Fassaden mit Mittelrisaliten und -erkern auf und bilden mit der Nr. 1 ein Ensemble historistischer Architektur. Das Objekt ist aufgrund seiner bemerkenswerten Gestaltung für die Architektur des Stadtteils Nippes ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0